Auf der Krim geht der Treibstoff aus. Nachdem am Wochenende bereits die Ausgabe von Benzin begrenzt wurde, ruft der von Russland eingesetzte Statthalter der Halbinsel die Bevölkerung nun zu Ruhe und Geduld auf. Russland hat die Krim 2014 völkerrechtswidrig annektiert.
Die Situation werde von Wladimir Putin überwacht, der »die zuständigen Behörden mit entsprechenden Anweisungen zur Lösung des Problems beauftragt hat«, schrieb der Statthalter Sergej Aksjonow auf Telegram. Die Behörden würden Maßnahmen koordinieren und Benzin, das auf die Krim geliefert werde, »proportional zur Bevölkerungszahl verteilen«. Aksjonow schrieb, er nehme sich der Situation persönlich an. Aufgrund der Kriegsbedingungen könne er jedoch nicht alle Informationen zu den Engpässen öffentlich machen.
Am Wochenende hatten die Behörden nach ukrainischen Drohnenangriffen auf Ölanlagen Begrenzungen für die Ausgabe von Benzin angeordnet.
Benzin der Marke AI-95 – entspricht Super in Europa – wird laut offiziellen Angaben vorrangig an öffentliche und soziale Verkehrsmittel abgegeben. Normale Bürger können den Treibstoff nur mit Bezugsschein tanken, dann ohne Mengenbegrenzung. Für die Marke AI-92 (Normal) gelte wiederum eine Obergrenze von 20 Litern. Den Kraftstoff in Kanister abzufüllen, ist verboten, um Hamstern zu verhindern. Zunächst sollen die Maßnahmen für 30 Tage gelten.
Seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine dient die Krim als Versorgungsbasis für die im Süden der Ukraine angreifenden russischen Truppen. Daher ist die Halbinsel vermehrt ins Visier ukrainischer Drohnen- und Raketenangriffe gerückt. Ölanlagen geraten zunehmend unter Beschuss. Lesen Sie hier mehr zum ukrainischen Vorgehen an der Front .
Todeszahlen im Tagesverlauf gestiegen
Unterdessen meldet die Ukraine gestiegene Todeszahlen nach dem russischen Großangriff in der Nacht: In der südöstlichen Großstadt Dnipro ist die Zahl der Opfer demnach auf mindestens elf gestiegen. Die Leichen eines achtjährigen Jungen und einer Frau seien aus den Trümmern eines zerstörten vierstöckigen Gebäudes geborgen worden, teilt der Gouverneur der Region, Oleksandr Hanscha, mit. Unter den Todesopfern befinde sich auch ein dreijähriger Junge. Zudem seien in Dnipro bei dem nächtlichen Angriff 37 Menschen verletzt worden.
In der Hauptstadt Kyjiw wurden den Behörden zufolge mindestens sechs Menschen getötet. 66 weitere wurden dort verletzt. Nach Angaben des privaten Stromversorgers DTEK waren zeitweise mehr als 100.000 Menschen in der Hauptstadt ohne Strom, auch in anderen Regionen gab es Stromausfälle. Lesen Sie hier mehr zu den Angriffen.
Russlands Armeeführung veröffentlicht geschönte Lageberichte, Kritik kommt von rechts: Militärblogger zeichnen ein wenig schmeichelhaftes Bild des Kriegsverlaufs. Lesen Sie hier mehr dazu .
