Etwas muss die nördlichen Stadtmauern von Pompeji vor mehr als 2000 Jahren schwer getroffen haben, bis heute klaffen in ihnen auffällige Löcher. Nun hat ein italienisches Forschungsteam eine mögliche Erklärung für die Einschusslöcher: Die Stadt wurde wahrscheinlich mit einer Art antikem Maschinengewehr traktiert.
Aufnahmen der Einschlaglöcher in der Stadtmauer
Foto: Adriana Rossi; Silvia Bertacchi; Veronica Casadei / Universität Vanvitelli; DISI Universität Bologna / heritage / mdpiPompeji ist eine der bekanntesten archäologischen Stätten auf der ganzen Welt. Die antike Stadt ist durch einen Vulkanausbruch im Jahr 79 nach Christus unter Massen an Schutt und Asche begraben worden, viele Bewohner der Stadt kamen dabei ums Leben. Für Archäologen ist die Katastrophe von einst heute ein Glücksfall, denn der Vulkanausbruch hat die Stadt im Moment ihres Untergangs konserviert. Selbst die Umrisse der Verstorbenen sind noch zu erkennen.
Mehrere Geschosse in schneller Folge
Die Krater in der Stadtmauer entstanden etwa ein Jahrhundert vor dem verheerenden Vulkanausbruch – zu einer Zeit, als Pompeji gegen Rom aufbegehrte.
Die nördlichen Stadtmauern der Stadt zeigen deutliche Kampfspuren aus dieser Zeit, unter anderem große, runde Krater, die auf einen Beschuss mit schweren Steinkugeln durch ein Katapult hindeuten, das römische Truppen standardmäßig bei Belagerungen benutzt haben.
Zwischen diesen Kratern finden sich jedoch noch andere, kleinere, eher viereckige Einschusslöcher, die wie ein Fächer angeordnet sind. Bisher glaubten Fachleute, diese seien das Ergebnis von Verwitterung oder eher zufällig bei den Kampfhandlungen entstanden.
3D-Modell der Stadtmauer: In etwa so hat der Polybolus ausgesehen
Foto: Adriana Rossi; Silvia Bertacchi; Veronica Casadei / Universität Vanvitelli; DISI Universität Bologna / heritage / mdpiEin Forschungsteam um die Ingenieurin Adriana Rossi von der Universität Vanvitelli in Italien glaubt jedoch, dass ein sogenannter Polybolus die Schäden verursacht hat – eine Waffe, die anders als herkömmliche Katapulte mehrere Geschosse in schneller Folge abfeuern konnte. Und das bereits während der Antike. Sie gilt als ein Vorläufer heutiger Maschinengewehre.
Eisenbeschlagene Bolzen
Für die Studie, die im Fachblatt »Heritage« erschienen ist, hatte das Forschungsteam die Einschusslöcher mithilfe von Lasern exakt vermessen. Aus der Tiefe, Breite und Form schlossen sie, welche Waffe die Krater wahrscheinlich hinterlassen hat und welche Kräfte gewirkt haben müssen. Die Analysen sprachen für eine Waffe mit einer hohen Geschossgeschwindigkeit.
Um zu überprüfen, ob sie damit richtig lagen, verglichen die Forscherinnen die digitalen Messdaten mit griechischen Ingenieurszeichnungen aus dem 3. Jahrhundert vor Christus, die die Mechanik eines Polybolus beschreiben. Das fächerförmige Muster der Einschusslöcher passte zu der mechanischen Schwenkbewegung der Waffe, die in den Schriftquellen beschrieben wird.
Zudem entsprachen die Einschusslöcher der Form und Größe erhalten gebliebener Geschosse von anderen Fundplätzen aus dieser Zeit, etwa eisenbeschlagenen Bolzen.
Laut den Expertinnen war die Waffe etwa darauf ausgelegt, Bogenschützen auf der Mauer zu treffen, wenn diese sich zum Schießen aus der Deckung wagten.
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