SpOn 31.05.2026
19:49 Uhr

Olympia-Abstimmung: Hamburger wollen keine Spiele in ihrer Stadt


In München und Rhein-Ruhr hat sich die Bevölkerung hinter eine Bewerbung für die Olympischen Sommerspiele gestellt. Nicht so in Hamburg. Das Ergebnis fiel eindeutig aus.

Olympia-Abstimmung: Hamburger wollen keine Spiele in ihrer Stadt

Hamburg scheidet nach dem Bürgerwillen aus dem Rennen um die deutsche Kandidatur für die Olympischen und Paralympischen Spiele aus, noch bevor diese richtig angefangen hat. Die Initiatoren einer Bewerbung scheiterten wie 2015 mit ihrem Referendum.

Nach Auszählung aller Stimmen lagen die Gegner der Kandidatur für die Spiele 2036, 2040 oder 2044 mit 54,9 Prozent vorn. 45,1 Prozent stimmten für eine Bewerbung. Die Wahlbeteiligung lag bei 49,5 Prozent. Insgesamt waren etwa 1,3 Millionen Menschen ab 16 Jahren stimmberechtigt.

Debakel wie 2015

Der rot-grüne Senat mit dem Ersten Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) an der Spitze erlebte damit ein Debakel wie der Senat vor elf Jahren. Damals hatten die Bürgerinnen und Bürger schon einmal gegen eine Bewerbung Hamburgs für die Spiele 2024 entschieden. Damals stimmten 51,6 Prozent dagegen, nur 48,4 Prozent dafür. Die Wahlbeteiligung war mit 50,2 Prozent sogar noch höher als diesmal.

Nach dem Votum kann die Stadt nicht mehr in den nationalen Wettstreit mit München, der Rhein-Ruhr-Region mit Köln als Zentrum und Berlin eintreten. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) entscheidet am 26. September, mit welchem Kandidaten er ins internationale Bewerbungsverfahren geht.

München und Rhein-Ruhr-Region mit positiven Voten

Der DOSB bewertet alle Kandidaten mithilfe einer Matrix, in der auch die Bürgerbefragungen berücksichtigt werden. Der DOSB-Vorstandsvorsitzende Otto Fricke hatte zuletzt ausdrücklich ein positives Votum in Hamburg erhofft, dieser Wunsch blieb unerfüllt.

Nach dem Ausscheiden Hamburgs hat der DOSB nur noch drei Bewerber zur Auswahl. In München und der Rhein-Ruhr-Region hatten sich jeweils etwa 66 Prozent für die jeweilige Bewerbung ausgesprochen. Berlin verzichtet aus verfassungsrechtlichen Gründen auf ein Referendum. Stattdessen beschloss das Abgeordnetenhaus am 21. Mai mehrheitlich, sich um Olympia zu bewerben.

Bei dem Bürgerentscheid von Hamburgs vorgesehenem Partner Kiel am 19. April hatten 63,5 Prozent dafür gestimmt, dass sich die Stadt für künftige Spiele in Deutschland als Segelstandort empfiehlt. Kiel muss nun hoffen, auch bei den anderen Bewerbern zum Zuge zu kommen.

Breites Bündnis pro Olympia reicht nicht

In Hamburg befürwortete ein breites Bündnis aus Politik, dem organisierten Sport, Wirtschaft und Kultur Olympia an Alster und Elbe. Dagegen sprachen sich unter anderem die Linke und die AfD, die Initiative »NOlympia« und auch Umweltschutzverbände aus.

In den Wochen vor dem Referendum hatte die Pro-Werbung das Stadtbild mit zahlreichen Prominenten auf den Plakaten dominiert. Das Nein der Hamburger Bevölkerung ist auch für Bürgermeister Tschentscher mit seinem Senat eine Niederlage. Tschentscher engagierte sich auffällig als Olympia-Wahl- und Vorkämpfer. Seit März tingelte er durch die Stadt, um die Bevölkerung für Olympia zu begeistern.

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Wie 2015 argumentierten die Olympia-Gegner mit unkalkulierbaren finanziellen Risiken sowie Belastungen für die Bevölkerung, die Stadt und die Umwelt durch Verkehr und Baumaßnahmen. Die ohnehin hohen Mieten würden weiter steigen, die positiven Wirkungen für den Breitensport gebe es nicht.

Am Ende folgte die Mehrheit der Hamburgerinnen und Hamburger den Gegnern.

mfu/dpa