SpOn 27.05.2026
11:07 Uhr

Plastikmüll: Einwegverpackungen vermüllen Meere und Küsten am stärksten


Millionen Tonnen Plastik landen jedes Jahr in der Umwelt – meist stammt es laut einer neuen Studie direkt aus unserem Alltag. Das Forschungsteam warnt: Ohne Eingreifen an der Quelle lässt sich die Flut kaum stoppen.

Plastikmüll: Einwegverpackungen vermüllen Meere und Küsten am stärksten

Rund 20 Millionen Tonnen Plastik landen jedes Jahr in der Umwelt – und dabei vom Festland über Flüsse bis in die Meere und Ozeane. Hier gefährdet der Müll Ökosysteme und ganze Küstenregionen. Eine englische Studie  hat nun gezeigt, was genau die Gewässer eigentlich vermüllt.

Die größten Verschmutzer der Meere sind demnach keine seltenen Industrieabfälle oder Fischernetze, sondern vor allem kurzlebige Einwegprodukte aus dem Alltag:

  • An erster Stelle steht laut der Studie Plastik aus dem Lebensmittel- und Getränkebereich. In 93 Prozent der untersuchten Länder gehören Lebensmittelverpackungen, Plastikflaschen sowie Verschlüsse und Deckel zu den drei häufigsten Müllarten.

  • Dahinter folgen Plastiktüten mit 39 Prozent sowie Zigarettenreste mit rund 38 Prozent.

  • 34 Prozent des gefundenen Mülls stammen aus der Seefahrt und Fischereiindustrie.

»Wir wissen, dass das Problem riesig ist, aber nicht, welche spezifischen Produkte die Hauptschuldigen auf globaler Ebene sind«, sagte Richard Thompson, Mitautor der Studie von der University of Plymouth. Ohne dieses Wissen sei es schwierig, konkrete Maßnahmen gegen das Müllproblem zu finden. Denn die Abfallwirtschaft allein sei dazu nicht in der Lage, so die Forschenden.

Ähnliche Muster in vielen Ländern

Für die Analyse hat die internationale Forschungsgruppe mehr als 350 Studien ausgewertet. Man habe Strandmüll in 112 Ländern berücksichtigt, in denen zusammen 86 Prozent der Weltbevölkerung leben.

Das Team konzentrierte sich auf größere, eindeutig identifizierbare Kunststoffgegenstände. Mikroplastik, das oft erst durch den Zerfall dieser Produkte entsteht, wurde nicht berücksichtigt.

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Die Forscher und Forscherinnen fanden heraus, dass es weltweit keine großen Unterschiede zwischen den Arten des Mülls gibt. Die wirtschaftliche oder geografische Lage eines Landes hatte demnach wenig Einfluss.

Einzelne Ausnahmen gibt es: In der Arktis und Antarktis fand man vergleichsweise häufig Plastikflaschen sowie Angel- und Fischereimaterial. Das liege vermutlich daran, dass in der Region nur wenige Menschen leben und der besonders schwimmfähige Müll durch Meeresströmungen über große Entfernungen bis in die Polarregionen transportiert wird, heißt es.

Mehrwegsysteme oder Abgaben als Lösungsansätze?

Politische Maßnahmen können der Studie zufolge Wirkung zeigen. Das belege etwa der Umgang mit Plastiktüten. Denn besonders in vielen Regionen Asiens und Afrikas sind die dünnen Einwegbeutel stark verbreitet. Staaten wie Kenia, Tansania oder Mosambik haben aber strenge Verbote für Plastiktüten eingeführt und verzeichneten deutlich geringere Belastungen.

Gleiches könnte künftig auch für Lebensmittelverpackungen oder Flaschen gelten, so das Forschungsteam. Mehrwegsysteme, bessere Verpackungsdesigns oder Abgaben auf Einwegprodukte seien andere mögliche Maßnahmen.

»Veränderungen an der Quelle sind unerlässlich, wenn wir die Verschmutzung durch Plastik verhindern wollen«, sagte Susan Jobling, Direktorin des Instituts für Umwelt an der Brunel University of London. Nur wenn weniger Kunststoff produziert und verbraucht werde, lasse sich die Plastikflut langfristig eindämmen.

ast/dpa