Aliens entführen den Co-Trainer, der Kapitän wird des Marihuana-Konsums überführt und aus der schwarzen Kasse kann man Dr. chem. Do Ping bezahlen: Wer mal Anstoss 2 gezockt hat, weiß, was in der fiktiven Fußballwelt alles möglich war. Und alle Eltern können beruhigt sein: die zahlreichen Stunden vor dem Computer können sich auszahlen. Denn das Know-how von damals kann Gamer auch zu den Clubbesitzern von morgen machen. Das zeigt zumindest das Beispiel Lukas Podolski, 40.
Podolski hat gerade seine aktive Karriere beim polnischen Erstligisten Górnik Zabrze beendet, aber der Fußballstar hat schon eine neue Aufgabe: Er hat den Club nun als Besitzer übernommen. 86 Prozent der Anteile sollen ihn umgerechnet 940.000 Euro gekostet haben.
Lukas Podolski am Rande des letzten Spiels seiner Karriere
Foto: Art Service / PAP / dpaPodcaster Tommi Schmitt sprach Podolski nun bei »Copa TS« darauf an, wie Podolski wohl in seiner Jugend reagiert hätte, wenn ihm jemand gesagt hätte, dass ihm eines Tages ein Fußballclub gehört. »Früher gab es ja immer diese Managerspiele«, sagte Podolski: »Da hat man ja auch immer gespielt, nach der Schule oder vor der Schule sogar den Computer angeschmissen. Das macht einfach Spaß.«
Podolski glaubt an seine Managerqualitäten
Welches Managerspiel Podolski genau zockte, sagte er nicht. Aber ihm gefiel offenbar die gesamte Clubarbeit: »Also Stadion ausbauen, die Mannschaft zusammenstellen, man konnte einen Rasenplatz kaufen, konnte die Kabinen machen. Das hat mich damals schon fasziniert«, so Podolski: »Dann hat mich das vielleicht irgendwie begleitet.« Er sei immer einer gewesen, der nicht nur auf den Fußballplatz geschaut habe, sondern auch darüber hinaus.
Podolski verpflichtete sich indessen, Górnik Zabrze in den kommenden Jahren zu finanzieren. In dem Privatisierungsvertrag ist festgelegt, dass der Eigentümer umgerechnet knapp drei Millionen Euro zuschießen muss. Dieser Passus ermöglichte eine Senkung des Verkaufspreises.
Bereits vor dem Kauf hatte Podolski einige Anteile am Club gehalten. »Ich habe Sponsoren hierhin gebracht, ich habe Logen verkauft, ich habe Spielertransfers gemacht, ich habe den Verein auch irgendwo wieder auf die Weltkarte gebracht«, sagte Podolski. Górnik Zabrze ist 14-facher polnischer Meister, erreichte 1970 einmal das Finale des Europapokals der Pokalsieger. Nun, in seiner letzten Saison, gewann Podolski mit dem Club den polnischen Pokal und erreichte die Qualifikation für die Champions League.
Vor fünf Jahren habe die Situation des Clubs anders ausgesehen. »Dreieinhalb Monate haben wir kein Gehalt bekommen, da gab es bei uns in der Kabine Kaltwasser, weil die Stadt nicht die Rechnung bezahlt hat, der Rasenplatz war hart, weil die Heizung nicht ging.« Nun sehe die sportliche Situation besser aus: »Das zeigt mir einfach, dass ich irgendwie eine Qualität besitze, irgendwie Dinge auch neben dem Platz umzusetzen«, so Podolski.
Podolski wurde im nahe gelegenen polnischen Gliwice (Gleiwitz) geboren. 2003 begann seine Profikarriere beim 1. FC Köln. Er spielte auch für den FC Bayern, den FC Arsenal, Inter Mailand, Galatasaray und Vissel Kobe. Im Sommer 2021 wechselte Podolski von Antalyaspor in der Türkei nach Zabrze.
Lukas Podolski hat seine aktive Karriere beendet. Wie aus dem Spaßvogel von einst ein Weltmann geworden ist, lesen Sie hier.
