Welt 29.07.2026
09:36 Uhr

BMW baut 8000 Jobs ab


Jetzt auch BMW: Als letzter deutscher Autokonzern legen die Münchner ein großes Stellenabbauprogramm auf. 8000 Stellen weltweit sollen wegfallen – es wird vor allem Deutschland treffen.

BMW baut 8000 Jobs ab

Der Autohersteller BMW will weltweit rund 8000 Jobs abbauen. Der Stellenabbau soll über natürliche Fluktuation sowie über ein Abfindungsprogramm auf freiwilliger Basis in Deutschland erfolgen. Unternehmenskreise bestätigten WELT entsprechende Informationen der Nachrichtenagenturen dpa und AFP. Die Mitarbeiter sollen am Vormittag in einer Betriebsversammlung von Konzernchef Milan Nedeljković und Betriebssratschef Martin Kimmich informiert werden. Das Abfindungsprogramm soll von Oktober 2026 bis Ende 2027 laufen und sich an Mitarbeiter außerhalb der direkten Produktion wenden. Da mehr als die Hälfte der knapp 154.000 BMW-Mitarbeiter in Deutschland tätig ist – zum Halbjahr waren es gut 84.000 – und nur hier das Abfindungsprogramm aufgelegt wird, ist es wahrscheinlich, dass deutlich mehr als die Hälfte der betroffenen Jobs auf Deutschland entfällt. Aus dem Unternehmen hieß es, 30.000 bis 40.000 Büroangestellte würden voraussichtlich ein Angebot erhalten. Im Gegenzug weite BMW die Beschäftigungssicherung aus. In den kommenden Jahren seien betriebsbedingte Kündigungen in Deutschland auch dann ausgeschlossen, wenn das Unternehmen Verluste schreiben sollte. Bislang gilt diese Vereinbarung nur in gewinnträchtigen Jahren. Dass BMW ein Stellenabbauprogramm bevorsteht, darüber wird seit Mitte Juni spekuliert. Damals hatte der nur einen Monat zuvor vom Produktionsvorstand zum Konzernchef aufgestiegene Nedeljkovic eine deutliche Gewinnwarnung geben müssen. Seinerzeit hieß es zudem, dass der Konzern „die laufenden Kostensenkungen durch weitere Struktur- und Effizienzmaßnahmen intensivieren und beschleunigen“ werde. Aus dem Unternehmen heißt es nun, es würden Managementebenen gestrichen und Bereiche zusammengelegt. Außerdem ermögliche der Einsatz von künstlicher Intelligenz mehr Effizienz im Büro. Sechs Wochen relativ geräuschlose Gespräche Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern sind binnen sechs Wochen abgeschlossen worden – BMW-typisch nach außen hin eher geräuschlos. Wie viel BMW sich den Jobabbau kosten lässt, ist noch nicht ganz klar. Die Belastungen sollen früheren Aussagen zufolge erst im zweiten Halbjahr zu Buche schlagen. In einem Kapitalmarkt-Call im Juni hatte Finanzchef Walter Mertl klargemacht, dass es im Zuge der Restrukturierung Einmalbelastungen von rund einer Milliarde geben werde – es blieb aber offen, ob diese Summe komplett in den Personalabbau fließt. Auch zur Höhe der geplanten Einsparungen waren bislang keine Zahlen zu erfahren. Lange ohne Abbauprogramme Lange war BMW der letzte große deutsche Autohersteller, der ohne großes Stellenabbauprogramm auskam. Volkswagen, Mercedes, Audi, Porsche – alle hatten schon im vergangenen Jahr Stellenstreichungen angekündigt – teilweise in weit höherem Umfang. Und im VW-Konzern wird bereits um die zweite Runde der Streichungen gerungen – mit Zahlen, die in die Zehntausende gehen. Erst diese Woche hat die Tochter Porsche mit dem Wegfall weiterer 5000 Jobs den Anfang gemacht. Und auch die großen Zulieferer bauen ab. Die gesamte deutsche Autoindustrie leidet derzeit unter dem Einbruch des chinesischen Marktes und dem sich dort stark erhöhenden Konkurrenz- und Preisdruck. Hinzu kommen die US-Zölle, die immer stärker werdende chinesische Konkurrenz auf dem Weltmarkt und zuletzt die Auswirkungen der Krise im Nahen Osten auf die weltweite Konjunktur. Dem kann sich auch BMW nicht entziehen, auch wenn die Münchner zuletzt meist etwas glimpflicher davonkamen als die deutsche Konkurrenz. Und für das Abfindungsprogramm nennt man in Unternehmenskreisen auch einen weiteren Grund: Für die Entwicklung der Neuen Klasse hatte BMW viel Geld in die Hand genommen, um einen technologischen Sprung zu schaffen. Dass die Entwicklungskosten danach wieder sinken sollten, hatte der Konzern schon im vergangenen Jahr betont. Und das umfasst offenbar auch Personal. Ein Rückgang der Belegschaft hat zudem schon vor dem jetzt angekündigten Abbau eingesetzt: Von Mitte 2025 bis Mitte 2026 sank die Zahl der Mitarbeiter bereits um rund 2000. Und auch die Jahresprognose für 2026 hatte einen leichten Rückgang vorgesehen. Beispiellos ist der Jobabbau bei BMW nicht. Anfang 2008 hatte der damalige Konzernchef Norbert Reithofer einen Abbau in ähnlicher Dimension angekündigt. Bis Ende 2010 schrumpfte die Belegschaft dann sogar um mehr als 10.000 – auf damals 95.000. Auch zu Beginn der Pandemie 2020 wurden 6000 Stellen gestrichen. Danach ging es allerdings wieder steil nach oben. Dass das wieder gelingen wird, ist angesichts der aktuellen Prognosen für die deutsche Autoindustrie eher unwahrscheinlich.