SpOn 12.08.2026
13:02 Uhr

Suchtgefahr durch Instagram und Facebook: Mammutprozess gegen Meta in den USA beginnt


In Kalifornien wird die Jury für einen der bisher größten Prozesse gegen Meta ausgewählt. Es geht um das Suchtpotenzial sozialer Medien. Im Raum steht eine Strafzahlung, die den Konzern ruinieren könnte.

Suchtgefahr durch Instagram und Facebook: Mammutprozess gegen Meta in den USA beginnt

Macht der Meta-Konzern mit seinen Netzwerken Minderjährige abhängig und damit psychisch krank? Ja, finden mehrere US-Bundesstaaten und haben Klage gegen Meta eingereicht. Jetzt ist der Mammutprozess im kalifornischen Oakland mit der Auswahl der Jury gestartet.

In einem groß angelegten Verfahren müssen sich die Onlineplattformen Facebook und Instagram wegen des angeblich suchtfördernden Designs ihrer Apps gegen 29 klagende US-Bundesstaaten verantworten.

Apps von sozialen Netzwerken auf einem Smartphone

Apps von sozialen Netzwerken auf einem Smartphone

Foto: NurPhoto / IMAGO

Die Kläger werfen Meta unter anderem vor, junge Nutzer bewusst abhängig von ihren Netzwerken zu machen. Zudem seien unrechtmäßig Daten Minderjähriger gesammelt worden. Dem Unternehmen drohen bei diesem potenziell wegweisenden Prozess ‌nach eigenen Angaben Strafzahlungen von bis zu 1,4 Billionen Dollar. Das entspricht in etwa seinem aktuellen Börsenwert. Darüber hinaus könnte Meta gezwungen sein, bestimmte Funktionen bei Facebook und Instagram zu ändern oder abzuschalten.

Der Technologiekonzern hat die Anschuldigungen stets zurückgewiesen. Man sei zuversichtlich, dass die Beweislage das langjährige Engagement für die Unterstützung junger Menschen belegen werde. »Wir haben Eltern zugehört, mit Experten und Strafverfolgungsbehörden zusammengearbeitet und eingehende Untersuchungen angestellt, um die wichtigsten Probleme zu verstehen.« Der Vorwurf, Verbraucher über mögliche Gefahren in die Irre ​geführt zu haben, sei nicht haltbar, weil »Social-Media-Sucht« keine anerkannte psychische Erkrankung sei.

Whistleblowerin erhöht Druck

»Meta weiß, dass seine Plattformen Kindern und Jugendlichen schaden, sorgt aber weiterhin dafür, dass diese süchtig bleiben«

Frances ⁠Haugen

Auslöser der Ermittlungen gegen Meta waren die Aussagen ⁠der früheren Mitarbeiterin Frances ⁠Haugen. Sie hatte 2021 vor einem Senatsausschuss ausgesagt, dass der Konzern aus Gewinnstreben bewusst auf eine Verbesserung des Jugendschutzes verzichte. »Meta weiß, dass seine Plattformen Kindern und Jugendlichen schaden, sorgt aber weiterhin dafür, dass diese süchtig bleiben«, betonte die Generalstaatsanwältin in einer Stellungnahme ‌anlässlich des aktuellen Prozesses. »Unsere Kinder sind keine Datenpunkte, die zu Geld gemacht werden dürfen.«

Seit den Haugen-Aussagen wächst ​der öffentliche und politische Druck ‌auf die Betreiber von Onlineplattformen. Allein in den USA sind Tausende Verfahren von Bundesstaaten, Lokalbehörden, Schulämtern und Einzelpersonen anhängig. In einigen Fällen wurden Meta und die Alphabet-Tochter Google, zu der unter anderem die ‌Videoplattform YouTube gehört, zu Schadensersatzzahlungen in Millionenhöhe verurteilt. Im Mai einigte sich Meta mit einem Schulbezirk im US-Bundesstaat Kentucky außergerichtlich.

Den Vorsitz des auf sieben Wochen angesetzten Verfahrens führt Richterin Yvonne Gonzalez Rogers. Sie hatte den Prozess des Milliardärs Elon Musk gegen ‌den KI-Entwickler OpenAI geleitet. Die Eröffnungsplädoyers sind für den 18. ​August geplant. Im weiteren Verlauf werden voraussichtlich Meta-Gründer Mark Zuckerberg und Instagram-Chef ‌Adam Mosseri in den Zeugenstand treten. Meta war zuletzt mit dem Versuch gescheitert, den ‌Prozess zu verschieben.

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Die Kläger fordern ​von dem Konzern neben Schadensersatz unter anderem landesweite Altersbeschränkungen und eine Begrenzung der Nutzungsdauer für Minderjährige. Weiterhin sollen sämtliche Algorithmen und KI-Modelle, die auf Daten minderjähriger Nutzer basieren, ​gelöscht werden.

naw/Reuters