Moskau, Russland
Wladimir Putin, Russlands Machthaber:
»Ja, ich bin es!«
Eine innige Umarmung, samt bombastischem Blumenstrauß – und Küsschen von seiner ehemaligen Lehrerin Wera Gurewitsch. Die Botschaft: So volksnah ist Russlands Machthaber Wladimir Putin.
Für weitere Gäste hat er auch noch Blumen parat, das russische Staatsfernsehen dokumentiert mit wackliger Kamera den großen Augenblick. Und seht her, es kommt sogar zu einem spontanen Austausch mit einem Hotelgast:
Hotelgast:
»Wir kommen aus Sotschi in der Region Krasnodar und sind mit dem Auto hierhergefahren.«
Wladimir Putin, Russlands Machthaber:
»Ist es dort warm?«
Hotelgast:
»Als wir losgefahren sind, war es dort kalt. Wir sind hierhergekommen, und hier ist es auch kalt. Es ist jetzt kalt, ich glaube, 10 bis 11 Grad.«
Wera Gurewitsch, Putins ehemalige Lehrerin: »Uns darf es nirgendwo kalt sein. Uns muss es überall angenehm sein!«
Die Lehrerin hat wohl einen Punkt. Aber wie angenehm es in Russland unter Putin derzeit ist, darüber gibt es wenig verlässliche Informationen.
Sagen wir so: Derzeit pausiert das staatliche russische Umfrageinstitut mit den Veröffentlichungen der aktuellen Zustimmungswerte für den Präsidenten. Die Pause trat ein, nachdem Putins Umfragewerte von strammen 90 auf 70 Prozent abgerutscht waren.
Aber wie die ins Deutsche übersetzten Kommentare der Veröffentlichung zeigen: Auch diese Zahl dürfte nicht ganz repräsentativ sein.
Nach der Unterbrechung soll es aber ganz bald wieder neue Zustimmungswerte geben, heißt es. Vielleicht, wenn die Menschen das gekappte Internet und andere Unannehmlichkeiten vergessen haben – etwa die stagnierende Wirtschaft. Aber daran, das versichert Kremlsprecher Peskow, sitze der Chef schon dran:
Dmitrij Peskow, Kremlsprecher:
»Der Präsident befasst sich sehr intensiv mit wirtschaftlichen Fragen. Er hält regelmäßig Sitzungen mit dem Ministerkabinett ab. Tatsächlich wird noch in dieser Woche eine weitere solche Sitzung stattfinden, bei der der Präsident eine Rede halten wird.«
Das dürfte die Bürger im Land doch ganz sicher beruhigen.
Wenn nicht, dann werden kurzerhand noch mehr von solchen Bildern produziert: Ganz fürsorglich bugsiert Wladimir Putin seine ehemalige Lehrerin in die Staatskarosse. Und kutschiert sie dann höchstpersönlich zu einem Abendessen im Kreml. Wenn das mal keine 90 Prozent Zustimmung wert ist.