SpOn 09.10.2026
13:52 Uhr

Montenegro: Chef des russischen Militärblogs »Rybar« festgenommen


Der Gründer des einflussreichen russischen Militärblogs »Rybar« sitzt in Haft. Montenegro spricht von »Versuchen hybrider Einflussnahme und Destabilisierung«. Ex-Präsident Medwedew spricht von einer »Jagd auf alle Russen«.

Montenegro: Chef des russischen Militärblogs »Rybar« festgenommen

Der russische Militärblog »Rybar« zählt zu den einflussreichsten Kanälen im Angriffskrieg gegen die Ukraine. Dessen Gründer, Michail Swintschuk, wurde nun in Montenegro festgenommen, wie Ministerpräsident Milojko Spajić auf der Plattform X  mitteilte.

Nach Medienberichten wurden neben Swintschuk auch seine Frau und drei weitere russische Staatsbürger in dem Ort Risan in der Bucht von Kotor festgenommen. Als Verfechter des russischen Angriffskriegs steht Swintschuk auf mehreren westlichen Sanktionslisten.

Russische Kriegspropaganda für Millionen Abonnenten

»Rybar« bestätigte die Festnahme von Swintschuk auf Telegram . Er und die anderen Festgenommenen hätten sich »alle legal und offiziell« in dem Balkanland an der Adria aufgehalten. In dem Kanal wurde »die Freilassung aller Festgenommenen« gefordert und angekündigt, dass der Blog sowie die regionalen Kanäle »unverändert« weiterlaufen werde.

Der Blog »Rybar« zählt auf Telegram 1,5 Millionen Abonnenten und ist bedeutend für die russische Kriegspropaganda. Er hat exzellente Kontakte in die russische Armee und veröffentlicht täglich Lageberichte zum Krieg gegen die Ukraine und zu anderen Krisenherden. Die Militärblogs spielen bei beiden Kriegsparteien eine wichtige Rolle, weil sie sich freier äußern als die offiziellen Mitteilungen der jeweiligen Streitkräfte.

Das Außenministerium in Moskau teilte mit, es versuche, die Umstände über die russische Botschaft in Podgorica zu klären. Das meldete die staatliche russische Nachrichtenagentur Tass. »Potenziell ist die Jagd auf alle (und ich betone – alle) Russen eröffnet«, kommentierte Russlands Ex-Präsident Dmitrij Medwedew.

Montenegro will »europäischen Weg« schützen

Die Behörden von Montenegro äußerten sich vorerst nicht konkret, was den Festgenommenen vorgeworfen werde. »Wir werden nicht offenlegen, was im Bereich der Sicherheitsbehörden bleiben muss«, schrieb Spajić als Begründung.

Mehr zum Thema

Seine Regierung habe mehrfach vor »Versuchen hybrider Einflussnahme und Destabilisierung« gewarnt, die den »europäischen Weg« Montenegros behindern sollten. Die Festnahme bezeichnete Spajić dahingehend als »erfolgreiche Operation«. Montenegro gilt als aussichtsreichster Kandidat aus dem Kreis der Westbalkan-Staaten für eine baldige EU-Mitgliedschaft.

jmm/dpa