SpOn 25.04.2026
19:27 Uhr

Mali: Dschihadisten starten schwerste koordinierte Angriffe seit Jahren


Das Haus des Verteidigungsministers? Zerstört. Der wichtigste Militärstützpunkt? Unter Beschuss. Malis Junta ringt seit Jahren mit Islamisten und anderen Aufständischen. Nun haben sie im ganzen Land angegriffen.

Mali: Dschihadisten starten schwerste koordinierte Angriffe seit Jahren

Im westafrikanischen Mali haben militante Gruppen bei offenbar koordinierten Attacken die Hauptstadt Bamako sowie mehrere andere Orte angegriffen. Die Armee teilte am Samstag mit, sie habe ​die Kontrolle zurückerlangt. Einem Uno-Bericht zufolge handelte es sich um »gleichzeitige, komplexe Angriffe«.

Wo gab es Angriffe?

Diese richteten sich gegen den wichtigsten Militärstützpunkt des Landes in Kati, die Umgebung des Hauptstadtflughafens sowie Städte wie ‌Mopti, Gao und Kidal.

Mutmaßliche Dschihadisten auf dem Vormarsch in Mali

Mutmaßliche Dschihadisten auf dem Vormarsch in Mali

Foto: ANONYMOUS / AFP

Die Militärregierung sah sich mit einer der größten Offensiven in ihrem Kampf gegen Ableger von al-Qaida und der Terrormiliz »Islamischer Staat« (IS) konfrontiert. »Das sieht nach dem größten koordinierten Angriff seit Jahren aus«, sagte Ulf Laessing, Leiter des Sahel-Programms der Konrad-Adenauer-Stiftung.

Was ist wann passiert?

  • Kurz vor 06.00 Uhr (Ortszeit; 08.00 MESZ) waren in Kati zwei laute Explosionen und anhaltendes Gewehrfeuer zu hören. Zwei Augenzeugen zufolge wurde das Haus von Verteidigungsminister Sadio Camara bei einem Angriff zerstört.

  • Südlich von Bamako gerieten Menschen, die zum Flughafen ​gelangen wollten, fast in die Kampfzone. Ein Passagier berichtete von heftigem Beschuss und Hubschraubern in der Luft.

  • Obwohl die Armee kurz nach elf Uhr erklärte, die ⁠Lage sei unter ⁠Kontrolle, berichtete ein Anwohner aus der nördlichen Militärhochburg Gao noch gegen zwölf Uhr von einer lauten Explosion und anhaltenden Feuergefechten auf den Straßen.

Wer kämpft mit wem?

  • Die von Tuareg dominierte Rebellenallianz FLA teilte in den sozialen Medien mit, ihre Kämpfer hätten die Kontrolle über Stellungen in Gao ‌sowie eines von zwei Militärlagern in Kidal übernommen. Die Nachrichtenagentur Reuters konnte diese Angaben nicht überprüfen.

  • Eine ​Stellungnahme des regionalen al-Qaida-Ablegers JNIM ‌lag zunächst nicht vor.

  • Aus Sicherheitskreisen hieß es jedoch, die Gruppe sei an den Angriffen beteiligt gewesen und habe sich offenbar mit der FLA abgestimmt. Der Analyst Héni Nsaibia vom Armed Conflict Location & Event Data Project betonte die Bedeutung der Ziele: Kati und Bamako lägen »im Herzen des Regimes«, während Kidal der Schauplatz eines symbolträchtigen militärischen Sieges im Jahr 2023 gewesen sei.

Soldaten der Armee auf dem Weg nach Kidal

Soldaten der Armee auf dem Weg nach Kidal

Foto: Kenzo Tribouillard / AFP

In Mali ‌gibt es im Norden seit Längerem immer wieder Aufstände der Tuareg-Volksgruppe. Zudem kämpft die Armee gegen islamistische Extremisten. Die Militärregierung unter Assimi Goita, die nach den Putschen von 2020 und 2021 die Macht übernommen hatte, versprach die Sicherheit wiederherzustellen, tut sich damit jedoch ‌schwer. Im September 2024 hatte JNIM eine Ausbildungsstätte der Gendarmerie ​nahe dem Flughafen von Bamako angegriffen und rund 70 Menschen getötet. ‌Die Regierung setzte im Kampf gegen die Extremisten auf russische Söldner und lehnte eine Zusammenarbeit ‌mit westlichen Staaten zunächst ab. ​Zuletzt bemühte sie sich jedoch um engere Beziehungen zu den USA.

Deutschland war über Jahre mit der Bundeswehr an der Uno-Friedensmission Minusma in Mali beteiligt. Die Truppe stellte unter ​anderem Aufklärungsdrohnen, Kampf- und Transporthubschrauber sowie Stabspersonal in Bamako, um zum Gesamtlagebild der Vereinten ⁠Nationen beizutragen. Nachdem die malische Militärregierung im Juni 2023 ​jedoch ​die Zusammenarbeit beendet und den Abzug aller Uno-Kräfte gefordert hatte, beschloss der UN-Sicherheitsrat das Ende der Mission. Die letzten Bundeswehrsoldaten aus Mali kehrten im Dezember 2023 nach Deutschland zurück.

dop/Reuters