Welt 10.05.2026
16:00 Uhr

Erste Passagiere verlassen „Hondius“ – so geht es mit den deutschen Gästen weiter


Das von einem Ausbruch des Hantavirus betroffene Kreuzfahrtschiff ist in den Hafen Granadilla der Insel Teneriffa eingefahren. Von hier aus sollen die Passagiere unter strengen Sicherheitsvorkehrungen zu einem nahegelegenen Flughafen gebracht werden. Die Deutschen von Bord kommen in Quarantäne.

Erste Passagiere verlassen „Hondius“ – so geht es mit den deutschen Gästen weiter

Nach der Ankunft vor der Kanareninsel Teneriffa haben am Sonntag die ersten Menschen das von einem Hantavirus-Ausbruch betroffene Kreuzfahrtschiff „Hondius“ verlassen. Wie das spanische Gesundheitsministerium mitteilte, waren zuerst 14 spanische Passagiere und Besatzungsmitglieder dran. Sie verließen als Erste das Schiff und starteten von der Kanareninsel aus in Richtung der spanischen Hauptstadt Madrid. Dort sollten sie unter Quarantäne gestellt werden, wie die spanischen Behörden mitteilten. Danach folgen diejenigen, die mit einer niederländischen Maschine ausgeflogen werden. Darunter sind auch mehrere Deutsche sowie Menschen aus Belgien und Griechenland, wie die spanische Gesundheitsministerin Mónica García Gómez mitteilte. Die evakuierten deutschen Passagiere werden nach ihrer Ankunft am Sonntagabend in den Niederlanden von Spezialisten in Empfang genommen, wie das Gesundheitsministerium in Potsdam mitteilte. Zu Beginn der kommenden Woche kommen sie dann in die jeweiligen Bundesländer zur Quarantäne, die nach den Anordnungen der jeweiligen Gesundheitsämter erfolgt. Vier deutsche Passagiere sollen zunächst nach Frankfurt gebracht werden, berichtet die Deutsche Presse-Agentur. Für den Transport wurden Einsatzkräfte der Feuerwehr Essen und der Feuerwehr Frankfurt angefordert. Sie sollen noch am Sonntag die vier Passagiere am Militärflughafen in Eindhoven abholen. Anschließend geht es in einem sogenannten Sonderisoliertransport nach Frankfurt. Alle vier hätten im Moment keine Symptome, hieß es. Angeblich keine Symptome unter den 140 Passagieren Nach Angaben der spanischen Behörden, der Weltgesundheitsorganisation und der Kreuzfahrtgesellschaft Oceanwide Expeditions zeigt aktuell niemand der mehr als 140 Menschen an Bord der „Hondius“ Symptome einer Infektion. Das Kreuzfahrtschiff erreichte Teneriffa am frühen Sonntagmorgen, nachdem es die Kap Verden am 6. Mai verlassen hatte. Spaniens Gesundheitsministerin Mónica García, Innenminister Fernando Grande-Marlaska und der Chef der Weltgesundheitsorganisation WHO waren eigens auf die Insel gekommen, um die komplizierte Aktion zu überwachen. WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus versicherte, dass es sich beim Hantavirus nicht um einen mit dem Coronavirus vergleichbaren Erreger handele. In einer Botschaft direkt an die Bevölkerung von Teneriffa betonte er: „Das ist nicht ein neues Covid.“ Das Risiko für die Menschen auf der Insel sei gering – zumal auf dem Kreuzfahrtschiff kein neuer Verdachtsfall aufgetreten sei. Seit dem Ausbruch sind drei Menschen gestorben, darunter eine Deutsche, und fünf Passagiere, die das Schiff bereits verlassen haben, sind mit dem Hantavirus infiziert – einem Erreger, der lebensbedrohliche Erkrankungen hervorrufen kann. Jeder Passagier und jedes Besatzungsmitglied, das von Bord geht, wird auf Symptome untersucht und erst dann an Land gebracht, wenn Evakuierungsflüge bereitstehen, um die Reisenden an ihre Zielorte zu bringen. Die Evakuierungsflüge sollten bis Montag abgeschlossen sein, teilten spanische Behörden und die WHO mit. Lauterbach: „Eine Pandemie droht nicht“ Der frühere Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) sieht derzeit keine Gefahr einer Pandemie durch das Hantavirus. „Die Lage ist für die deutsche Bevölkerung nicht gefährlich“, sagte er der „ Rheinischen Post (verlinkt auf https://rp-online.de/panorama/ausland/hanta-virus-kreuzfahrtschiff-hondius-wird-evakuiert_aid-148104901) “. „Eine Pandemie droht nicht, weil die Übertragbarkeit des Virus dafür nicht ausreicht.“ Lauterbach ergänzte, einzelne Fälle werde es immer geben. „Aber eine schnelle Verbreitung ist derzeit nicht zu befürchten.“ Zuvor hatte sich bereits die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ähnlich geäußert – das Risiko für die Allgemeinbevölkerung sei „absolut gering“. Das Hantavirus wird in der Regel von Nagetieren auf den Menschen übertragen. Nur bei dem in Südamerika vorkommenden Virustyp ist auch eine Übertragung von Mensch zu Mensch möglich. Der Ausbruch der südamerikanischen Andes-Variante des Virus auf dem kleinen Kreuzfahrtschiff löste weltweit Besorgnis aus – auch und gerade wegen der Erinnerung an die Corona-Pandemie. Vor allem auf den Kanaren äußerten Menschen Angst wegen einer möglichen Infektion mit dem potenziell tödlichen Virus. Da bei Zwischenstopps des Schiffes insgesamt mehr als 30 Passagiere und Besatzungsmitglieder ausgestiegen sind, wird nun weltweit nach potenziellen Verdachtsfällen gesucht.