SpOn 07.10.2026
22:57 Uhr

Westjordanland: Palästinenser während der Olivenernte von israelischen Siedlern getötet


Im besetzten Westjordanland ist ein 44-jähriger Palästinenser bei einem Angriff israelischer Siedler getötet worden. Siedlergewalt erschwert palästinensischen Bauern zunehmend den Zugang zu ihren Olivenhainen.

Westjordanland: Palästinenser während der Olivenernte von israelischen Siedlern getötet

Ein Palästinenser ist am Mittwoch bei einem Angriff israelischer Siedler getötet worden, während Palästinenser in der Nähe des Dorfes Burqa im von Israel besetzten Westjordanland Oliven ernteten. Das teilte das palästinensische Gesundheitsministerium mit.

Der tödliche Angriff reiht sich in eine Serie von israelischen Übergriffen ein: Siedler sollen Bauern mit scharfer Munition angegriffen, Journalisten attackiert und Olivenbäume beschädigt haben. Die Gewalt überschattet die Ernte und erschwert palästinensischen Bauern zunehmend den Zugang zu ihren Feldern.

Schüsse wegen eines Steins?

Das israelische Militär erklärte, dass bei dem Vorfall am Mittwoch sowohl Soldaten als auch Siedler Schusswaffen eingesetzt hätten. Die Soldaten hätten demnach auf einen Bericht reagiert, wonach ein Palästinenser einen Siedler mit einem Stein beworfen habe. Das Militär erklärte jedoch nicht, warum sich die Siedler in diesem Gebiet aufhielten.

Journalisten der Nachrichtenagentur Reuters haben in den vergangenen zwei Wochen mehrere Vorfälle beobachtet, bei denen das israelische Militär und Siedler Palästinenser daran hinderten, ihre Olivenhaine zu erreichen.

Mindestens 30 tote Palästinenser durch israelische Siedler

Das palästinensische Gesundheitsministerium identifizierte den Getöteten als den 44-jährigen Ali Hassan Yusor al-Bazzari. Zunächst war unklar, ob er durch das israelische Militär oder durch Siedler getötet worden war. Zeugen berichteten, dass israelische Soldaten die Siedler schützten. Bei der Beerdigung nach dem Angriff weinte al-Bazzaris zwölfjähriger Sohn Danial über dem Leichnam seines Vaters, der später mit einer palästinensischen Flagge bedeckt wurde.

Die Olivenernte, die von Oktober bis November stattfindet, fällt in eine Zeit zunehmender Gewalt im Westjordanland. Nach Angaben der Palästinensischen Autonomiebehörde haben israelische Siedler in diesem Jahr mindestens 30 Palästinenser getötet. Die Behörde berichtete außerdem, dass im ersten Halbjahr 2026 im gesamten Westjordanland mehr als 45.000 Bäume gefällt oder beschädigt wurden, darunter mehr als 26.000 Olivenbäume.

Gewalt durch radikale Siedler hindert Palästinenser an Ernte

Olivenbäume haben für die Palästinenser eine große Bedeutung. Sie stehen für ihre Verbindung zu ihrem Land und sind zugleich eine wichtige Einkommensquelle – insbesondere angesichts des zunehmenden wirtschaftlichen Drucks. »Für uns ist der Olivenbaum das Leben«, sagte Tayseer Al-Sheikh, ein 64-jähriger palästinensischer Bauer aus der Umgebung des Dorfes Rantis nordwestlich von Ramallah.

Die Angst vor der Gewalt durch Siedler hatte ihn ein Jahr lang daran gehindert, seine Olivenhaine zu erreichen und zu bewirtschaften. Erst während der diesjährigen Ernte konnte er wieder zu ihnen gelangen, begleitet von Aktivisten, die durch ihre Anwesenheit Schutz boten. Für Al-Sheikh bemisst sich der Verlust nicht nur an der Zahl der Bäume oder der Menge des produzierten Olivenöls, sondern auch daran, wie sich die Beziehung der Menschen zu ihrem Land verändert.

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»Früher kamen alle zu den Oliven, Jung und Alt. Heute haben viele Menschen Angst, ihr Land zu betreten«, sagte er gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters.

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mgr/Reuters