SpOn 29.09.2026
00:04 Uhr

Madrid: Zwangsgeräumte 87-Jährige soll zurück in ihre Wohnung


Die 87-jährige Seniorin, die in Madrid gegen ihren Willen ihre Wohnung verlassen musste, soll wieder in ihr Zuhause zurückkehren können. Ihr Fall hatte landesweite Proteste gegen steigende Mieten und Wohnungsnot ausgelöst.

Madrid: Zwangsgeräumte 87-Jährige soll zurück in ihre Wohnung

Nach der umstrittenen Zwangsräumung einer 87-jährigen Rentnerin in Madrid zeichnet sich eine Lösung ab. Wie die Anwältin der Frau am Montag mitteilte, wurde eine Einigung erzielt, die es Maricarmen Abascal ermöglichen soll, in ihre Wohnung zurückzukehren.

Die Vereinbarung müsse aber noch unterzeichnet werden. Dann werde der Fall »für alle ein besseres und erfreulicheres Ergebnis« nehmen, sagte die Anwältin Beatriz Duro.

Die Zwangsräumung der Seniorin hatte in Spanien für Empörung gesorgt. Abascal war vergangenen Mittwoch auf einer Trage aus ihrer Wohnung getragen worden, in der sie rund 70 Jahre lang gelebt hatte. Laut dem Mieterverband hatte ein Investor die Miete um 275 Prozent auf 2650 Euro erhöht.

Der Fall entwickelte sich rasch zum Symbol der angespannten Lage auf dem spanischen Wohnungsmarkt. In Barcelona demonstrierten am Montag während eines Besuchs von Ministerpräsident Pedro Sánchez rund 2000 Menschen. Sie forderten entschlossenes Handeln gegen steigende Mieten und Wohnungsnot.

Fehlende Wohnungen, zu hohe Mieten

»Wir wollen kein Trostpflaster, sondern angemessenen Wohnraum«, sagte Carme Arcarazo, Sprecherin der katalanischen Mietervereinigung. Sie verlangte unter anderem einen Stopp von Mieterhöhungen, ein Verbot befristeter Mietverträge und einen besseren Schutz vor Zwangsräumungen.

Die Forderungen richten sich auch an die Regierung von Sánchez, die am Dienstag ein neues Maßnahmenpaket zum Wohnungsmarkt beschließen will. Der Ministerpräsident hatte angekündigt, das Kabinett arbeite »mit Hochdruck« an den Plänen. Ob diese umgesetzt werden können, ist jedoch offen, da der Regierung die Mehrheit im Parlament fehlt. Ein ähnlicher Gesetzesvorschlag war zuvor gescheitert.

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In Madrid hielten Demonstrierende unterdessen bis zum Bekanntwerden der Einigung an ihrem Protestcamp auf der Puerta del Sol fest. Bereits am Samstag waren Zehntausende Menschen gegen hohe Mieten und Wohnraummangel auf die Straße gegangen. Hunderte errichteten anschließend Zelte auf dem zentralen Platz.

»Die Mieten sind völlig verrückt. Es ist eine absolut untragbare Situation«, sagte die Demonstrantin Beatriz Blanco vor Bekanntwerden der Einigung.

Steigende Wohnkosten gelten seit Längerem als eines der drängendsten Probleme Spaniens. Nach Daten des Immobilienportals Idealista haben sich die durchschnittlichen Mieten innerhalb von zehn Jahren nahezu verdoppelt. Die spanische Zentralbank schätzt, dass landesweit mehr als 700.000 Wohnungen fehlen.

dtt/AFP