Margaret Hamilton leitete das Team, das einst die Software für die erste Mondlandung schrieb. Nun ist die Computerpionierin mit 90 Jahren gestorben.
Das Massachusetts Institute of Technology (MIT), ihr ehemaliger Arbeitgeber, bestätigte den Tod in einer Mitteilung . Sie starb demnach am 30. September. Die Todesursache wurde nicht bekannt gegeben.
Hamilton trug dazu bei, die Softwareentwicklung als eigenständige Disziplin zu etablieren. Von 1959 bis in die Mitte der Siebzigerjahre arbeitete sie am MIT, dort leitete sie die Softwareentwicklungsabteilung des MIT Instrumentation Laboratory.
Programmiererin Margaret Hamilton in einem 1969 in einer Schule ausgestellten Modell des »Apollo«-Kommandomoduls
Foto: APGewürdigt von US-Präsident Obama
Die Abteilung erhielt Anfang der Sechzigerjahre einen Auftrag der Nasa. Hamilton führte ein Team von Hundert Entwicklerinnen und Entwicklern an, das die Software zur Steuerung des Apollo-Programms schrieb. Später gründete sie mehrere erfolgreiche Softwareunternehmen. Im Jahr 2016 würdigte US-Präsident Barack Obama Hamilton mit der Presidential Medal of Freedom, eine der höchsten zivilen Auszeichnungen in den USA.
Hamilton galt als treibende Kraft hinter dem Code der »Apollo«-Mission. Während des Mathematikstudiums hatte sie sich das Programmieren selbst beigebracht, mit 24 war sie durch Zufall in das Weltraumprojekt hineingerutscht, weil sie Geld verdienen wollte für das Jurastudium ihres Mannes. Schnell gelangte Hamilton in eine führende Rolle.
Verleihung der Presidential Medal of Freedom durch US-Präsident Barack Obama im Jahr 2016
Foto: Pat Benic / newscom / picture allianceFehlermeldung kurz vor der Mondlandung
Das Besondere an dem »Apollo«-Code: Das Programm beobachtete sich selbst. Während herkömmliche Programme meist nur stur Rechenaufgaben abarbeiteten, konnte das Mondlandeprogramm unterscheiden, welche Prozesse wichtig waren und welche warten konnten. Als es kurz vor der Mondlandung zum Fehlercode 1202 kam, konnten die Astronauten und die Techniker am Boden ihn ignorieren. Der Fehlercode warnte davor: Der Computer ist überlastet, daher konzentriert er sich nur auf das Wichtigste, das Landemanöver.
»Software galt als eine Blackbox, als etwas Geheimnisvolles, das fast magisch plötzlich im Bordcomputer auftauchte«, erinnerte sich Hamilton. »Und daher gaben uns die Manager volle Freiheit und totales Vertrauen.«
Entwicklerin Hamilton
Foto: HO / AFPSie setzte sich auch dafür ein, dass die Entwicklung von Software den gebührenden Respekt erhielt. »Deshalb begann ich, den Begriff ›Software-Engineering‹ zu verwenden, um es von Hardware und anderen Ingenieursdisziplinen abzugrenzen«, sagte sie im Jahr 2018. »Als ich diesen Begriff zum ersten Mal verwendete, wurde er als ziemlich amüsant angesehen. Lange Zeit war er Gegenstand von Witzen. Man neckte mich gern wegen meiner radikalen Ideen.«
Hamiltons erster großer Job für die Nasa war eine Notfallsoftware für den Abbruch einer Weltraummission. Der Spitzname: »Forget it«, »Vergiss es«. Denn man war sich sicher, davon niemals Gebrauch machen zu müssen. »Aber wenn dann die Mission doch abgebrochen werden musste, war ich plötzlich die Expertin für die gesamte Unternehmung, weil das Programm nun im Modus ›Forget it‹ lief«, erinnerte sich Hamilton.
»Zu sagen, Margaret Hamilton sei eine Pionierin gewesen – zu sagen, sie sei ihrer Zeit voraus gewesen –, wäre eine dramatische Untertreibung«, sagte der Leiter des Fachbereichs für Luft- und Raumfahrttechnik am MIT, Olivier de Weck
Als Hamilton im Jahr 2003 mit dem »Exceptional Space Act Award« der Nasa ausgezeichnet wurde, war ihr Laudator überrascht: »Ich habe mich gewundert, dass sie nie in aller Form für ihre bahnbrechende Arbeit geehrt worden ist.«
Bei der Mondlandung gab es neben den Astronauten einen unbekannten Helden: den Bordcomputer. Die »Apollo«-Software schrieb die junge Mathematikerin Margaret Hamilton. Mit ihr begann der Siegeszug der Programmierer. Lesen Sie hier mehr dazu.
