Die Straße von Gibraltar zwischen Spanien und Marokko gehört zu den am stärksten befahrenen Gewässern der Welt. Jedes Jahr passieren mehr als 60.000 Schiffe die Meerenge. Genau dort aber leben zahlreiche Grindwale, die zwischen all den Schiffen Nahrung suchen, ihren Nachwuchs aufziehen und Kontakt zu ihrer Herde halten müssen. Doch das ist im Lärm der Schiffsmotoren nicht immer leicht. Um sich inmitten des Lärms Gehör zu verschaffen, rufen die Wale teilweise lauter als üblich. Das berichtet ein internationales Forschungsteam im »Journal of Experimental Biology« .
Die Gruppe um Milou Hegeman und Frants Jensen von der dänischen Universität Aarhus war zwischen 2012 und 2015 mit einem Forschungsschiff in der Straße von Gibraltar unterwegs. Die Forscher zeichneten die Rufe der Wale auf, um mehr darüber zu erfahren, wie die Tiere unter den Umständen des Schiffsverkehrs leben.
Grindwale (Symbolbild)
Foto: Sergio Hanquet / Biosphoto / AFPDazu befestigten sie mit Saugnäpfen Aufzeichnungsgeräte an den Rücken von 23 Grindwalen (Globicephala melas). Die Geräte dokumentierten nicht nur die Geräusche der Tiere, sondern zeichneten auch auf, in welcher Tiefe die Wale unterwegs waren und wie sie sich bewegten. Nach 24 Stunden lösten sich die Geräte und trieben an die Oberfläche.
Wie neben einem Staubsauger
Zurück im Labor analysierte das Team 1432 Walrufe und den Umgebungslärm. Dieser bewegte sich in einer Spanne von 79 bis 144 Dezibel. Den Autoren zufolge ist das vergleichbar mit der Geräuschkulisse eines lauten Restaurants bis hin zu Staubsaugerlärm.
Bei den Walen scheint dies dazu zu führen, dass sie ihr Verhalten anpassen und die Lautstärke ihrer Rufe erhöhen, wie die Forscher feststellten. Dies war vor allem bei Rufen mit höherer Frequenz und bei kurzen, unterbrochenen Rufen der Fall. Eine geringe Erhöhung der Lautstärke reichte den Walen hierbei aus, um sich Gehör zu verschaffen. Die Rufe mit höherer Frequenz dienen den Walen laut den Forschern dazu, sich in näherer Umgebung zu verständigen.
Allerdings funktioniert diese Lösung wohl nicht bei allen Arten von Rufen: Bei Rufen in niedrigerer Frequenz sowie Rufen aus zwei verschiedenen Komponenten schöpfen die Wale der Studie zufolge ohnehin bereits das Maximum an Lautstärke aus, das sie imstande sind, zu erzeugen. Lauter zu rufen, um die Schiffe zu übertönen, ist in diesen Fällen somit keine Option. Unglücklicherweise seien es genau diese Rufe, mit denen sich die Wale gegenseitig darüber verständigen, wo sie gerade sind, um zueinanderzufinden, schreibt das Team.
- Orca-Vorfälle vor Spanien und Portugal: Die Geister von Gibraltar Aus Spanien und Portugal berichtet Max Polonyi
- Gestrandet vor Australien: Warum bildeten Dutzende Wale vor ihrem Tod ein Herz?
- Lehren aus dem Buckelwal-Drama: Ausgerechnet Backhaus bremst beim Walschutz Von Julia Köppe und Jonathan Stock
»Zunehmender Lärm verringert die effektive Kommunikationsreichweite, wodurch es für weit voneinander entfernte Tiere schwieriger wird, einander zu finden«, erklärt Jensen – etwa nach der Nahrungssuche. Die Grindwalpopulation in der Straße von Gibraltar umfasse nur noch 250 Tiere, betonen die Autoren – und rufen dazu auf, den Lärm zu reduzieren, um die Wale zu schützen.
Die Geister von Gibraltar: Immer wieder rammen Orcas Schiffe und Segelboote vor Europas Südwestküste. Forscher rätseln über die Motive der Meeressäuger, Segler fürchten um ihr Leben. Warum tun die Tiere das? Mehr dazu lesen Sie hier .
