1. Das verzwergte Bündnis
Nein, das ist nicht die Nato und auch kein Symbolbild dafür. Es sind »Die Ritter der Kokosnuß«
Foto: ddp imagesDroht der Nato das Schicksal des Schwarzen Ritters? Sie kennen die Szene aus Monty Pythons Meisterwerk »Die Ritter der Kokosnuß«, zumindest wenn Sie in den Siebzigern oder Achtzigern jung waren: Der Schwarze Ritter, erhaben und furchterregend, will Artus nicht vorbeilassen.
Artus schlägt ihm den linken Arm ab, der Ritter antwortet: »Das ist nur ein Kratzer.«
Artus schlägt ihm den rechten Arm ab, der Ritter antwortet: »Ist doch nur ne Fleischwunde.«
Artus schlägt ihm ein Bein ab, der Ritter ruft: »Ich spuck dir ins Auge und blende dich.« Und: »Ich bin unbesiegbar!«
Artus schlägt ihm das andere Bein ab, der Ritter sagt: »Also gut, einigen wir uns auf unentschieden.«
Damit die Nato nicht irgendwann ähnlich hilflos am Boden kauert, müssen die Europäer schnell die Lücken schließen, die Donald Trump reißt. Denn die USA wollen ihre militärischen Beiträge für das Bündnis massiv reduzieren, wie meine Kollegen Matthias Gebauer und Paul-Anton Krüger berichten (hier mehr ).
US-Kampfjet vom Typ F-35 beim Start vom Luftwaffenstützpunkt Spangdahlem in der Eiffel
Foto:Boris Roessler / dpa
Wie massiv, das ist heute bekannt geworden: Washington wolle »der Nato im Rahmen der Streitkräfteplanung künftig erheblich weniger militärische Schlüsselfähigkeiten bereitstellen, etwa US-Kampfjets, Kriegsschiffe, Drohnen oder Tankflugzeuge«. Die Pläne seien gravierender, als die Europäer dies erwartet hatten. Und Putin wird sich nicht auf ein Unentschieden einigen wollen.
Alle Hintergründe hier: USA wollen militärische Beiträge für die Nato deutlich reduzieren
2. Ermittlungen gegen Ulmen
Die Maus auf den Grüffelo-Tonies bekommt eine neue Stimme. Offenbar haben sich viele Eltern bei den Herstellern der Hörspielbox gemeldet – denn die Maus wurde von Christian Ulmen gesprochen. Nach den Vorwürfen gegen ihn lässt das Unternehmen die Maus nun neu einsprechen. Das ist, zugegeben, nur eine Nebensache im Fall Collien Fernandes.
Deutlich relevanter ist, was heute bekannt wurde: Die Staatsanwaltschaft Potsdam hat Ermittlungen gegen ihren Ex-Mann Ulmen wegen des Verdachts auf häusliche Gewalt eingeleitet. Auf Grundlage einer Anzeige der Schauspielerin hatte die Behörde bisher nur geprüft, ob ein Anfangsverdacht bestehe.
»Der neue Verfahrensstand bedeutet etwa, dass Zeuginnen und Zeugen vernommen werden können, darunter auch Fernandes«, berichten meine Kollegen Lukas Eberle, Max Hoppenstedt Heinrichs und meine Kollegin Juliane Löffler (hier mehr dazu ). »Ob es zu einer Anklage gegen Christian Ulmen kommt und ob er sich wegen der Vorwürfe vor Gericht verantworten muss, ist offen. Für ihn gilt die Unschuldsvermutung.« Ulmens Anwälte hatten stets bestritten, dass ihr Mandant seine Ex-Frau körperlich angegriffen habe.
Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Potsdam beziehen sich allerdings nur auf einen Teil der Vorwürfe von Fernandes. Bezüglich der Vorwürfe der »digitalen Gewalt« gibt es laut der Behördensprecherin noch keine Entscheidung, das könne noch Wochen dauern.
Alle Hintergründe hier: Verdacht auf häusliche Gewalt – Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Christian Ulmen
3. Rauch, der nach Kiwi schmeckt
Heißt es nicht immer wieder, die Jugend sei vorsichtiger, verantwortungsvoller, vernünftiger? Schon vor einiger Zeit zeigte sich: Beim Klima scheint das eher Wunschdenken zu sein, jedenfalls wenn es ums eigene Fortkommen geht – die Mehrheit fährt gern Auto. Jugend porscht, lautete unsere Schlagzeile damals.
Jetzt zeigt eine neue Befragung, dass die Jugend auch beim Rauchen nicht unbedingt weiser ist als ihre Eltern und Großeltern. Demnach rauchen und vapen Jugendliche mehr als noch vor vier Jahren. Besonders unter Mädchen stieg der Anteil deutlich.
Der Bundesdrogenbeauftragte Hendrik Streeck (CDU) nannte die Befragungsergebnisse »ein klares Warnsignal«. E-Zigaretten seien »extrem ungesund«. »Wenn Nikotin nach Cola, Kiwi, Kaugummi oder Menthol schmeckt und in bunten Verpackungen daherkommt, dann ist das keine zufällige Produktgestaltung«, sagte Streeck.
Hier mehr dazu: Jugendliche greifen häufiger zu Vapes
Was heute sonst noch wichtig ist
Deutschland laut Studie immer abhängiger von China: Akkus, Solarpanels, Antibiotika: Die Bundesrepublik importiert diese Waren nach neuen Erhebungen fast ausschließlich aus China. Eigentlich wollte sich Deutschland unabhängiger machen.
Iran will israelischen Spion getötet haben – Israel greift Ziele im Südlibanon an: Den Verhandlungen zum Trotz fliegen die USA neue Angriffe auf Iran, Israel attackiert Gaza und den Südlibanon. Teheran antwortet mit Drohungen – und will einen Agenten getötet haben, der für Israel spioniert haben soll.
Wie die Techbranche auf das KI-Manifest des Papstes reagiert: Leo XIV. warnt vor einer zu schnellen, zu rücksichtslosen Entwicklung künstlicher Intelligenz. An seiner Seite: ein Mitgründer von Anthropic. Auch Vertreter anderer KI-Firmen sollen den Papst getroffen haben.
Was wir heute bei SPIEGEL+ empfehlen
Ehepaar Wilson, Esser bei Bootstour in Amsterdam: Keiner aus dieser Reisegruppe hatte je im Sinn, zum Auswanderer zu werden. Dann kam Trump, zum zweiten Mal
Foto: Ilvy Njiokiktjien / DER SPIEGEL»Get The Fuck Out« heißt die Reiseagentur für Amerikaner, die vor Trump fliehen: Immer mehr US-Amerikaner halten das politische Klima zu Hause nicht mehr aus und wollen auswandern. Zwei Frauen haben daraus ein Geschäft gemacht. Auf Tour mit den Trump-Abwanderern durch die Niederlande .
Was heute weniger wichtig ist
Top, die Watte quillt: Moderatorin Michelle Hunziker, 49, hat sich für ihren früheren Kollegen Thomas Gottschalk, 76, eingesetzt. In der »Neuen Osnabrücker Zeitung« lässt sie sich so zitieren: Sie habe ihn »so lieb, dass ich es nie kommentiert habe, wenn er vielleicht mal einen nicht ganz richtigen Satz gesagt hat«. Und sie werde ihn auch weiterhin mögen. »Weil ich weiß, was für eine tolle Zeit wir zusammen erlebt haben.«
Mini-Hohlspiegel
Geschmacksrichtung in einem Eiscafé in Köln
Hier finden Sie den ganzen Hohlspiegel.
Cartoon des Tages
Entdecken Sie hier noch mehr Cartoons.
Thomas Plaßmann
Und heute Abend?
Miles Davis, 1959
Foto: AP/Sony/ LegacyKönnten Sie einer Empfehlung meines Kollegen Janko Tietz folgen und das schöne Sommerwetter mit guter Musik verbinden. »Heute vor 100 Jahren wurde der legendäre Jazztrompeter Miles Davis geboren«, sagt Janko. »Ein Innovator, der das Genre über Jahrzehnte prägte und ständig weiterentwickelte.«
Davis habe es gehasst, stehenzubleiben und zurückzuschauen. »Er weigerte sich sein gesamtes Leben, bei Konzerten frühere Werke noch einmal aufzuführen.«
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Erst kurz vor seinem Tod im September 1991 habe er sich von seinem Freund, dem Produzenten Quincy Jones, überreden lassen, beim Jazzfestival Montreux Aufnahmen aus seinen wegweisenden Alben »Miles Ahead«, »Sketches of Spain« und »Porgy and Bess« noch einmal live zu spielen, darunter auch »Summertime«. Eine Sternstunde des unverwechselbaren Davis-Sounds (hier zu finden ).
Lassen Sie den Tag ausklingen. Herzlich
Ihr Oliver Trenkamp, Blattmacher in der Chefredaktion


