1. Alles auf Zucker
Stretch-Limo?
Foto: Tim Wegner / epdNähern wir uns der Nachrichtenlage mit dem Blick eines Filmproduzenten auf Stoffsuche. Da ist die Meldung über den 35-jährigen Jackpot-Gewinner aus Mettmann, dem der Onlineanbieter Lotto24 die sagenhafte Summe von 120 Millionen Euro aufs Girokonto überweisen will (hier alle Infos). Braucht es mehr Plot für eine deutsche Komödie? Je nach Zielgruppe müssten jetzt Bully, Otto oder Til Schweiger die Regie übernehmen und für die Hauptrolle Elyas M'Barek oder Frederick Lau casten.
Für eine der wichtigsten politischen Nachrichten des Tages bietet sich der Filmtitel »Alles auf Zucker!« an, den ich vor 20 Jahren mit meiner Mutter im Kino sah (die darum bat, endlich mal wieder in der Lage am Abend erwähnt zu werden): Das Kabinett hat die Zuckersteuer beschlossen, allerdings in einer, gnihi, Light-Variante. Vor allem Softdrinks dürften teurer werden (welche wie viel, sehen Sie hier ).
»Alles auf Zucker!« lief 2004 in den Kinos an (hier mehr). In jenen Jahren machte Friedrich Merz noch Schlagzeilen als Oppositionspolitiker, indem er auf die aus seiner Sicht »durchgeknallte Verbraucherschutzministerin« schimpfte. Die Grüne Renate Künast wollte damals gegen Dumpingpreise bei Lebensmitteln vorgehen. Jetzt, als Kanzler, führt Merz eine Regierung an, die Cola und Limo teurer macht. Da fällt dem Produzenten ein Zitat des Regisseurs von »Alles auf Zucker!«, Dani Levy, ein. Der sagte einst: »Wenn man wenig Zeit und wenig Geld hat, wird man erfinderisch.«
Hier alle Hintergründe: So viel teurer könnten Ihre Lieblingsgetränke wegen der Zuckersteuer werden
2. Emde Gelände?
Linken-Fraktionsvorsitzender Schulze, Spitzenkandidatin Eralp
Foto: Soeren Stache / dpaNähern wir uns der Nachrichtenlage mit dem Blick des Krisen-PR-Beraters auf Kundensuche: Da ist die Sache mit der Linken in Berlin, die »scharf links in eine Sackgasse eingebogen ist«, wie meine Kollegin Anna Reimann und meine Kollegen Hannes Schrader und Severin Weiland berichten.
Bei der ersten Fraktionssitzung im Abgeordnetenhaus nahm die Linke gestern die Abgeordnete Vanessa Emde auf. Emde hatte unter anderem auf Demos das Existenzrecht Israels infrage gestellt und sich auf der Wahlparty der Partei mit dem propalästinensischen Terrorsympathisanten Ibrahim Ibrahim fotografieren lassen (lesen Sie hier mehr über Vanessa Emde ).
Grüne und SPD gingen davon aus, dass Emde wegen ihrer Vorgeschichte nicht in die Fraktion aufgenommen werde. In beiden Parteien heißt es, die Linke habe das zugesagt. Bei den Linken wird diese Darstellung zurückgewiesen: Eine solche Zusage habe es nie gegeben.
Außerdem hat die Linke alle ihre Berliner Abgeordneten eine Erklärung unterschreiben lassen, die unter anderem ein Bekenntnis zum Existenzrecht Israels und zum Schutz jüdischen Lebens enthält. Das Papier ist aber deutlich weicher formuliert als eine Abmachung mit den Grünen und der SPD. Jetzt fordern die potenziellen Koalitionspartner, die Linke solle zu früheren Absprachen zurückkehren. Die Grünen signalisierten allerdings heute, dass sie bereit seien, trotz allem weiterzusondieren. Rot-Grün-Rot also doch nicht am, sorry, Emde?
Würde bei dem Kuddelmuddel nicht selbst der abgebrühteste Krisen-PR-Berater abwinken?
Alle Hintergründe hier: Scharf links in eine Sackgasse eingebogen
3. Burger-Unruhen
Der McRib: Deutschland in der Krise?
Foto: McDonald's / APNähern wir uns der Nachrichtenlage mit dem Blick des Biertrinkers am Tresen auf der Suche nach Gesprächspartnern: Da ist die Aufregung um das Ende des »deutschesten Burgers, den es je gab«, wie mein Kollege Matern von Boeselager es nennt – »jetzt nehmen sie uns auch noch den McRib weg!« (Hier ein Nachruf .) Die beste Schlagzeile dazu stand allerdings bei der »Bild«: McRIP.
Bayern-Superstar Michael Olise: Sah Rot
Foto:Marius Nordnes / Nordnes Foto / Getty Images
Da ist aber natürlich auch die Champions League: Heute trifft Manchester City auf Paris Saint-Germain, Glimt auf Dortmund und Bratislava auf Stuttgart. In Kneipen, Bars und Hobbykellern ist aber, jede Wette, noch der Platzverweis für Bayern-Star Michael Olise das große Thema.
Beim Spiel in Stavanger gestern verlor Olise die Contenance, warf seinem Gegenspieler Zlatko Tripić den Ball ins Gesicht und sah dafür Gelb-Rot. »Eine grobe Unsportlichkeit«, findet mein Kollege Peter Ahrens. »Und trotzdem möchte man für diese Szene dankbar sein. Weil man endlich mal Emotionen bei dem Spieler bemerkt hat.«
Hier sein Kommentar: Huch! Michael Olise ist ja doch ein Mensch
Was heute sonst noch wichtig ist
Soldaten sollen sich Wettbewerb geliefert haben, wer mit mehr Kameradinnen Sex hat: Die Bundeswehr ermittelt wegen sexueller Übergriffe in der Sachsen-Anhalt-Kaserne. Eine der Betroffenen war nach SPIEGEL-Informationen minderjährig .
»Sie sind ukrainischer Staatsbürger?« – »Ja, natürlich«: Ein früherer Offizier aus Kyjiw soll die Anschläge auf die Nord-Stream-Pipelines koordiniert haben. Beging er im Auftrag der Ukraine ein Kriegsverbrechen? Beim Prozessauftakt in Hamburg gaben seine Anwälte erste Antworten .
»Kein Euro, der in die Ukraine fließt, fehlt bei den Sozialausgaben in unserem Land«: Bundeskanzler Merz hat in seiner Regierungserklärung bekräftigt, dass Deutschland die Ukraine weiterhin unterstützen werde. Das gehe nicht zulasten der Sozial- und Bildungsausgaben. AfD-Co-Chef Chrupalla widerspricht.
Papst Leo ist wieder auf den Beinen: Er isst und läuft durch sein Zimmer: Der Papst erholt sich wie geplant von seiner Operation an der Lunge. Die Blutwerte nach dem Eingriff sind laut seinen Ärzten normal.
Mein Lieblingsinterview heute: Die »Zeit«-Umstellung
Journalistin Kunze
Foto:Julia Sellmann / DIE ZEIT
Die Journalistin Anne Kunze berichtet für die »Zeit« über den Entführungsfall Block. Meinem Kollegen Alexander Kühn erzählt sie, wie die Polizei vor ihrer Tür stand und sie zwang, 160 Stunden Audioaufnahmen herauszugeben. Und wie sie sich dagegen wehrt.
Hier das ganze Gespräch: »Die Beamten wollten meinen Laptop beschlagnahmen. Ich habe gesagt, das geht nicht«
Was heute weniger wichtig ist
»Every Little Thing«: Paul McCartney, 84, glaubt offenbar, sich an den 18. Juni 1942 erinnern zu können. An diesem Tag erblickte der Beatles-Sänger das Licht der Welt – und er blieb ihm wohl mehr oder weniger lebhaft in Erinnerung. »Ich habe dieses Gefühl, dass ich mich an meine Geburt erinnern kann. Ich wurde an einem Ort in Liverpool namens Walton Hospital geboren, einem echten alten viktorianischen Gebäude«, sagte er im Podcast »Good Hang with Amy Poehler« auf die Frage, was seine erste Erinnerung sei. Er glaube, das Gebäude sei früher mal etwas anderes gewesen als ein Krankenhaus. »Ich erinnere mich irgendwie an weiße Fliesen, sehr hygienische weiße Fliesen. Und chromglänzende Instrumente und ein Klirren, weil ich eine Zangengeburt war. Sie mussten mich herausziehen.«
Mini-Hohlspiegel
Die »Stuttgarter Nachrichten« über einen Kunstraub in Frankreich: »Nach Angaben der Stadt wurden zwei Personen von den Überwachungskameras erfasst, die anschließend die Flucht ergriffen«
Hier finden Sie den ganzen Hohlspiegel.
Cartoon des Tages
Entdecken Sie hier noch mehr Cartoons
Klaus Stuttmann
Und heute Abend?
Darstellerin Ho-yeon in »Hope«
Foto:PLUS M ENTERTAINMENT / MUBI
Drei Vorschläge: Sie könnten …
… etwas kochen, vielleicht »Königsberger Spaghetti«. Mein Kollege Stevan Paul findet: »Das urdeutsche Traditionsgericht Königsberger Klopse ist näher dran an Italien, als es scheint.« Zitrone, Sardelle und Kapern seien ohnehin recht italienisch, die Rindfleischbällchen brät er. »Mutters Original zeigte ich begeistert auf Instagram, wo es aus dem Stand das meistgelikte Gericht seit Beginn der Aufzeichnungen wurde.« (Hier das Rezept .)
… ins Kino gehen, vielleicht gucken Sie »Hope«. Meine Kollegin Hannah Pilarczyk findet: ein »fantastischer Monsterfilm«, die Verfolgungsjagden seien »in einzigartiger Eleganz« inszeniert. (Hier mehr .)
… etwas hören, vielleicht unseren Podcast »Trumps Amerika«. Dort übernimmt meine Kollegin Janita Hämäläinen die Moderation von meinem Kollegen Juan Moreno. In ihrer ersten Folge spricht Janita mit unserer US-Korrespondentin Britta Kollenbroich über den Endspurt vor den Midterms am 3. November, über Trumps verzweifelte Wahlkampftaktik und über die Bundesstaaten, in denen die Wahlen besonders spannend werden. (Hier geht es zur ersten Folge.)
Ihnen einen schönen Abend. Herzlich
Ihr Oliver Trenkamp, Blattmacher in der Chefredaktion

