1. Machtpoker eines Aufsteigers
US-Vizepräsident Vance: Eine Botschaft fürs Publikum, eine andere für Trump
Foto:Nathan Howard / Reuters / AP
US-Vizepräsident JD Vance hat gerade alle Hände voll zu tun. Das mag für viele hochrangige Amtsträger irgendwie zutreffen. Bei Vance kommt aber wirklich einiges zusammen.
Seine Frau Usha hat eben das vierte Kind des Paares geboren, Sohn Alec Neel Vance. Auch ein Umzug soll angeblich anstehen (mehr dazu hier). Neben allen Regierungsgeschäften absolviert Vance außerdem eine intensive Werbetour für sein Mitte Juni erschienenes Buch »Communion« über seine Rückkehr zum Glauben, ein Bestseller.
Wie der Republikaner sich dabei an die Trump-Nachfolge heranzurobben versucht, analysiert mein Kollege Alexander Sarovic. Sein Urteil: »Vance ist derzeit nicht zu beneiden. Er gehört immer noch der Trump-Regierung an. Zugleich sieht er, dass die amerikanische Rechte post-Trump in eine andere Richtung treibt.«
Beim einflussreichen Talkshowkönig Joe Rogan habe Vance den politischen Spagat versucht, so Alexander: »Er muss sich von Trump absetzen, gerade dort, wo dessen Politik unbeliebt ist. Zugleich darf er den Präsidenten nicht verärgern.«
Lesen Sie hier die ganze Geschichte: JD Vance sucht nach der richtigen Dosis Trump
2. Union sucht neuen Fraktionschef
Jens Spahn im Bundestag
Foto: John Macdougall / AFPVor der Abstimmung über die Nachfolge von Jens Spahn als Fraktionschef der Union wächst offenbar innerhalb von CDU und CSU die Sorge, dass Kanzler Friedrich Merz (CDU) keine gute Wahl treffen könnte.
Am 29. Juli, also kommende Woche, will die Unionsfraktion über die Spahn-Nachfolge abstimmen (mehr dazu hier). Merz und CSU-Chef Markus Söder dürfen aber den Personalvorschlag machen. Längst kursieren diverse Namen (mehr dazu hier ). Innerhalb der Fraktion, so berichtet mein Kollege Christian Teevs, »gibt es aber Zweifel, dass Merz auf Kompetenz setzt und jemanden vorschlägt, der die schwierige Aufgabe des Fraktionschefs auch beherrscht«.
Solche Ängste beziehen sich auf Kanzleramtschef Thorsten Frei. In dieser Position, so sehen es demnach viele, agiert Frei unglücklich. Nun wird er trotz Erfolglosigkeit als Favorit für den Fraktionsvorsitz gehandelt. Das gefällt wohl nicht allen. Bereits nach den Wahlen soll Frei solche Ambitionen gehegt haben, doch es kam anders. Ist nun Freis zweite Chance da?
Spannender noch als die Personalrochaden (Spahn sehen wir meiner Meinung nach sowieso bald wieder) finde ich die Debatte über Leihmutterschaft, die er ausgelöst hat. Zum Doppelmoral-Argument ist alles gesagt. Aber kommerzielle Leihmutterschaft ist keine Frage der politischen Glaubwürdigkeit eines einzelnen Mannes.
Meine Meinung: Die Rechte von Kindern werden dabei für die Wünsche von Erwachsenen hintangestellt. Das ist trotz aller Empathie für Menschen mit unerfülltem Kinderwunsch falsch. Eine Weltanschauung, die Frauenkörper als verfügbare Ressource verkauft, schafft zudem neue Probleme. Das Argument der Freiwilligkeit der Frauen (mehr dazu hier) ist empirisch hohl. Kommerzielle Leihmutterschaft ist zu Recht verboten in Deutschland.
Lesen Sie hier mehr: Unionsfraktion will am 29. Juli über Spahn-Nachfolge entscheiden
3. Alternative Routen gesucht
[M] DER SPIEGEL; Foto: Royal Thai Navy / EPA
Die Straße von Hormus ist mal wieder praktisch geschlossen. Iran will es so. Das Land kontrolliert eine der weltweit wichtigsten Schifffahrtsstraßen. Ein mächtiges Druckmittel. Aus Iran hieß es am Wochenende, man habe »zwei Öltanker in die Luft gejagt«. Im Übrigen, so die Revolutionswächter, bleibe die Route unsicher, solange die »Aggressionen der USA in der Region« weitergingen. Auch nicht das kleinste bisschen Öl oder Gas werde durchgelassen (mehr dazu hier).
Die Staaten rund um den Persischen Golf suchen angesichts von nach dem Waffenstillstand schon wieder recht routinierten Angriffen und Gegenangriffen zwischen den USA und Iran längst nach Alternativen. Frei nach dem Motto: Wir können den Wind nicht ändern, aber die Segel anders setzen.
Wie also lässt sich die oft als alternativlos beschriebene Route durch die Straße von Hormus umgehen, mit Pipelines, Zuglinien, Häfen oder gar einem Kanal? Meine Kollegin Juliane von Mittelstaedt hat zusammen mit Anna-Lena Kornfeld und Niklas Marienhagen eine visuelle Analyse erarbeitet.
Gelingen die Projekte, schrumpft das Drohpotenzial in den Händen Irans deutlich. Die Auswirkungen könnten nicht nur für die gesamte Weltwirtschaft spürbar sein, auch eine politische Dimension sei erkennbar, schreibt Juliane: »Aus der Hormus-Krise könnte im besten Fall eine positive Vision entstehen: die von einem Nahen Osten, der durch Zugverbindungen und Pipelineprojekte enger zusammenwächst.«
Lesen Sie hier die ganze Geschichte: So wollen Irans Nachbarn die Straße von Hormus umgehen
Was heute sonst noch wichtig ist
Hamas ernennt Khalil al-Hayya zum neuen Anführer: Khalil al-Hayya ist Unterhändler bei den Verhandlungen über ein Kriegsende in Gaza. Im vergangenen Jahr überlebte er einen israelischen Angriff in Doha. Nun übernimmt er die Führung der Hamas.
Waldbrand nahe Madrid außer Kontrolle – Fläche über Nacht verdoppelt: Die Lage ist dramatisch: Nordöstlich von Madrid frisst sich ein Feuer mit großer Geschwindigkeit durchs Land. Behörden sprechen von nie gekannten Ausmaßen.
»Sie können es vergessen«, sagt Präsident Ortega, »in Nicaragua wird es keine Wahlen mehr geben«: Wenn es nach Langzeitmachthaber Ortega geht, finden in Nicaragua keine Wahlen mehr statt. Damit will er nicht nur einen Machtwechsel, sondern auch einen möglichen Einfluss aus den USA unterbinden.
Großneffe von Widerstandskämpfer Bonhoeffer versucht, AfD-Kranz zu entfernen: »Werden wir hier nicht akzeptieren«: Tobias Korenke, Nachfahre des NS-Widerstandskämpfers Dietrich Bonhoeffer, hat einen AfD-Kranz an der Stauffenberg-Gedenkstätte entfernen wollen – und das Gebinde dabei beschädigt.
Mein Lieblingsquiz heute: Schaffen Sie das KI-Seepferdchen?
Experten aus dem Familienministerium fordern, dass es bald ein KI-Zertifikat für Kinder in Deutschland geben soll. Nach dem Vorbild des Seepferdchens in der Schwimmausbildung soll das KI-Seepferdchen zeigen, dass man sich zumindest einigermaßen mit der neuen Zukunftstechnik auskennt.
Meine Meinung ist ja, dass auch alle Erwachsenen stetigen KI-Lernbedarf haben und wir den Ball allzu leichtfertig an die Kinder durchreichen. Meine Netzwelt-Kollegen und ich haben deshalb ein eigenes KI-Seepferdchen ersonnen.
Was heute weniger wichtig ist
Lieber Dreck statt Glamour: Schauspielerin Anya Taylor-Joy, 30, liebt es laut eigener Darstellung, bei der Arbeit »völlig verdreckt und blutverschmiert« zu sein. Das sagte sie im ZDF-Interview anlässlich ihrer Rolle in der neuen Thrillerserie »Lucky« von Apple. In der Serie verkörpert sie eine Trickbetrügerin, die ihrem kriminellen Umfeld zu entfliehen versucht. Eitelkeit, so Taylor-Joy, habe in ihrer Schauspielerei nie eine Rolle gespielt. »Das hier war also genau mein Ding.«
Mini-Hohlspiegel
Auf stern.de
Hier finden Sie den ganzen Hohlspiegel.
Cartoon des Tages
Entdecken Sie hier noch mehr Cartoons.
Klaus Stuttmann
Und heute Abend?
Dieses kostenfreie und durchaus kniffelige Onlinespiel ist etwas für Geografie-Nerds. Das Ziel von »Country Draw« lässt sich leicht aus dem Namen ableiten: Es geht darum, auf einer weißen Kartenfläche unterschiedliche Länderumrisse möglichst realitätsgetreu zu zeichnen. Italien ist der Stiefel, und Deutschland kriegen viele wohl gerade auch noch so hin. Aber welche Form haben Madagaskar oder der Inselstaat Indonesien?
Einen schönen Abend. Herzlich
Ihre Angela Gruber, Autorin im Wirtschaftsressort

