SpOn 03.06.2026
12:56 Uhr

Ukraine: Nato-Generalsekretär Mark Rutte zu Besuch in Kyjiw eingetroffen


Während Russland internationale Vertreter auf dem Wirtschaftsforum in Sankt Petersburg empfängt, ist Mark Rutte unangekündigt in die Ukraine gereist. In der Hauptstadt laufen Gespräche über die Unterstützung der Nato.

Ukraine: Nato-Generalsekretär Mark Rutte zu Besuch in Kyjiw eingetroffen

Unangekündigter Besuch in der Ukraine: Trotz der massiven russischen Luftangriffe ist Nato-Generalsekretär Mark Rutte am Morgen in der ukrainischen Hauptstadt Kyjiw eingetroffen.

Begleitet wird der Nato-Generalsekretär von Mitgliedern des Nordatlantikrats, dem höchsten politischen Entscheidungsgremium der Nato. Die Nato hatte vor der Reise darum gebeten, nicht über den Solidaritätsbesuch zu berichten, da man sich um die Sicherheit der Botschafter aus den Mitgliedstaaten sorgte. Nach SPIEGEL-Informationen wurde die Reise deswegen auch auf den noch bestehenden Kanälen in Russland angekündigt, eine solche Absprache ist vor allen VIP-Besuchen in der ukrainischen Hauptstadt mittlerweile üblich.

Rutte hatte sich primär aus symbolischen Gründen zur Reise in die Ukraine entschieden. Gerade wegen der deutlichen Verschärfung der russischen Angriffe auf zivile Ziele in Kyjiw sei es wichtig, dass die Nato dort Gesicht zeige, hieß es von Nato-Diplomaten. Man dürfe sich von Moskau nicht einschüchtern lassen. Neben einem Treffen mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj werden Rutte und die Botschafter in Kyjiw Gespräche im Rahmen des Nato-Ukraine-Rats abhalten. Es ist die erste Sitzung des Formats, die in der Ukraine selbst stattfindet.

Auch mit Blick auf den anstehenden Nato-Gipfel in Ankara Anfang Juli will Rutte zeigen, dass das Bündnis weiter an der Seite der Ukraine steht. Weil sich die USA weitgehend aus der Unterstützung für das Land zurückgezogen haben, gibt es nicht nur in Kyjiw Zweifel, wie stark die Solidarität der Regierung von Donald Trump mit dem früheren Schützling noch ist. Bei der Reise sind die USA nur mit dem stellvertretenden Nato-Botschafter vertreten, Trumps Gesandter Matthew Whitaker sagte die Reise in die Ukraine ab, laut der offiziellen Version muss er andere Termine wahrnehmen.

Rutte will Unterstützung für die Ukraine beschleunigen

Rutte will in Kyjiw bei den Nato-Staaten vor allem um weitere finanzielle Unterstützung für Waffenkäufe und -produktion werben. Dabei geht es zum einen um den sogenannten PURL-Mechanismus. Die Abkürzung steht für »Prioritised Ukraine Requirements List«. Die Initiative sieht vor, dass in den USA hergestellte Munition und Waffen an die europäischen Verbündeten und Kanada verkauft werden – und diese sie dann der Ukraine zur Verfügung stellen.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj ersuchte in einem Schreiben an US-Präsident Donald Trump, mehr Munition für das US-Flugabwehrsystem Patriot zu liefern.

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Zuletzt hatte Russland seine Angriffe auf die Ukraine erneut intensiviert. Laut einer Auswertung ukrainischer Luftwaffendaten durch die Nachrichtenagentur AFP griff Moskau das Land im Mai mit einer Rekordzahl von 8150 Langstreckendrohnen an, 24 Prozent mehr als im April. Die ukrainische Luftwaffe fing demnach im Mai rund 90 Prozent der anfliegenden Drohnen und Raketen ab, hat aber weiterhin Schwierigkeiten beim Abschuss ballistischer Raketen.

Kyjiw reagiert mit Vergeltungsattacken, die es als »Langstrecken-Sanktionen« bezeichnet. Am Vormittag trafen ukrainische Drohnen Energie- und Militäranlagen in der russischen Stadt Sankt Petersburg. (Lesen Sie hier mehr dazu.)

In Kyjiw haben russische Angriffe in der Nacht zum Dienstag Wohnhäuser beschädigt. Mehrere Menschen starben. Lesen Sie hier , wie sich der russische Angriffskrieg gegen die ukrainische Zivilbevölkerung richtet.

jmm/mgb/pkr/AFP