SpOn 01.10.2026
09:26 Uhr

Ostdeutschland: Nur 17 Prozent behielten nach der Wende ihren Beruf


Nach dem Ende der DDR übten nur wenige Ostdeutsche noch dieselbe Tätigkeit aus wie zuvor. Eine neue Studie zeigt, wie tiefgreifend der Umbruch war – und dass er Aufstiegschancen wie Abstiegsrisiken mit sich brachte.

Ostdeutschland: Nur 17 Prozent behielten nach der Wende ihren Beruf

Das Ende der DDR hat für die meisten Ostdeutschen einen radikalen beruflichen Neuanfang bedeutet. Nun zeigen neue Daten, wie groß der Umbruch für viele Beschäftigte war: Nur 17 Prozent der Arbeitnehmer aus der ehemaligen DDR übten im Jahr 1992 noch denselben ​Beruf aus wie 1989. Das geht aus einer Studie der Rockwool Foundation Berlin hervor, die der Nachrichtenagentur Reuters vorab vorlag.

»Zwischen 1989 und ‌1992 erlebten DDR-Beschäftigte eine berufliche Umwälzung in einem Ausmaß, das Westdeutsche schlicht nicht kannten«, sagte die stellvertretende Leiterin der Stiftung und Professorin an der Humboldt-Universität Berlin, Alexandra Spitz-Oener. In Westdeutschland arbeiteten bei den Männern im selben Zeitraum 70 Prozent weiter in ihrem Beruf, bei den Frauen waren es 63 Prozent.

Die Umwälzung brachte für die Ostdeutschen sowohl Chancen als auch Risiken. Die Wahrscheinlichkeit eines beruflichen Aufstiegs war bei ​Männern aus der DDR mit rund 23 Prozent deutlich höher als bei ihren westdeutschen Altersgenossen. Zugleich war jedoch auch das Risiko ⁠eines Abstiegs ⁠um 15 Prozentpunkte höher. Bei den Frauen aus der DDR überwogen die Aufstiegschancen die Abstiegsrisiken in allen untersuchten Jahrgängen.

»Zwischen 1989 und ‌1992 erlebten DDR-Beschäftigte eine berufliche Umwälzung in einem Ausmaß, das Westdeutsche schlicht nicht kannten.«

Alexandra Spitz-Oener

»Berufliche Stabilität, nicht Arbeitslosigkeit, das war die schärfste Ost-West-Trennlinie«, sagte Spitz-Oener. Die Arbeitslosenquote in Ostdeutschland stieg bis 1992 von null auf zehn ‌Prozent bei den Männern und sogar auf rund 20 Prozent bei den Frauen, ​während sie im Westen ‌bei etwa zehn Prozent lag. Diese Arbeitslosigkeit blieb in den Folgejahren hoch, insbesondere bei den Frauen. Hier blieb die Quote für den Rest der Neunzigerjahre bei mehr als 20 Prozent. Bei den Männern stieg die Arbeitslosigkeit nach einer Phase der Stagnation bei zehn Prozent ab 1996 ‌noch einmal stark und erreichte 1998 rund 18 Prozent.

Die Studie beleuchtet die Zeit nach dem Fall der Berliner Mauer am 9. November 1989. Auf die erste freie Volkskammerwahl im März 1990 folgte am 1. ‌Juli die Wirtschafts- und Währungsunion mit der Einführung ​der D-Mark in der DDR. Am 3. Oktober 1990 ‌trat die DDR der Bundesrepublik Deutschland bei.

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Für die älteren Jahrgänge war ‌der Übergang in ​den Vorruhestand prägend. Bei den zwischen 1929 und 1931 geborenen Männern aus der DDR wurden 80 Prozent arbeitslos oder gingen in Rente, so die ​Studie. Bei den westdeutschen Männern derselben Altersgruppe lag der entsprechende ⁠Wert bei 54 Prozent. Die Zahlen für die ​Frauen ​betrugen 49 Prozent im Osten und sogar 81 Prozent im Westen, was die damals flächendeckende Anwendung von Programmen zur Frühverrentung in ganz Deutschland widerspiegelt, wie es in der ‌Studie hieß.

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mic/Reuters