In den Wechseljahren wird die Stimme von Frauen oft tiefer – dann können die Stimmlippen anschwellen und die umliegende Muskulatur verliert an Elastizität, was zu einer tieferen Tonlage führt. Für eine Frau scheint das nicht zu gelten: die Queen of Pop, Madonna.
Forscherinnen aus Dänemark haben Madonnas Stimme mithilfe von Interviewausschnitten aus rund vier Jahrzehnten analysiert, vom Durchbruch der Sängerin in den Achtzigerjahren bis 2021. Dabei stellten sie fest, dass die Stimme erstaunlich jung klingt: »Ihre Tonhöhe entspricht nicht den Mustern, die man normalerweise von einer Frau in ihren Sechzigern erwarten würde«, sagt die Linguistin Anna Bothe Jespersen von der Universität Kopenhagen einer Mitteilung zufolge. »Und die Art und Weise, wie sie eine Reihe von Vokalen ausspricht, entspricht nicht den Sprachmustern, die typischerweise entweder mit ihrer Generation oder mit den Orten, an denen sie gelebt hat, in Verbindung gebracht werden.«
Kurz: Madonnas Stimme lasse sich weder altersmäßig noch geografisch eindeutig einordnen – und das sei wohl eine bewusste Strategie, sagt die Forscherin. Ihre Studie wurde im Fachblatt »Nordic Journal of English Studies« veröffentlicht.
Stimme war in den Achtzigerjahren teils tiefer als heute
In die Untersuchung gingen 22 Interviewausschnitte ein. Mithilfe einer Software analysierte das Team um Jespersen zum einen die Tonhöhe der Stimme; zum anderen Madonnas Aussprache bestimmter Vokale, die in Wörtern wie »trap«, »dress«, oder »thought« vorkommen. Die analysierten Wortbestandteile – in der Linguistik spricht man von Tokens – kamen insgesamt 3758 Mal in den Ausschnitten vor.
Madonna in einem Fernsehinterview von 2006: Forscherinnen analysierten Interviewausschnitte aus rund vier Jahrzehnten
Foto: NBC Universal / Getty ImagesBezüglich der Tonhöhe zeige die Analyse durchaus eine Vertiefung der Stimme – im Jahr 2013, sagt Jespersen, »als Madonna 55 Jahre alt war, was in etwa dem Zeitpunkt der Wechseljahre entspricht«. Allerdings: In den Jahren darauf sei die Stimme wieder höher geworden. Über die beobachteten rund 40 Jahre hinweg habe Madonnas Stimme mehrere Tonhöhenveränderungen durchlaufen – manche der tiefsten beobachteten Werte stammen gar aus den Achtzigerjahren. Es sei »bemerkenswert schwierig, ihr Alter allein anhand ihrer Stimme zu schätzen«, sagt Jespersen.
Nach Angabe der Forscherinnen könnte Madonna ihre Stimme bewusst verändert haben: Die Sängerin hat jede Albumveröffentlichung und Konzerttour mit einem neuen Image begleitet, und möglicherweise habe sie dabei auch ihre Stimme bewusst eingesetzt. Auch eine Hormontherapie habe möglicherweise dazu beigetragen, den sinkenden Östrogenspiegel während der Wechseljahre auszugleichen, mutmaßen die Wissenschaftlerinnen.
Madonnas Vokalaussprache lässt sich nicht verorten
Als ähnlich schwer kategorisierbar erwies sich Madonnas Aussprache von Vokalen. Es sei fast unmöglich, ihre geografische Herkunft zu bestimmen, sagt Jespersen: »Madonnas Vokale folgen nicht den Ausspracheveränderungen, die typisch für ihre Generation oder die Regionen sind, in denen sie gelebt hat, wie etwa Michigan, wo sie aufwuchs, oder New York.«
Im Laufe der Zeit habe sich auch der Vokalraum in Madonnas Aussprache verändert: Mehrere Vokallaute produziere sie weiter vorne im Mund mit einer stärkeren Unterscheidung zwischen den Vokalkategorien. »Linguistische Forschungen legen nahe, dass diese Art der deutlichen, vorderen Vokalaussprache mit Jugendlichkeit, Attraktivität und Sexappeal assoziiert wird«, sagt Jespersen.
Im Großen zeigt die Studie laut den Autorinnen: Altern werde zunehmend nicht mehr nur als biologischer Prozess betrachtet, sondern als etwas, das Personen beeinflussen können. Auch mit ihrer Stimme.



