SpOn 02.10.2026
14:40 Uhr

Sindbis-Fieber: Erstmals in Deutschland Übertragung nachgewiesen


Die Krankheit bringt oft lang anhaltende Gelenkschmerzen mit sich: Erstmals ist eine in Deutschland erworbene Sindbis-Infektion nachgewiesen worden. Übertragen wird das Virus durch Mücken.

Sindbis-Fieber: Erstmals in Deutschland Übertragung nachgewiesen

Erstmals wurde bei einem Menschen in Deutschland eine hierzulande erworbene Sindbis-Virus-Erkrankung nachgewiesen. Betroffen sei ein 60 Jahre alter Mann aus Baden-Württemberg, teilte das Robert Koch-Institut (RKI) mit. Antikörper, die auf eine frühere Infektion hindeuteten, waren demnach bereits vor Jahren bei Blutspendern aus der Umgebung von Weinheim gefunden worden. Dort war das Virus zuvor in Stechmücken nachgewiesen worden. Nun folgte erstmals ein Nachweis in direktem Zusammenhang mit der Erkrankung.

Der aktuelle Fall bestätige, dass bei bekanntem Vorkommen in Stechmücken und Wildvögeln auch mit Fällen bei Menschen zu rechnen ist, hieß es vom RKI. Bei Patientinnen und Patienten mit Fieber, Hautausschlag und ausgeprägten Gelenkschmerzen solle während der Stechmückensaison bei der Diagnose auch an eine mögliche Sindbis-Virus-Infektion gedacht werden.

Das Sindbis-Virus (SINV) ist ein Krankheitserreger, der hauptsächlich bei Vögeln kursiert und durch Stechmücken übertragen wird. Es kommt unter anderem in Teilen Nordeuropas, Afrikas, Asiens und Australiens vor. Mensch-zu-Mensch-Übertragungen sind nicht bekannt. Wenn eine infizierte Mücke einen Menschen sticht, kann dieser das sogenannte Sindbis-Fieber bekommen.

Plötzliches Fieber, juckender Hautausschlag

Typische Symptome sind plötzliches Fieber, juckender Hautausschlag und starke Gelenkschmerzen. Damit ähneln die Beschwerden denen bei einer Chikungunya-Viruserkrankung. Als lebensbedrohlich gilt das Sindbis-Fieber nicht. Ausschlag und Fieber klingen meist innerhalb von ein bis zwei Wochen ab, die Gelenkschmerzen können noch viele Wochen oder sogar Monate anhalten und den Alltag erschweren.

Nach Einschätzung des Virologen Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg gibt es keinen Grund zur Sorge. »Das Risiko, sich überhaupt anzustecken, ist für alle gering, weil Infektionen bei uns selten sind«, erklärte er nach Angaben der Nachrichtenagentur dpa.

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Besondere Schutzmaßnahmen sind laut Schmidt-Chanasit nicht nötig. »Sinnvoll ist, was ohnehin gegen Mückenstiche empfohlen wird und auch vor dem West-Nil-Virus schützt: Mückenschutzmittel auf der Haut, lange Kleidung vor allem abends und nachts, Fliegengitter an den Fenstern, Regentonnen abdecken und Wasser in Blumenuntersetzern regelmäßig ausleeren, damit Mücken dort nicht brüten können.« Die Mückensaison neige sich im Herbst ohnehin dem Ende zu.

Der Mann in Baden-Württemberg erkrankte nach RKI-Angaben am 12. Juli. Weil er in einem Stadtbezirk mit etablierten Populationen der Asiatischen Tigermücke (Aedes albopictus) lebt, hätten die behandelnden Ärzte ihn zunächst auf eine mögliche Chikungunya-Infektion testen lassen. Anschließend sei die Abklärung unter anderem auf SINV erweitert worden – im Zuge dessen sei im September der Nachweis erfolgt.

sol/dpa