Der ungarische Wahlkampf geht in den Endspurt. Am Sonntagnachmittag, dem ungarischen Nationalfeiertag, kamen mehr als 100.000 Ungarn auf dem Budapester Heldenplatz bei einer Kundgebung von Oppositionsführer Péter Magyar zusammen.
Sein Ziel: Die Regierung des rechtspopulistischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán ablösen.
Péter Magyar (Tisza):
»Orbáns Geist ist Vergangenheit. Die Zukunft gehört euch: den freien ungarischen Bürgern.«
Die Wahl in vier Wochen ist richtungsweisend. In seinen 16 Jahren als Regierungschef baut Orbán immer weiter die ungarische Demokratie ab und etabliert autokratische Strukturen. Zudem blockiert Orbán immer wieder die EU in Fragen der Ukrainehilfe und Russlandsanktionen.
Dem will Magyars Tisza-Partei jetzt ein Ende setzen.
Péter Magyar (Tisza):
»Wer sich für Tisza entscheidet, entscheidet sich für ein funktionierendes, menschliches, europäisches, stolzes, friedliches und ausgeglichenes Ungarn.«
In den meisten Umfragen liegt die Tisza aktuell deutlich vor Orbáns Fidesz-Partei – trotz einer Schmutzkampagne inklusive angedrohter Veröffentlichung eines Sexvideos, in dem Magyar zu sehen sein soll. Der aktuelle Amtsinhaber wehrt sich nach Kräften gegen die drohende Abwahl. Ebenfalls am Sonntag sprach Orbán auf dem Kossuth-Platz vor dem Parlament zu seinen Anhängern.
Viktor Orbán (Fidesz):
»Vor uns liegen 28 harte Tage. Wir müssen nicht nur so gewinnen wie vor vier Jahren, sondern höher. Wir brauchen nicht so viele Stimmen wie vor vier Jahren, sondern mehr. Wir müssen unser Bündnis gegen den Krieg erneuern. Und die drei Millionen Stimmen sind nicht die Obergrenze, sondern die Schwelle. Die müssen wir nicht nur erreichen, sondern überschreiten. Wir müssen einen historischen Sieg erringen, denn die nächste Regierung wird eine historische Verantwortung tragen.«
Im Wahlkampf setzt Orbán auf antiukrainische und prorussische Rhetorik – und die Behauptung, dass die EU junge Männer in den Krieg gegen Russland schicken wolle. Seinen Gegner beschimpfte Orbán als »Marionette Brüssels«, dessen Kampagne angeblich von der EU und der Ukraine finanziert werde. Beweise gibt es dafür nicht.
Péter Magyar (Tisza):
»Niemand will den Krieg, außer den Menschen der Vergangenheit. Lasst uns alle sagen: ›Wir wollen keinen Krieg, wir wollen keinen Krieg, wir wollen keinen Krieg.‹«
Die rekordverdächtige Großkundgebung der Opposition nannte Magyar einen »Nationalen Marsch für die Systemwende«. Ungarn bezeichnete er als Teil des europäischen Gemeinwesens und der Nato.