SpOn 04.06.2026
16:08 Uhr

Russland: Moskau verhängt Einreisesperre gegen fünf Briten wegen Krypto-Recherche


Russland verhängt eine Einreisesperre gegen fünf Briten. Darunter ist der Jugendliche Alexander Browder. Er untersucht, wie Moskau Kryptowährung nutzt, um Sanktionen zu umgehen. Und tritt in die Fußstapfen seines berühmten Vaters.

Russland: Moskau verhängt Einreisesperre gegen fünf Briten wegen Krypto-Recherche

Von den russischen Sanktionen gegen ihn erfuhr der 17-Jährige im Wirtschaftsunterricht, wie er erzählt. Alexander Browder, Highschool-Schüler aus London, las eine Nachricht auf seinem Laptop: Moskau hat seinen Namen ganz oben auf eine neue Sanktionsliste  gesetzt. Außer Browder trifft es vier weitere Briten – Expertinnen, Unternehmer und Journalisten, darunter die bekannte Publizistin Catherine Belton (»Putin’s People«).

Das russische Außenministerium wirft ihnen vor, »Falschinformationen« über die russische Führung verbreitet zu haben – so bezeichnet Moskau in der Regel Regimekritik. Wegen ihrer angeblich »antirussischen« Haltung dürfen Browder und die anderen Sanktionierten nicht mehr nach Russland einreisen. Wie aber kommt es, dass ausgerechnet ein 17-Jähriger sanktioniert wird?

»Ich bin stolz, der erste Highschool-Schüler weltweit zu sein, der jemals von einem autoritären Regime sanktioniert wurde, weil er Korruption aufgedeckt hat«, schrieb Browder auf X. Inwieweit er tatsächlich der Erste dieser Altersgruppe ist, ist unklar. Sein Vater jedenfalls teilte den Beitrag stolz.

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Der Schüler ist der Sohn von Bill Browder. Der verdiente einst als Investor in Moskau und positionierte sich lange als entschiedener Unterstützer Wladimir Putins. Dann geriet er in Konflikt mit den russischen Eliten – heute tritt er als scharfer Kritiker des Regimes auf.

Bill Browder behauptet, der Kreml habe seinen damaligen Mitarbeiter Sergei Magnitski gezielt ermorden lassen, um ein Komplott zu vertuschen. Browder brachte auch die US-Regierung dazu, weitreichende Sanktionen wegen des Falls zu verhängen. Allerdings weist seine Geschichte Ungereimtheiten und offene Fragen auf, über die unter anderem der SPIEGEL berichtete. (Lesen Sie hier mehr dazu.)

Nun tritt der Sohn offenbar in die Fußstapfen des Vaters: Für den neokonservativen Thinktank Henry Jackson Society verfasste Alexander Browder einen Bericht , in dem er beschreibt, wie über die Kryptowährung A7A5 allem Anschein nach Geld gewaschen werde, um Russlands Krieg gegen die Ukraine zu finanzieren. Der A7A5 ist ein sogenannter Stablecoin, der an den russischen Rubel gekoppelt ist – und mit der sanktionierten Promswjasbank in Verbindung gebracht wird. Anfang März stellte Browder seine Recherchen im britischen Unterhaus vor.

Browder mit seinem Bericht: Vor der britischen Regierung vorgestellt

Browder mit seinem Bericht: Vor der britischen Regierung vorgestellt

Die britische Regierung nutzte die Recherchen danach offenbar für ihr neues Sanktionspaket , das sie vergangene Woche vorstellte und das sich gegen das vom Kreml unterstützte A7-Netzwerk richtet. Das erklärt wohl, wie Alexander Browder auf der Sanktionsliste landete.

»Ich habe festgestellt, dass viele Menschen, darunter auch hochrangige Politiker, keine Ahnung haben, wie Kryptowährungen funktionieren«, sagte Alexander Browder dem SPIEGEL. Dabei könnten sie zur Finanzierung von Kriegen und zur Umgehung von Sanktionen beitragen – »es braucht daher einen jungen Menschen, der sich mit dem Thema gut auskennt, um es anderen zu erklären und sie zu beraten«.

Moskaus Pragmatismus nach Ausschluss aus Zahlungssystem

Tatsächlich stand Russland Kryptowährungen lange Zeit kritisch gegenüber. Seit 2022 ist es verboten, Waren und Dienstleistungen im Inland mit Kryptowährungen zu bezahlen. Jedoch schuf der Gesetzgeber 2024 einen Rechtsrahmen, um Geschäfte im Außenhandel zu ermöglichen.

Letzteres ist insbesondere vor dem Hintergrund wichtig, dass russische Banken nach Beginn des Krieges gegen die Ukraine vom Zahlungssystem SWIFT ausgeschlossen wurden. Expertinnen und Experten sagen, Russland umgehe mit Kryptowährungen Sanktionen. So auch Browder.

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Der Schüler sieht sich durch die Auflagen gegen ihn bestätigt: »Sanktionen sollen Menschen zum Schweigen bringen. Mich aber haben sie nur entschlossener gemacht. Sie zeigen mir, dass ich einen wunden Punkt getroffen habe«, sagt Browder.