Der Auftritt als falsches Maskottchen beim EM-Eröffnungsspiel in München 2024 brachte dem YouTuber Marvin Wildhage erst internationale Aufmerksamkeit ein. Und jetzt eine Geldstrafe. Weil er sich verkleidet bis zum Spielfeld geschmuggelt hatte, muss er Tausende Euro Strafe zahlen.
Konkret geht es um 60 Tagessätze zu je 150 Euro. Zudem werden 5400 Euro aus mit den Videos erzielten Einnahmen eingezogen. Der Webvideoproduzent habe sich der Urkundenfälschung und des Erschleichens von Leistungen schuldig gemacht, begründete die Richterin des Amtsgerichts München ihr Urteil.
Sie folgte damit der Forderung des Staatsanwalts. Die Verteidigerin hingegen plädierte auf Freispruch, weil sich Wildhage unter hohem persönlichem Einsatz um die Sicherheit der Spiele verdient gemacht habe.
YouTuber verteidigt Aktion als investigativen Journalismus
Der Videoproduzent hatte seine Aktion zu Beginn des Prozesses persönlich als investigativen Journalismus verteidigt. »Ich sehe es als meine Aufgabe, auf Missstände aufmerksam zu machen, sie in die Öffentlichkeit zu tragen.« Seine Videos seien aus klassischer Sicht vielleicht ein unübliches Format. »Aber das ändert ja trotzdem nichts an der Tatsache, dass meine Arbeit nichts anderes ist als investigativer Journalismus.«
Marvin Wildhage als falsches Maskottchen
Foto: Grant Hubbs / Steinsiek.ch / IMAGOWährend der Eröffnungsfeier hatte Wildhage als bunter Bär »Albärt« unerkannt vor Zehntausenden Zuschauerinnen und Zuschauern getanzt und später ein Video zu der Aktion veröffentlicht.
Der ausgebildete Journalist hatte sich mithilfe eines nachgeahmten Maskottchen-Kostüms und gefälschter Akkreditierungen beim Eröffnungsspiel der Fußball-EM im Juni 2024 ohne Berechtigung im Innenraum des Stadions aufgehalten.
Die Richterin sagte: »Der Angeklagte ist ein investigativer Journalist, das spricht ihm hier keiner ab. Es spricht ihm auch keiner ab, dass hier Sicherheitslücken aufgedeckt werden sollten.« Es gebe aber keinen Freibrief für Journalisten, im Rahmen der Recherche Straftaten zu begehen. »Urkundenfälschung ist wirklich kein Kavaliersdelikt«, sagte sie.
In der Webvideo-Szene ist Wildhage für seine Pranks berühmt-berüchtigt. Die oft ziemlich aufwendigen Tricksereien des 27-Jährigen reichen vom Fake-Restaurant bis hin zu Fake-Produkten , mit denen er offenlegte, wie egal es manchen Influencern zu sein scheint, wofür sie Werbung machen.
Das Urteil ist bis jetzt nicht rechtskräftig.
