Welt 27.05.2026
19:31 Uhr

„Etwas läuft schief im Land“ – Connemann kritisiert Rekord bei Teilzeitarbeit scharf


Fast jeder Dritte arbeitet in Teilzeit – ein Rekordwert. Gitta Connemann von der Mittelstandsunion fordert: Wer mehr arbeiten könne, müsse dies auch tun. Ein Problem sei aber die hohe Besteuerung zusätzlicher Arbeit, räumt die CDU-Politikerin ein.

„Etwas läuft schief im Land“ – Connemann kritisiert Rekord bei Teilzeitarbeit scharf

Die Vorsitzende der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der Union (MIT), Gitta Connemann, sieht den neuen Höchststand an Teilzeitarbeit mit Besorgnis. „Etwas läuft schief in Deutschland. Unsere Betriebe suchen händeringend Arbeitskräfte. Der Fachkräftemangel wird zur Wachstumsbremse. Gleichzeitig steigt die Teilzeitquote immer weiter“, sagte die CDU-Politikerin und Parlamentarische Staatssekretärin im Wirtschaftsministerium der Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch. Zuvor hatte das Statistische Bundesamt mitgeteilt, dass fast jeder dritte (31,9 Prozent) abhängig Beschäftigte nur mit einem reduzierten Stundenumfang arbeitet – ein Rekordwert. Jede zweite Frau war teilzeitbeschäftigt (50,6 Prozent), zudem etwa jeder siebte Mann (14,3 Prozent). Im Jahr 2015 waren es noch 48 Prozent der Frauen und 10,6 Prozent der Männer. Allerdings stieg die Zahl der geleisteten Stunden leicht – um 0,1 auf 21,3 Wochenstunden. Es gebe „beste Gründe“ für ‌Teilzeit, betonte Connemann. Teilzeit sei etwa unverzichtbar, wer Kinder erziehe, Angehörige pflege oder sich weiterbilde. Dafür brauche man oft flexible Arbeitszeit (verlinkt auf https://www.welt.de/themen/arbeitszeit/) en. „Familie, Pflege, Beruf und Weiterbildung müssen vereinbar bleiben.“ Aber Viele arbeiteten in Teilzeit, obwohl sie mehr arbeiten könnten. Das habe Folgen für die Betroffenen und für das Gemeinwesen. „Weniger Arbeitszeit bedeutet oft weniger Rente (verlinkt auf https://www.welt.de/themen/rente/) und ein höheres ‌Risiko von Altersarmut. Gleichzeitig fehlen Einnahmen in der Kranken- und Pflegeversicherung.“ Wer mehr leisten könne, sollte auch mehr Verantwortung übernehmen, forderte Connemann. „Starke Schultern müssen mehr tragen – auch bei der Arbeitszeit.“ Mehr Arbeit müsse sich dann aber auch lohnen. Wer mehr arbeite, müsse spürbar mehr Netto vom Brutto haben. Leistung und Einsatz verdienten ‌Anerkennung auch auf dem Gehaltszettel. Die MIT ‌hatte im Januar eine Debatte ausgelöst, als sie sich in einem Positionspapier gegen „Lifestyle-Teilzeit“ (verlinkt auf https://www.welt.de/politik/deutschland/article69770ff0707d4aa2075814c4/teilzeit-cdu-vorstoss-loest-blankes-unverstaendnis-bei-spd-aus-connemann-rechtfertigt-idee.html) ausgesprochen hatte. Der Begriff wurde danach ‌gestrichen. Aber der CDU-Parteitag beschloss, dass der gesetzliche Anspruch auf Teilzeit ‌außer ‌etwa für Arbeitnehmer mit Pflege- oder Betreuungsaufgaben eingeschränkt werden soll.