Welt 28.05.2026
07:16 Uhr

Die Traumhochzeit führte in eine toxische Beziehung


Diese Hochzeit wurde zum Beginn einer 15-jährigen Qual – die traumatisch endete. Am 29. Juli 1981 heiratete Großbritanniens Kronprinz Charles Lady Diana Spencer. Die neue Folge unserer Serie zu 80 Jahren WELT.

Die Traumhochzeit führte in eine toxische Beziehung

War es eine Vorahnung? Jedenfalls goss WELT-London-Korrespondent Fritz Wirth (verlinkt auf https://www.welt.de/print/die_welt/politik/article176596902/Fairness-war-immer-sein-oberstes-Gebot.html) gelassen Wasser in den Wein der weltweiten Begeisterung. In seinem ausführlichen Bericht über die Traumhochzeit des Jahres zwischen dem Prince of Wales Charles (verlinkt auf https://www.welt.de/geschichte/article240958751/Charles-III-Was-Englands-Koenig-von-seinen-Namensvettern-unterscheidet.html) und seiner Braut Lady Diana Spencer (verlinkt auf https://www.welt.de/vermischtes/article936316/Diana-Biografie-Ein-bisschen-teuflisch-und-hintertrieben.html) erinnerte der 52-jährige Journalist daran, dass der traditionelle Eheschwur „Bis dass der Tod euch scheidet“ längst „auch in höheren Familien seinen Ewigkeitswert“ verloren habe: „Prinzessin Margaret suchte, männerlos, Halt an ihrer Nachbarin. Frances, die Mutter der Braut, seit zehn Jahren vom Brautvater geschieden, fand nach der Trauung nur mit Mühe einen protokollgerechten Platz, und die Stiefmutter der Braut trat überhaupt nicht in Erscheinung.“ Ein böses Omen? Rückblickend mag es so scheinen – doch an diesem Mittwoch, dem 29. Juli 1981, wäre kaum jemand der weit über 500.000 Augenzeugen in London und der etwa 750 Millionen Zuschauer vor den Fernsehgeräten in sechzig Ländern auf diese Idee gekommen. Im Gegenteil: „Britannien zeigte sich in Sonne, Samt und Seide“ zu Ehren der lang erwarteten Ehelichung des Thronfolgers. Großbritannien verfolgte gespannt, wie sein (planmäßiges) künftiges Königspaar an den Altar der St. Paul’s Cathedral (verlinkt auf https://www.stpauls.co.uk/) trat. In London herrschten verklärte Blicke und grenzenlose, glückselige Verehrung vor. „Alle Brautpaare sind am Hochzeitstag ein Königspaar“, sagte der Erzbischof von Canterbury, der Hauptzelebrant der Hochzeit. Das war ein Satz, der jeden Briten mit in dieses Ereignis einbezog, der ihnen zumindest für einige tränenreiche Augenblicke das Gefühl gab, für einen Tag König (oder Königin) sein zu können. Dabei hatte der Tag mit einer Schreckensnachricht begonnen: Im Liverpooler Stadtteil Toxteth (verlinkt auf https://edm.parliament.uk/early-day-motion/30218/brixton-and-toxteth-riots) war am Vorabend der Hochzeit zur gleichen Zeit, als eine halbe Million Menschen in London das glanzvollste Feuerwerk des 20. Jahrhunderts bestaunten, ein 23-Jähriger bei gewaltsamen Protesten getötet worden – durch einen Unfall mit einem Polizeifahrzeug. Außerdem hatte die Nachricht, zwei Hofbedienstete seien verhaftet worden, weil sie größere Mengen Sprengstoff gestohlen hätten, Staunen und Verblüffung ausgelöst. Die Hintergründe blieben vorerst offen, doch hatte sich die Palastverwaltung beeilt zu versichern, dass keiner der Verhafteten Kontakte zur IRA gehabt habe. „Für einen flüchtigen Augenblick vielleicht hielt die Nation den Atem an“, schrieb Wirth: „Dann aber stürzte sie sich selbstvergessen in die größte Schau dieses Jahrhunderts.“ Unzählige Menschen säumten den Weg zur Kathedrale und bejubelten alles, was würdig aussah und sich bewegte. Als gegen halb elf die Braut an der Seite ihres Vaters in einer gläsernen Kutsche erschien, steigerte sich die Begeisterung in ein schieres Delirium. Die Superlative purzelten im Fernsehen nur so: Diana trage das „beste Hochzeitskleid, das je aus britischen Schneiderwerkstätten gekommen“ sei, hieß es beispielsweise, Ähnliches wie diesen „romantischen Traum aus Seide und Tüll“ habe man seit Walt Disneys Film „Schneewittchen“ nicht mehr gesehen. Daran stimmte zumindest, dass die Schleppe des Kleides mit acht Metern Länge die 4,50 Meter von Elizabeths Brautkleid bei ihrer Hochzeit mit Prinz Philipp 1947 (verlinkt auf https://www.youtube.com/watch?v=a4VvmFui0mw) locker ausstach. Majestätisch deckte die Schleppe den roten Teppich in der Kathedrale in voller Breite ab. Die Braut selbst blieb, tief verschleiert, „mit verhuschtem Gesicht fast eine Stunde lang ein fernes und geheimnisvolles Wesen“, wie Wirth festhielt. Prinz Charles dagegen wirkte, in der Uniform eines Fregattenkapitäns der Royal Navy, forscher und gelassener, als man erwartet hätte. Dabei hatte es nur wenige Tage zuvor geknirscht. Keine 72 Stunden vor der Trauung hatte der Bräutigam einen Krach mit der Braut. Obwohl er wusste, dass seine künftige Frau dagegen war („Sie hasst diesen Sport, und das kann ich einfach nicht ignorieren“), hatte er sich in den Sattel geschwungen und im Park von Schloss Windsor als Kapitän der englischen Polomannschaft ein Länderspiel gegen Spanien bestritten. Alle Versuche, ihm das auszureden, nützten nichts. Diana und auch die Queen fürchteten, dass er sich verletzen könne. Nach der Hochzeit setzte Charles tatsächlich erst einmal aus mit dem Polospielen – aber schon in der folgenden Saison ging es wieder los. Und, schlimmer noch: Lady Di, wie Diana inzwischen allgemein genannt wurde, musste ihn zu verschiedenen Polospielen begleiten, sogar hochschwanger. Tatsächlich entwickelte sich die vermeintliche Traumbeziehung rasch in eine toxische Richtung. Denn Charles nahm die um 1970 begonnene Liebesbeziehung zu Camilla Parker Bowles (verlinkt auf https://www.welt.de/vermischtes/prominente/article250021434/Queen-Camilla-Ausgerechnet-sie-fuehrt-die-Royals-durch-die-Krise.html) 1978/79 wieder auf. Sogar im zweiten Halbjahr 1981, kurz nach der Hochzeit mit Diana, soll er seine Frau bereits betrogen haben, doch Details sind unbekannt. Sicher ist: Camilla und Charles teilten die Leidenschaft für Polo. Spätestens 1986, als das Thronfolgerpaar nach der Geburt der beiden gemeinsamen Söhne William und Harry in einer schweren Krise war, lebte die Liebesbeziehung erneut auf. Auch Camillas 1973 geschlossene Ehe war bereits zerrüttet. 1989 wurde ein intimes Telefonat mit Charles aufgezeichnet und 1993 veröffentlicht; es dokumentierte den Ehebruch überdeutlich. Da war es schon zu spät. 1992 wurde zum „Horrorjahr“ für das britische Königshaus und die Queen, die zu ihrem 40. Thronjubiläum wüste Indiskretionen über ihre Familie ertragen musste. Am 9. Dezember verkündete der Premierminister die Trennung von Diana und Charles offiziell. Sie wollten sich jedoch nicht scheiden lassen, sondern William und Harry gemeinsam erziehen. Dieses Vorsprechen hielt bis in den Sommer 1996, doch nach 15 Jahren und einem Monat Ehe wurde das ehemalige Traumpaar am 28. August 1996 rechtskräftig geschieden. Fritz Wirth hatte recht behalten. Diana, immer noch Lieblingsobjekt der Yellow Press weltweit, begann eine Beziehung mit dem Jetset-Erben Dodi Al-Fayed, Sohn des ägyptischen Eigentümers des Londoner Kaufhauses Harrods und anderer bekannter Immobilien. Mit ihm zusammen starb sie am 31. August 1997 bei einem mutmaßlich von motorradfahrenden Paparazzi verursachten Autounfall in einem Pariser Straßentunnel.