Der Reservistenverband sieht in einer möglichen AfD-Regierung in Sachsen-Anhalt ein Sicherheitsrisiko für Deutschland und will den Krisenplan fürs Land sichern. Falls die AfD in Magdeburg die Regierung übernimmt, will der Verband den Operationsplan Deutschland aus der Staatskanzlei von Sachsen-Anhalt zurückholen. Die streng geheimen Dokumente geben Anweisungen für den Ernstfall.
»Die AfD ist eine große Gefahr für unser Land«, sagte Verbandschef Bastian Ernst (CDU) dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. »Wenn sie in Sachsen-Anhalt die Regierung übernehmen würde, dann würden der Operationsplan Deutschland und weitere relevante Informationen mit ziemlicher Sicherheit nach Russland abfließen. Deshalb sollte man den Plan aus Sachsen-Anhalt zurückholen.«
Eine Alternative wäre laut Ernst, den Operationsplan »grundsätzlich im Verteidigungsministerium zu deponieren«. »Dann könnten ihn Personen oder Institutionen nur nach vorheriger Genehmigung einsehen«, sagte er. »Im Kriegsfall würden ohnehin andere Regeln gelten«, führte Ernst aus. »Dann hätte der Bund wachsende Zugriffsmöglichkeiten auf die Länder und damit auch auf Sachsen-Anhalt.«
Für eine etwaige Rückholung des Plans hatte sich nach RND-Informationen am Dienstag bereits Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) vor Verteidigungsexperten der Koalitionsfraktionen ausgesprochen.
Mehr als tausend Seiten umfassendes Geheimdokument
Der mehr als tausend Seiten umfassende Operationsplan Deutschland liegt bei allen 16 Landesregierungen. Das streng geheime Dokument enthält die zentralen Vorkehrungen für die Landes- und Bündnisverteidigung im Ernstfall und umfasst auch vorgesehene Nato-Bewegungen in Europa.
Die »Welt« hatte im Juli berichtet, dass sich mehrere Ressorts mit der Frage beschäftigen, wie militärische Mobilität auch dann sichergestellt werden kann, wenn eine Landesregierung nicht kooperiert. Der CDU-Verteidigungsexperte Roderich Kiesewetter sagte der Zeitung damals, der Kreml versuche, unterschiedliche Haltungen zu Russland innerhalb Deutschlands auszunutzen und das Land als logistische Drehscheibe der Nato »so unzuverlässig wie möglich« zu machen. Um dies zu verhindern, würden Beamte des Bundesinnenministeriums Gegenmaßnahmen gegen potenziell abtrünnige Landesregierungen erarbeiten.
Die in Sachsen-Anhalt bisher regierende CDU hatte bei der Wahl in dem Bundesland vor einer Woche mehr als die Hälfte ihrer Stimmen verloren. Die AfD siegte mit einem Rekordergebnis von 43,8 Prozent. Damit könnte erstmals in der bundesdeutschen Geschichte eine als in Teilen rechtsextrem eingestufte Partei eine Landesregierung bilden. Die Partei vertritt einen russlandfreundlichen Kurs.
So will die AfD Sachsen-Anhalt umbauen – und die Macht in ganz Deutschland erobern: Die AfD bereitet die Regierungsübernahme in Magdeburg vor, auch ein Ex-CDU-Mann spielt eine Rolle. Doch das soll nur der Anfang sein. Manche träumen schon von der »Kanzlerin Alice Weidel«. Lesen Sie hier mehr zum Thema.
