SpOn 29.05.2026
14:45 Uhr

Rom: Jüdischen Gruppen droht Ausschluss von Pride-Parade


Vor der Pride in Rom wird jüdischen Gruppen ein Festwagen verwehrt. Nur wer ein politisches Manifest der Veranstalter abnickt und sich vom israelischen Vorgehen im Gazastreifen distanziert, soll dabei sein dürfen.

Rom: Jüdischen Gruppen droht Ausschluss von Pride-Parade

Knapp einen Monat vor der alljährlichen Pride-Parade in Rom gibt es Streit über die Teilnahme jüdischer LGBTQ-Gruppen. Die Veranstalter von Roma Pride kündigten an, dass die Organisationen Keshet Italia und Keshet Europe nicht mit einem Festwagen in der Parade dabei sein dürften, weil sie sich nicht vom »derzeitigen Genozid in Gaza« distanziert hätten. Italienische Politiker und Aktivisten kritisieren den Ausschluss.

Veranstalter veröffentlichten politisches Manifest

Die Veranstalter der Parade für die Rechte von lesbischen, schwulen, bisexuellen, trans- und queeren Menschen (LGBTQ+) am 20. Juni veröffentlichten ein politisches Manifest, in dem auch der »derzeit in Gaza vom Staat Israel verübte Genozid« verurteilt wird. Von Teilnehmern mit einem Wagen verlange man, dass sie sich sämtliche Forderungen zu eigen machten, hieß es.

Plakat bei der Pride-Parade in Rom 2025

Plakat bei der Pride-Parade in Rom 2025

Foto:

Matteo Nardone / ipa-agency / picture alliance

Wegen des harten Vorgehens im Gazakrieg werden Israel immer wieder Kriegsverbrechen und Genozid vorgeworfen, unter anderem von der Uno . Die israelische Regierung weist diese Anschuldigungen strikt zurück und betont stets, man bekämpfe im Gazastreifen die Hamas und nicht die Zivilbevölkerung. Daneben haben selbst die israelischen Streitkräfte im Januar bestätigt, dass etwa 70.000 Menschen im Gazastreifen getötet wurden. Wie viele davon der Hamas angehörten, ist umstritten.

Keshet Italia: »Gefährliche doppelte Standards«

Keshet Italia warf den Veranstaltern eine »gefährliche Doppelmoral« vor. Von italienischen Juden werde verlangt, sich von einer ausländischen Regierung zu distanzieren, für die sie nicht verantwortlich seien. Keshet Italia – keshet ist das hebräische Wort für Regenbogen – sei ausgeschlossen worden, »weil wir ihre politische Prüfung nicht bestanden haben«.

Keine andere Vereinigung werde einer »fortlaufenden identitären und politischen Prüfung unterzogen, um zu beweisen, dass sie es verdient haben, dabei zu sein«. Diese Behandlung treffe nur sie. »Die Pride wird zu einem ideologischen Tribunal, das Minderheiten vertreibt und ihre Seele verloren hat.«

Italienischer Politiker kritisiert »politische Diskriminierung«

Pina Picierno, Vizepräsidentin des EU-Parlaments, schrieb bei X: »Es gibt etwas zutiefst Falsches daran, wenn eine Bewegung, die entstanden ist, um Minderheiten zu verteidigen, beginnt zu entscheiden, welche Minderheiten moralisch akzeptabel sind und welche nicht.« Sollten die Organisatoren am Ausschluss festhalten, würde damit eine »gefährliche Grenze« überschritten.

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Der italienische Abgeordnete Benedetto Della Vedova bezeichnete den Ausschluss auf der Plattform X als »besorgniserregend und schmerzhaft für viele Menschen«. Ein vorbehaltloses Bekenntnis zum politischen Manifest der Organisatoren könne kein Kriterium für eine Teilnahme sein. Della Vedova schrieb von einem »Instrument politischer Diskriminierung«.

jmm/dpa