Astronomen könnten eine neue Klasse gigantischer Objekte im Kosmos entdeckt haben. Seit Längerem rätseln Forscher über mysteriöse „kleine rote Punkte“ (Little Red Dots), die in Hunderten Aufnahmen des James-Webb-Weltraumteleskops auftauchen. Jetzt haben Wissenschaftler des Massachusetts Institute of Technology (MIT) einen extrem hellen roten Punkt im frühen Universum gefunden und das Phänomen möglicherweise entschlüsselt. Der rote Fleck ähnelt einem Stern von der Größe unseres Sonnensystems. Gleichzeitig strahlt er 100 Milliarden Mal mehr Energie ab als jeder andere bekannte Stern. Solche Energiemengen wurden bislang eher bei Schwarzen Löchern beobachtet. Die Astronomen des MIT vermuten daher, dass es sich um ein völlig neues astronomisches Objekt handelt, einen sogenannten „Schwarzloch-Stern“. Die Forscher analysierten für ihre Arbeit Aufnahmen des James-Webb-Teleskops (JWST) und veröffentlichten ihre Erkenntnisse in der Fachzeitschrift „ Nature (verlinkt auf https://www.nature.com/articles/s41586-026-10846-4) “. Das JWST ist das bislang leistungsstärkste Teleskop und ermöglicht, tiefer in den Weltraum zu blicken als je zuvor. Da Licht sich mit endlicher Geschwindigkeit ausbreitet, ist ein Blick in ferne Galaxien immer auch ein Blick in die Vergangenheit und Entstehungsgeschichte des Universums. Das Licht des jetzt beschriebenen Zwitter-Objekts reiste 13 Milliarden Jahre bis zur Erde und stammt wohl aus der Frühzeit des Universums, etwa 660 Millionen Jahre nach dem Urknall . Das Team beobachtete in dessen Spektrum ein seltsames Muster: Das Licht des Punktes war extrem hell – außer unterhalb bestimmter Wellenlängen, wo das Licht vollständig verschwand. Dieser spektrale Abfall ist als „Balmer-Sprung“ bekannt, eine Signatur, die traditionell mit dem dichten Gas von Sternen in Verbindung gebracht wird. Doch etwas war anders. „Der Sprung, den wir bei diesem Objekt beobachtet haben, ist der tiefste Sprung, den wir je bei irgendeinem Objekt beobachtet haben, was gewöhnliche Sterne als Quelle ausschließt“, sagte Hauptautor der Studie, Rohan Naidu, NASA Hubble Fellow und Pappalardo Fellow am Kavli Institute for Astrophysics and Space Research des MIT, in einer Pressemitteilung (verlinkt auf https://news.mit.edu/2026/astronomers-discover-brand-new-type-astrophysical-object-black-hole-star-0812) des MIT. „Man hat etwas, das ein wenig wie ein Stern aussieht, aber 100 Milliarden Mal heller ist“, sagte Naidu. „Das bedeutet, dass man das nicht durch Kernfusion antreiben kann, die Energiequelle, die im Herzen aller Sterne sitzt, die wir kennen.“ Das beobachtete Spektrum weise stattdessen auf einen riesigen Gasmantel hin, der ein früh entstehendes Schwarzes Loch in seinem Zentrum speise. Zwar geben Schwarze Löcher selbst kein Licht ab. Materie, die in den Sog ihrer Schwerkraft gerät, wird jedoch extrem heiß – und hell. Die Forscher tauften das Gebilde MoM-BH*-1. Sollte der helle rote Punkt tatsächlich ein Schwarzloch-Stern sein, würde er dabei helfen, die Identität der anderen rätselhaften „kleinen roten Punkte“ zu klären, die in nahezu jeder Deep-Space-Aufnahme aufgetaucht sind, die JWST bislang gemacht hat. „Diese kleinen roten Punkte scheinen im frühen Universum überall zu sein, verschwinden aber bis zur Gegenwart im Grunde völlig“, sagte Naidu. Es handelt sich also um kosmische Gebilde, die im Laufe der Evolution des Universums gewissermaßen ausgestorben sind. „Was genau diese Objekte sind, war eines der am meisten diskutierten Themen seit dem Start des James-Webb-Teleskops.“ Die größte Herausforderung, um die kleinen roten Punkte zu verstehen, bestand bisher darin, dass sie von Galaxien umgeben waren, die sie überdeckten. Der nun gefundene Schwarzloch-Stern MoM-BH*-1 hat jedoch vermutlich noch keine Galaxie um sich. Die Forscher haben daher klare Sicht. Dabei gab es zunächst wenig Übereinstimmung. Das äußerst helle Spektrum des von MoM-BH*-1 ausgesandten Lichtes unterscheidet sich deutlich von dem schwachen Glimmen der kleinen roten Punkte. Die Astronomen simulierten jedoch in ihren Modellen, wie sich Farben und Helligkeit von MoM-BH*-1 ändern würden, wenn es im Zentrum einer typischen Galaxie aus der Urzeit des Universums sitzen würde. Und tatsächlich, die spektrale Signatur stimmte mit jener der kleinen roten Punkte überein. „Jeder kleine rote Punkt ist damit vereinbar, ein Schwarzloch-Stern zu sein, eingebettet in eine typische frühe Galaxie“, sagt Naidu. „Das Besondere an MoM-BH*-1 ist aber, dass der Schwarzloch-Stern seine umgebende Wirtsgalaxie im Grunde vollständig überstrahlt, sodass wir reines Schwarzloch-Stern-Licht sehen.“ Das hat praktischen Nutzen für die Forscher. Nachdem sie jetzt ein unverfälschtes Spektrum eines Schwarzloch-Sterns identifiziert haben, könnte dieses als Vorlage für die Suche nach weiteren solcher Objekte dienen. „Das sind unglaublich spannende Zeiten – mit fast tausend Fachartikeln und Preprints zu Little Red Dots in den vergangenen zwei bis drei Jahren“, sagte Co-Autor Jorryt Matthee, Assistenzprofessor am Institute of Science and Technology Austria, gegenüber dem Informationsdienst Wissenschaft. Die Ergebnisse würden letztlich einen Weg eröffnen, das fünfzig Jahre alte Rätsel des Ursprungs und der Entwicklung supermassereicher Schwarzer Löcher zu lösen.