Welt 11.05.2026
05:45 Uhr

Deutsche Passagiere nach Evakuierung gelandet – US-amerikanischer Gast positiv getestet


Nach dem tödlichen Hantavirus-Ausbruch auf dem Kreuzfahrtschiff „Hondius“ haben evakuierte Passagiere und Besatzungsmitglieder die Heimreise angetreten. Ein französischer Passagier soll auf dem Rückflug Symptome gezeigt haben; ein US-Amerikaner wurde positiv getestet.

Deutsche Passagiere nach Evakuierung gelandet – US-amerikanischer Gast positiv getestet

Vor der Kanareninsel Teneriffa hat die Evakuierung von Passagieren und Besatzungsmitgliedern des von einem Hantavirus-Ausbruch betroffenen Kreuzfahrtschiffs „Hondius“ begonnen. Erste Gruppen von Passagieren wurden mit Booten in den Hafen von Granadilla gebracht und von dort zum Flughafen gefahren. Die ersten Evakuierten trafen am Sonntag in Madrid und Paris ein. „Der gesamte Einsatz verläuft planmäßig“, sagte die spanische Gesundheitsministerin Mónica García. Die „Hondius“ hatte Teneriffa am frühen Sonntagmorgen erreicht, nachdem sie am 6. Mai Kap Verde verlassen hatte. Die 15 spanischen Staatsbürger an Bord, darunter ein Besatzungsmitglied, durften das Schiff als Erste verlassen und starteten wenig später von der Kanareninsel aus in Richtung der spanischen Hauptstadt Madrid. Dort sollten sie unter Quarantäne gestellt werden, wie die spanischen Behörden mitteilten. Passagiere und Einsatzkräfte trugen während der Evakuierung Schutzanzüge, Masken und Atemschutzgeräte. Französischer Passagier entwickelte Symptome Ein Flugzeug mit kanadischen Staatsbürgern verließ Teneriffa im Anschluss an die spanische Maschine. Ein weiteres Flugzeug mit französischen Passagieren landete wenige Stunden später in Paris, wo es von Einsatzfahrzeugen empfangen wurde. Einer der fünf französischen Passagiere entwickelte während des Flugs Symptome, wie Frankreichs Premierminister Sébastien Lecornu mitteilte. Alle fünf wurden streng isoliert und sollten getestet werden. US-Passagier positiv getestet Einer von 17 evakuierten US-Passagieren wurde positiv auf das Hantavirus getestet. Die Person zeige jedoch keine Symptome, teilten US-Gesundheitsbehörden am späten Sonntagabend mit. Das Flugzeug soll am frühen Montagmorgen in Omaha im US-Bundesstaat Nebraska landen. Die US-Bürger sollen zunächst an die Universität von Nebraska gebracht werden, die über eine staatlich finanzierte Quarantäneeinrichtung verfügt, um zu prüfen, ob sie engen Kontakt zu symptomatischen Personen hatten und welches Risiko für die Verbreitung des Virus besteht. Der infizierte Passagier werde nach der Ankunft in eine Infektionskontrolleinheit gebracht, erklärte Kayla Thomas, Sprecherin des Nebraska Medical Centers. Zuvor hatten Vertreter des spanischen Gesundheitsministeriums, der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der Kreuzfahrtgesellschaft Oceanwide Expeditions erklärt, dass keiner der Passagiere und Crewmitglieder Symptome einer Infektion gezeigt habe. Ein niederländisches Evakuierungsflugzeug landete am Sonntagabend in Eindhoven. Die Passagiere trugen Masken und transportierten ihre Habseligkeiten in weißen Plastiktüten. Unter den 26 Menschen an Bord befanden sich neben Niederländern auch Staatsbürger aus Deutschland, Belgien, Griechenland, Portugal, der Ukraine, Argentinien, Indien, Guatemala, den Philippinen und Montenegro. Australien schickte ebenfalls ein Flugzeug nach Teneriffa, dessen Ankunft für Montag erwartet wurde. Damit sollten eigene Staatsbürger sowie Bürger aus benachbarten Ländern wie Neuseeland abgeholt werden, wie Gesundheitsministerin García sagte. Dieses Flugzeug werde Teneriffa als letztes verlassen. Norwegen schickte ein Ambulanzflugzeug auf die Insel, dessen Personal für den Transport von Patienten mit Hochrisikoinfektionen geschult ist, wie die norwegische Zivilschutzbehörde dem öffentlich-rechtlichen Rundfunksender NRK mitteilte. Das Ambulanzflugzeug gehört der Europäischen Union, wird jedoch von Norwegen betrieben. Die Passagiere und Besatzungsmitglieder, die das Schiff verlassen, müssen ihr Gepäck größtenteils zurücklassen. Sie dürfen lediglich eine kleine Tasche mit den wichtigsten Utensilien, ein Mobiltelefon, ein Ladegerät sowie ihre Ausweispapiere mitnehmen. Die Evakuierungsflüge sollten bis Montag abgeschlossen sein, teilten spanische Behörden und die WHO mit. An Bord befanden sich Personen aus mehr als 20 Ländern. Die WHO empfahl, die Rückkehrer in ihren Heimatländern eng zu überwachen. Das bedeute tägliche Gesundheitskontrollen entweder zu Hause oder in einer spezialisierten Einrichtung, sagte die leitende WHO-Epidemiologin Maria van Kerkhove. Jeder Passagier und jedes Besatzungsmitglied, das von Bord geht, wird auf Symptome untersucht und erst dann an Land gebracht, wenn Evakuierungsflüge bereitstehen, um die Reisenden an ihre Zielorte zu bringen. Die Evakuierten sollten keinen Kontakt zur Bevölkerung auf Teneriffa haben. Desinfektion in Rotterdam geplant Ein Teil der Besatzung sowie die Leiche eines an Bord gestorbenen Passagiers bleiben nach Angaben der spanischen Behörden auf dem Schiff, das weiter nach Rotterdam in den Niederlanden fahren wird, um dort desinfiziert zu werden. Die voraussichtliche Fahrtdauer nach Rotterdam beträgt laut der Kreuzfahrtgesellschaft rund fünf Tage. Mehrere Länder überwachen derzeit weitere Verdachtsfälle. In Großbritannien sollen Passagiere zunächst 72 Stunden in Krankenhausquarantäne und anschließend sechs Wochen in Selbstisolation verbringen. Frankreich plante ein ähnliches Vorgehen, hielt die fünf Passagiere nach dem Flug jedoch „bis auf Weiteres“ im Krankenhaus. Sanitäter des britischen Militärs sprangen auf dem abgelegenen britischen Überseegebiet Tristan da Cunha im Südatlantik ab, wo bei einem der 221 Einwohner eine Infektion mit dem Hantavirus vermutet wurde. Der Patient war Passagier auf der „Hondius“ und ging im vergangenen Monat an Land. Das britische Verteidigungsministerium teilte mit, aus einem Transportflugzeug seien zudem Sauerstoff und medizinische Ausrüstung abgeworfen worden. WHO: Kein Anlass für Panik WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus bekräftigte, dass die breite Öffentlichkeit sich wegen des Ausbruchs keine Sorgen machen müsse. „Wir haben dieselbe Antwort schon viele Male wiederholt“, sagte er. „Dies ist kein zweites Covid.“ Das Risiko für die Öffentlichkeit sei gering, es gebe keinen Anlass für Angst oder Panik. Seit dem Ausbruch sind drei Menschen gestorben und fünf Passagiere, die das Schiff bereits verlassen haben, sind mit dem Hantavirus infiziert - einem Erreger, der lebensbedrohliche Erkrankungen hervorrufen kann.