SpOn 18.03.2026
18:06 Uhr

Skispringer Philipp Raimund verweigert Sprung in Oslo: Den »Scheiß« einfach mal nicht mitmachen


Skispringen ist ein riskanter Sport. Doch wenn ein Wettkampf durchgeführt wird, ist er sicher. Oder? Der Deutsche Philipp Raimund sah das in Oslo anders. Und packte vor laufender Kamera zusammen.

Skispringer Philipp Raimund verweigert Sprung in Oslo: Den »Scheiß« einfach mal nicht mitmachen
Kolumne »Haltungsnote«

In der Kolumne »Haltungsnote« würdigen oder kritisieren wir jede Woche besondere Auftritte in der Sportwelt.

Philipp Raimund ist derzeit Deutschlands bester Skispringer. Bei den Olympischen Winterspielen gewann er Gold, vor zwei Wochen gelang ihm im finnischen Lahti sein erster Weltcuperfolg.

Am Sonntag sollte er in Norwegen springen, auf dem Holmenkollen in Oslo. Es war ein unwirtlicher Tag: Nebel hing über der Schanze, der Wind zerrte an den Anzügen der Springer.

Dem Deutschen Felix Hoffmann sah man die Anspannung vor dem Absprung an. Nur mit Mühe konnte er einen Sturz abwenden – mehrere Meter über dem Boden. Es war der Moment, als sich Raimund dachte: Hier springe ich heute nicht.

Olympiasieger Raimund: Das Risiko fliegt mit

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Foto: Terje Pedersen / NTB / picture alliance

»Ich mache diesen Scheiß hier nicht mit«, sagte er, da stand er bereits in voller Montur im Starthäuschen. Dann packte er seine Ski und stieg in den Aufzug. Der 25-Jährige war der einzige von rund 50 Startern, der sich der Jury entgegenstellte. Der zweite Durchgang wurde dann abgesagt.

Der Durchgang sei »teilweise wirklich gefährlich« gewesen, sagte Österreichs Chefcoach Andreas Widhölzl hinterher. Man habe das aber so hinnehmen müssen. Man sei ohne Sturz durchgekommen, verteidigte Fis-Skisprungchef Sandro Pertile die Veranstaltung und sagte dann: »Wir drängen niemals einen Athleten zu springen, das ist allein ihre Entscheidung.«

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Wirklich? Es geht immer um Konkurrenz und Erfolgsdruck. Am Ende riskieren die Athletinnen und Athleten ihre Gesundheit für den Nachweis, dass die Bedingungen eines Wettkampfs vertretbar sind.

Philipp Raimund hat sich in Oslo entzogen. Er hatte genug gesehen. So außergewöhnlich wie sein Abgang war seine Begründung. Er habe an seine Freundin gedacht, sagte er hinterher. Sie sage immer, »das Wichtigste sei meine Sicherheit und eine sichere Landung«. Die Jury sollte es sich zu Herzen nehmen.