SpOn 15.07.2026
12:32 Uhr

Kylie Jenner: Aktivisten entstellen Werbung für Metas KI-Brillen in London


Kylie Jenner wirbt für KI-Brillen von Mark Zuckerbergs Konzern Meta. Doch die Kritik nimmt zu, in London wurde ein Plakat nun öffentlichkeitswirksam umgestaltet.

Kylie Jenner: Aktivisten entstellen Werbung für Metas KI-Brillen in London

Creepy statt sexy: Mit einer ungewöhnlichen Aktion haben Aktivisten die Zusammenarbeit der Werbeikone Kylie Jenner, 28, mit dem Facebook-Konzern Meta verurteilt. Wie die Gruppe »Everybody hates Elon« auf Instagram postete, wurde ein Werbeplakat an einer Londoner Bushaltestelle so verändert, dass der Reality-Star je nach Blickwinkel als gruseliges Alien erscheint. Die »Huffington Post« berichtete  zuerst von der Aktion.

Auf dem Plakat erscheint zugleich die Botschaft »We’re Always Watching« und das Logo des Social-Media-Konzerns Meta. Damit werden die sogenannten Smart Glasses des Konzerns kritisiert, in die eine Videokamera integriert ist. Jenner hat mit dem Konzern kooperiert, um eine eigene Linie der Meta Glasses in den Handel zu bringen, bei dem sie einem KI-Assistenten auch ihre Stimme lieh. Die Unternehmerin fungiert zudem als Werbegesicht.

Die Aktivistengruppe veröffentlichte ein Video des Plakats auf Instagram und schrieb dazu: »Ständig alles aufzeichnen, was wir sehen und tun? Das riecht nach Faschismus, nicht nach Mode, @kyliejenner, Schatz.«

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Das Design des entstellten Werbeplakats erinnert an den satirischen Actionfilm »Sie leben«, den Horrormeister John Carpenter 1988 in die Kinos brachte. Ein Gelegenheitsarbeiter, gespielt vom Wrestler »Rowdy« Roddy Piper, findet in dem Film eine Sonnenbrille, mit der er Außerirdische in Menschengestalt erkennen kann. Die Invasoren kontrollieren die Oberschicht und halten die gewöhnliche Bevölkerung mit unterschwelligen Botschaften gefügig. Die Symbolsprache und plakative Botschaften wie »Obey« – zu Deutsch: »Gehorche« – sind mittlerweile Standard-Meme der Kapitalismuskritik.

Kritik an den Kamerabrillen wird unterdessen immer lauter. Die Sängerin Lorde rief bei einem Konzert in Madrid kürzlich dazu auf, die neuen Gadgets nicht zu kaufen, sie seien »nicht sexy«.

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Zugleich häufen sich Beschwerden von Frauen, die ohne ihr Einverständnis heimlich gefilmt wurden. Meta versucht, dieser Kritik zu begegnen, und hat kürzlich angekündigt, dass die Geräte ihren Dienst versagen sollen, wenn ihre Nutzer die Statusleuchte manipulieren, mit der angezeigt wird, dass eine Aufnahme läuft.

Die »Financial Times« berichtet  aber auch, dass der Konzern an einer Version arbeite, bei der die Kamera dauerhaft aktiviert sei. Mehrere IT-Konzerne legen ihre Hoffnung in solche tragbaren Geräte, um Dienste mit künstlicher Intelligenz (KI) in den Alltag von immer mehr Menschen zu integrieren. Dazu sollen die Gadgets möglichst viel von der Umgebung des Trägers oder der Trägerin registrieren, um in jeder Situation direkt Hilfestellung geben zu können. OpenAI arbeitet Medienberichten zufolge an einem Smart Speaker, in dem ebenfalls Kamera und Mikrofone integriert sind.

Mehr zum Thema

Mit ihrer Brille wäre Kylie Jenner an immer mehr Orten nicht willkommen. Die Stadt Potsdam hat bereits angekündigt, solche Geräte in ihren Schwimmbädern zu verbieten, um insbesondere Besucherinnen zu schützen. Ähnliche Pläne gibt es in Baden-Württemberg.

Meta kooperiert etwa mit der Brillenmarke Ray Ban, um die KI-Brillen populär zu machen, hat aber auch günstigere Modelle auf den Markt gebracht. Weltweit wurden laut Hersteller bereits mehr als sieben Millionen Geräte verkauft.

2024 wurde eine 28-Jährige in Hamburg heimlich im Bikini von einem Mann mit Smart Glasses gefilmt. Das Video geht viral, in Kommentaren wird sie beleidigt. Wieso das kein Einzelfall ist und wie sie sich gewehrt hat, lesen Sie hier.

tmk