Russland hat Ausländer und Diplomaten in Kyjiw aufgefordert, die ukrainische Hauptstadt zu verlassen. Die Forderung hat nun die Europäische Union und die Bundesregierung veranlasst, die Geschäftsträger der russischen Botschaften in Brüssel und Berlin einzubestellen.
Das Auswärtige Amt kritisiert die Drohungen Russlands gegen die Ukraine und ausländische Botschaften scharf. »Die Drohung Russlands, dass alle ausländischen Bürgerinnen und Bürger Kyjiw verlassen sollen, zeigt, dass Putin weiter auf Eskalation setzt«, heißt es im Außenministerium. »Der Versuch, die Ukraine und ihre Unterstützer mittels Drohungen und Terror zu spalten, wird keinen Erfolg haben. Gezielte Angriffe auf diplomatische Vertretungen stellen einen schweren Verstoß gegen humanitäres Völkerrecht dar.« Das Auswärtige Amt stehe in ständigem Kontakt mit der deutschen Botschaft in Kyjiw und seinen Partnern. Die Sicherheit der Mitarbeitenden vor Ort habe höchste Priorität. Auf X teilte das Außenministerium mit, dass es den russischen Botschafter einbestellt habe.
Angriffe auf Krankenhäuser, Schulen & 🇩🇪 TV-Studios, Aufforderungen an unsere Botschaft, #Kyjiw zu verlassen: #Russland setzt auf Drohen, Terror & Eskalation. Deshalb haben wir heute Russlands Botschafter einbestellt. 1/2
— Auswärtiges Amt (@AuswaertigesAmt) May 26, 2026
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Die russische »Drohung« sei eine »inakzeptable Eskalation«, erklärte EU-Kommissionssprecherin Anitta Hipper am Dienstag im Onlinedienst X. Brüssel fordere Russland auf, den Beschuss von Zivilisten zu beenden und einer »vollständigen und bedingungslosen Waffenruhe« zuzustimmen, fügte sie hinzu.
🇷🇺 threat to foreign citizens & diplomats to leave Kyiv is an unacceptable escalation. @eu_eeas summoned the Chargé d'Affairs, calling to stop hitting civilians & 🇷🇺 to engage in genuine peace talks starting with a full and unconditional ceasefire. @EUDelegationUA stays in Kyiv.
— Anitta Hipper (@ExtSpoxEU) May 26, 2026
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Der Auswärtige Dienst habe die Führung in Moskau zudem aufgefordert, Angriffe auf Zivilisten einzustellen. Die EU-Delegation bleibe in Kyjiw.
Russland hatte zuvor »systematische Luftschläge« auf Ziele in Kyjiw angekündigt. Ausländische Bewohner der Stadt seien daher aufgefordert, die Hauptstadt zu verlassen.
Wie in den vergangenen Tagen bombardierte Moskau die Ukraine auch am Dienstag mit besonders schweren Luftangriffen. Im Südosten des Landes war mindestens ein Mensch getötet worden, 15 weitere wurden verletzt. In der Hafenstadt Odessa sei ein Infrastrukturobjekt durch Beschuss zerstört worden, teilte Militärgouverneur Serhij Lyssak auf Telegram mit. Von den vier Verletzten sei einer seinen Wunden erlegen, schrieb er später.
In der Stadt Kramatorsk im Gebiet Donezk wurden derweil durch den Abwurf gelenkter Gleitbomben am Abend zwölf Personen verletzt. »Unter den Verletzten ist ein achtjähriger Junge«, schrieb der ukrainische Gouverneur der Region, Wadym Filaschkin, auf Telegram. Laut den örtlichen Behörden war es bereits der dritte schwere Angriff auf die Stadt im Tagesverlauf.
In Kyjiw war am Pfingstsonntag auch das dortige Studio der ARD durch russische Raketenangriffe zerstört worden. »Das war ein Angriff auf die Rundfunkfreiheit und die kritische und unabhängige Berichterstattung von Journalistinnen und Journalisten für die ARD über den brutalen Krieg«, erklärte der Bundesvorsitzende des Deutschen Journalistenverbandes, Mika Beuster. Zuvor hatte der ARD-Studioleiter in der ukrainischen Hauptstadt, Vassili Golod, in sozialen Medien Bilder von dem zerstörten Studio geteilt.
