SpOn 10.03.2026
03:38 Uhr

Ukraine: Kyjiw bestellt ungarischen Botschafter in Affäre um Geldtransporter ein


Sieben Mitarbeiter der ukrainischen Sparkasse wurden zuletzt in Ungarn festgenommen. Ihr Fall erreicht nun höchste diplomatische Kreise. Die Regierung in Kyjiw hätte vom ungarischen Botschafter gern eine Erklärung.

Ukraine: Kyjiw bestellt ungarischen Botschafter in Affäre um Geldtransporter ein

Nach der Beschlagnahmung eines ukrainischen Geldtransporters in Ungarn und der Festnahme von sieben Begleitern (mehr hier) hat das ukrainische Außenministerium den ungarischen Botschafter einbestellt.

In einer Protestnote warf Kyjiw Budapest unter anderem Verstöße gegen die Europäische Menschenrechtskonvention im Umgang mit ukrainischen Staatsbürgern vor, wie die Behörde mitteilte. Ungarn wird illegale Festnahme, Einschüchterung und übermäßige Gewaltanwendung vorgeworfen.

Die ungarische Polizei hatte in der vergangenen Woche zwei Geldtransporter mit sieben Mitarbeitern der staatlichen ukrainischen Sparkasse kurzzeitig festgesetzt und Geldwäschevorwürfe erhoben. Trotz eines offiziellen Antrags sei ukrainischen Konsularbeamten kein Zugang zu den Festgenommenen gewährt worden, hieß es nun aus dem Kyjiwer Außenministerium.

Streit gab es auch um das bei der Festnahme beschlagnahmte Bargeld und Gold. Nach Angaben der Bank ging es um Euro- und Dollarscheine mit einem Gesamtwert von umgerechnet rund 69 Millionen Euro sowie neun Goldbarren von je einem Kilo. Das Vermögen war von Ungarn beschlagnahmt worden – sehr zum Ärger der ukrainischen Seite.

Ölleitung auf ukrainischem Boden beschädigt

Hintergrund des Skandals ist der Streit zwischen Ungarn und der Ukraine um Öllieferungen aus Russland. Diese liefen bis zuletzt über die Pipeline Druschba auch über ukrainisches Gebiet. Nach einer Beschädigung der Pipeline infolge russischer Angriffe forderte die kurz vor einer kritischen Parlamentswahl stehende Regierung in Budapest Kyjiw zur schnellen Reparatur und Wiederaufnahme des Transits auf.

Mehr zum Thema

Der ukrainischen Darstellung nach ist eine schnelle Reparatur nicht möglich, was in Ungarn – und auch der benachbarten Slowakei – auf Unglauben stößt.

Um den Druck zu erhöhen, hat Ungarn die Vergabe eines Millionenkredits der EU an die Ukraine blockiert, der für das von Russland angegriffene Land überlebenswichtig ist. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj drohte daraufhin Ungarns Regierungschef Viktor Orbán sogar mit eigenen Soldaten.

jok/dpa