In Sachsen hat die Polizei neun weitere selbst gebaute Sprengvorrichtungen gefunden, die mutmaßlich für Anschläge auf die Stromversorgung aufgestellt wurden. Sie befanden sich unmittelbar an Hochspannungstrassen in der Nähe des Umspannwerks Graustein bei Görlitz, wie das Landeskriminalamt und die Generalstaatsanwaltschaft in Dresden mitteilten .
Am Dienstag vergangener Woche waren Anschläge auf Umspannwerke bei Jänschwalde in Brandenburg und Bergheim in Nordrhein-Westfalen verübt worden. Weitere verdächtige Vorrichtungen wurden später in Dormagen und Weisweiler entdeckt. Nach Angaben von Polizei und Netzbetreibern wurde dabei mit pyrotechnischen Geschossen leitfähiges Material in Hochspannungsleitungen geschossen, um Kurzschlüsse zu verursachen. In der Umgebung wurden Abschussvorrichtungen gefunden.
Die Anschläge in Bergheim und Jänschwalde führten zu Abschaltungen in Kraftwerksblöcken, die Stromversorgung war aber nicht gefährdet. Die Ermittlungen laufen unter anderem wegen des Vorwurfs verfassungsfeindlicher Sabotage, in Brandenburg auch wegen Bildung einer Terrorvereinigung.
Ermittlungen dauern an
Am Freitag wurden dann auch in Sachsen Sprengvorrichtungen in der Nähe der Umspannwerke Bärwald und Graustein entdeckt. Nach Hinweisen war dort die Polizei ausgerückt. Bis Sonntag war sie im Einsatz, Spezialkräfte entschärften die Sprengvorrichtungen. Insgesamt fand sie in Sachsen 21 solcher Vorrichtungen. Die Ermittlungen dauerten an. Zu einem Schaden am Stromnetz sei es nicht gekommen, auch bestehe keine Gefahrenlage für die Bevölkerung, hieß es.
Die Generalstaatsanwaltschaft Dresden, das Landeskriminalamt Sachsen und die Polizeidirektion Görlitz bitten die Bevölkerung weiterhin um Unterstützung bei den laufenden Ermittlungen.
Unterdessen wird intensiv nach einem Mann gefahndet, der Sabotageaktionen gegen das deutsche Stromnetz verübt haben soll. Die Vorfälle konzentrieren sich auf Nordrhein-Westfalen (NRW), Brandenburg und Sachsen. Polizei und Staatsanwaltschaft in Brandenburg und NRW hatten am Sonnabend einen gemeinsamen Fahndungsaufruf mit zwei Fotos des 48-Jährigen veröffentlicht und bitten die Bevölkerung um Hinweise. Am Sonntag hatte es einen Großeinsatz im Hambacher Forst nahe Köln gegeben, allerdings wurden dort keine Hinweise auf den Mann gefunden.
Am Freitag hatten Polizisten in der Wohnung des Tatverdächtigen im nordrhein-westfälischen Gevelsberg Sprengstoff gefunden. Später stürmte ein Spezialeinsatzkommando im rund 100 Kilometer entfernten Niederzier in einem Wald einen Lastwagen, der augenscheinlich zu einem Wohnmobil umgebaut worden war. Der Gesuchte wurde aber nicht angetroffen.
