SpOn 07.07.2026
23:42 Uhr

Während Nato-Gipfel: USA greifen Iran erneut an - Streit über Straße von Hormus


Washington macht das Regime in Teheran für die jüngsten Tankerangriffe in der Straße von Hormus verantwortlich. Jetzt meldet das US-Militär neue Attacken auf Ziele in Iran. Das Timing ist bemerkenswert.

Während Nato-Gipfel: USA greifen Iran erneut an - Streit über Straße von Hormus

Das US-Militär hat eigenen Angaben zufolge erneut Ziele in Iran attackiert: Man habe begonnen, eine Reihe »heftiger Angriffe« auszuführen, teilte das für den Nahen Osten zuständige Regionalkommando des US-Militärs (Centcom) mit. Hintergrund sind demnach Attacken auf mehrere Tanker im Bereich der Straße von Hormus – für die macht Washington die Führung in Teheran verantwortlich.

Mit den neuen US-Angriffen solle das Regime einen hohen Preis für die Angriffe auf Handelsschiffe mit zivilen Besatzungen in einer internationalen Wasserstraße zahlen, heißt es in der Centcom-Mitteilung . Das Vorgehen Irans sei unbegründet, gefährlich und ein eindeutiger Verstoß gegen die Waffenruhe gewesen. Iran werde dafür »einen hohen Preis zahlen«.

Wenige Stunden darauf meldete Centcom , man habe mehr als 80 Ziele in Iran angegriffen. Darunter seien Systeme zur Flugabwehr und zur Küstenüberwachung gewesen. Außerdem wurden den Angaben zufolge mehr als 60 Boote der Revolutionswächter in und an der Straße von Hormus ins Visier genommen. Damit sei die Fähigkeit Irans beeinträchtigt worden, den Schiffsverkehr in der Meerenge zu stören.

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Iranische Medien berichteten in der Nacht von Explosionen in der Hafenstadt Sirik an der Straße von Hormus sowie auf der Insel Qeschm. Auch aus dem Bereich der Großstadt Bandar-e Abbas gab es iranische Berichte über Explosionen. Nach Angaben des iranischen Senders Press TV wurden mehrere Menschen verletzt.

Das oberste Militärkommando Irans drohte nach den US-Angriffen, man werde eine »vernichtende Antwort« geben. Teheran werde keine Einmischung der USA in die Verwaltung der Straße von Hormus dulden, hieß es.

Der Hintergrund: Attacken auf Frachter in der Straße von Hormus

Zuvor waren mehrere Tanker in der Straße von Hormus beziehungsweise nahe der strategisch wichtigen Meerenge getroffen worden (mehr dazu hier). Nach Angaben der britischen Behörde für Sicherheit der Handelsschifffahrt UKMTO wurde ein Tanker von einer Drohne getroffen und leicht beschädigt. Fast zeitgleich meldete die Behörde einen weiteren Vorfall, bei dem ein Tanker von einem Geschoss getroffen worden sei.

Besonders schwere Schäden wurden von dem katarischen Flüssiggas-Tanker »al-Rekajat« gemeldet, der nach Angaben der Schiffsbesatzung von einem »unbekannten Geschoss« getroffen wurde. Katar machte Iran für den Angriff verantwortlich und sprach von einer Gefahr für die Sicherheit der internationalen Schifffahrt und die weltweite Energieversorgung.

Unklar blieb zunächst, ob sich einzelne Meldungen auf denselben Vorfall bezogen und wer hinter den Angriffen steckte. Washington macht Teheran für Angriffe auf drei Handelsschiffe verantwortlich. Iran hatte sich zunächst nicht offiziell zu den Vorwürfen geäußert. Das Regime hatte aber in den vergangenen Tagen wiederholt erklärt, nur die von ihm vorgegebene Route durch die Straße von Hormus sei sicher. (Mehr dazu, wie wichtig den Iranern die Kontrolle der Straße von Hormus ist, erfahren Sie hier ).

Sorge vor militärischer Eskalation

Als Reaktion auf die Tankerangriffe hatten die USA bereits die kürzlich gelockerten Sanktionen auf iranisches Öl wieder in Kraft gesetzt. Eine vor gut zwei Wochen erteilte Ausnahmegenehmigung werde wieder zurückgenommen, teilte das US-Finanzministerium mit (mehr dazu hier). Iran reagierte erbost auf diesen Schritt: Er verstoße gegen das Memorandum zur Waffenruhe, hieß es aus dem Außenministerium. Man mache Washington für die Folgen verantwortlich und werde alle notwendigen Maßnahmen ergreifen, um ​die eigenen Interessen und die nationale Sicherheit zu wahren.

Mehr zum Thema

Mit dem neuen US-Angriff wächst die Gefahr einer erneuten militärischen Eskalation in der Region. Nach wochenlangen Kämpfen zwischen den USA, Israel und Iran war im vergangenen Monat eine vorläufige Vereinbarung erreicht worden, die Raum für weitere Verhandlungen schaffen sollte (mehr zu dem Abkommen hier ). Diese Gespräche stocken derzeit.

US-Präsident Donald Trump hatte Iran zuletzt erneut gedroht und gesagt, es werde entweder ein Abkommen geben oder die USA würden »den Job zu Ende bringen«. Irans Außenminister Abbas Araghchi erklärte daraufhin, Verhandlungen über ein endgültiges Abkommen würden nicht beginnen, solange Drohungen anhielten.

Zeitgleich finden der Nato-Gipfel in Ankara und die Trauerfeiern für Khamenei statt

Trump ist derzeit für den Nato-Gipfel in der Türkei. Europäische Diplomaten waren darauf gefasst, dass er in Ankara seinen Krieg gegen Iran zum Thema macht – genauer gesagt: die ausgebliebene militärische Schützenhilfe der Europäer (mehr dazu hier ). Und so kam es dann auch. Trump zeigte sich »sehr enttäuscht« vom Verhalten der Verbündeten im Irankrieg.

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Der erneute Ausbruch der Gewalt im Nahen Osten erfolgt zudem während der Trauerfeiern für Irans getötetes Staatsoberhaupt Ajatollah Ali Khamenei. Am Mittwoch sind Zeremonien im Nachbarland Irak geplant, ehe Khamenei am Donnerstag in seiner Heimatstadt Maschhad beigesetzt werden soll (mehr dazu hier ).

Die Streitkräfte der Islamischen Republik hatten ihre Feinde kurz vor Beginn der Trauerfeierlichkeiten vor Angriffen gewarnt. »Jede Fehlkalkulation wird mit einer entschlossenen und noch härteren Antwort als je zuvor beantwortet werden«, hieß es in einer Erklärung der Revolutionsgarden.

Beim Nato-Gipfel in Ankara geht es wieder einmal darum, Trump zufriedenzustellen. Der Entwurf des Beschlusstextes liegt dem SPIEGEL vor. Er enthält bemerkenswerte Sätze. Mehr dazu erfahren Sie hier .

aar/dpa/AFP