Welt 17.09.2026
20:35 Uhr

„Diese Meinungsfreiheit erlaubt Nörglern ununterbrochen zu nörgeln“ – Friedman wirbt jetzt für Grüne


Die Grünen müssen in Mecklenburg-Vorpommern um den Einzug in den Landtag bangen. Unterstützung erhalten sie nun von Michel Friedman: Der frühere CDU-Politiker spricht von einer ernsten Lage für die Demokratie.

„Diese Meinungsfreiheit erlaubt Nörglern ununterbrochen zu nörgeln“ – Friedman wirbt jetzt für Grüne

Vor der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern hat der frühere CDU-Politiker Michel Friedman (verlinkt auf https://www.welt.de/themen/michel-friedman/) um Stimmen für die Grünen geworben. Er selbst sei kein Grüner, sagte Friedmann bei einer Wahlkampfveranstaltung in Rostock. Doch seien bei den Grünen Menschen, die sich für die Demokratie „den Hintern aufrissen“. „Ich bin hier, dass auch die Grünen es schaffen.“ Die Partei lag in jüngsten Umfragen vor der Wahl am Sonntag bei etwa fünf Prozent. Ihr Einzug in den Schweriner Landtag steht damit auf der Kippe. Friedman, Sohn einer Familie von Holocaust-Überlebenden, war jahrzehntelang Mitglied der CDU, bevor er 2025 aus Verärgerung aus der Partei austrat (verlinkt auf https://www.welt.de/politik/deutschland/article255295436/Abstimmung-mit-der-AfD-Dieser-Tabubruch-ist-unentschuldbar-sagt-Friedman-und-tritt-aus-der-CDU-aus.html) . Auslöser war eine Abstimmung im Bundestag, bei der ein von Friedrich Merz vorgelegter Fünf-Punkte-Plan für eine schärfere Migrationspolitik auch mit Stimmen der AfD beschlossen wurde – erstmals verschaffte die AfD dabei der Union im Bundestag einer Mehrheit. Friedman trat seitdem bereits mehrfach bei Grünen-Veranstaltungen als Redner auf. „Die Situation in unserem Land ist schwer, sie ist ernst, und was die Demokratie angeht, hochgefährdet“, sagte Friedman. Jede Landtagswahl sei Seismograph und Thermometer für die Bundestagswahl 2029. „Enthaltung ist Mittäterschaft“ Aus seiner Sicht gebe es zwei Parteien, die nicht wählbar seien: die AfD und das Bündnis Sahra Wagenknecht. Friedman bezog sich auf die Ankündigung des BSW, sich möglicherweise bei der Wahl des Ministerpräsidenten in Sachsen-Anhalt in einem entscheidenden Wahlgang zu enthalten und damit eventuell einem AfD-Politiker den Weg ins Amt zu ebnen. „Enthaltung ist Mittäterschaft“, sagte Friedman. „Es erschüttert mich, dass acht Jahrzehnte nachdem Hitler besiegt wurde, Deutschland befreit wurde, es wieder – und jetzt nicht mehr eine kleine – Minderheit gibt, sondern vielleicht bald in Sachsen-Anhalt eine Regierungsmehrheit“, sagte der 70-Jährige. Er fügte hinzu: „Diese Meinungsfreiheit, sie erlaubt allen Nörglerinnen und Nörglern in diesem Land ununterbrochen zu nörgeln. Und ich hoffe, dass die Nörgler morgen in Rostock aufwachen und nicht in Teheran, nicht in Peking, nicht in Moskau, denn dort sind sie entweder im Gefängnis oder auf dem Friedhof. In Rostock können sie morgen früh wieder anfangen zu nörgeln.“ Nach der repräsentativen Insa-Umfrage im Auftrag der „Bild“-Zeitung kommt die AfD auf 37 Prozent (verlinkt auf https://www.welt.de/politik/deutschland/article6aaa206a46c2b72ce0eda60d/umfrage-fuer-mecklenburg-vorpommern-schafft-schwesig-die-wahlsensation-afd-nur-noch-zwei-punkte-vor-spd.html) . Die SPD legt erneut zu und erreicht 35 Prozent. Die weiteren Parteien folgen demnach mit großem Abstand. Die Linke kommt auf 10 Prozent. Die CDU steckt weiter bei nur 7 Prozent fest – ähnlich wie in kürzlich veröffentlichten Umfragen anderer Meinungsforschungsinstitute. Es wäre das schlechteste Ergebnis bei einer Landtagswahl seit Gründung der Bundesrepublik. Die Grünen kämen der Umfrage für die „ Bild (verlinkt auf https://www.bild.de/politik/inland/bei-den-wahlen-in-meck-pomm-bahnt-sich-eine-wahlsensation-an-6aa9746563f3636d5f50b956) “ zufolge mit 5 Prozent gerade über die erforderliche Hürde. Das BSW kommt auf 3 Prozent und würde demzufolge den Einzug in den Landtag verpassen. Grundsätzlich spiegeln Umfragen nur das Meinungsbild zum Zeitpunkt der Befragung wider und sind keine Prognosen für den Wahlausgang. Weil es für die Grünen knapp aussieht, setzt die Partei auch auf taktische Stimmen aus dem linken Lager. „Wer Schwesig will, muss Grün wählen“, sagte die Spitzenkandidatin von Bündnis 90/Die Grünen, Claudia Müller, in der TV-Runde der vier kleineren Parteien mit Chancen auf Landtagseinzug im NDR am Dienstagabend (verlinkt auf https://www.ndr.de/nachrichten/mecklenburg-vorpommern/landtagswahl/mv-wahl-die-fernseh-debatte-der-vier-kleineren-parteien-heute-abend-im-ndr,mvwahl-356.html) . Eine stabile Landesregierung gebe es nur mit den Grünen. Nach der Umfrage reicht es für Rot-Rot-Grün – wenn denn die Grünen wieder ins Schweriner Schloss einziehen.