Auf dem Gelände des ehemaligen KZ-Außenlagers Leobersdorf südlich von Wien sollen ein Supermarkt und ein Kühllogistikzentrum entstehen. Das Internationale Mauthausen-Komitee (CIM) fordert nun einen Stopp der Bauarbeiten. Baumaschinen seien bereits vor einigen Wochen aufgefahren, teilte das CIM in einem Brief von Präsident Guy Dockendorf mit. Laut dem Brief ist Lidl als Betreiber des geplanten Supermarkts vorgesehen; der künftige Betreiber des Kühllogistikcenters ist laut CIM »ein großes deutsches Lebensmittelgroßhandels- und Logistikunternehmen«.
Die noch nicht überbaute Fläche des Frauenkonzentrationslagers, eines Außenlagers von Mauthausen, müsse als Gedenkort erhalten bleiben, so die Forderung. Das aktuelle Vorgehen sei ein »eklatanter Widerspruch zu den Grundsätzen heutiger Gedenkarbeit und Erinnerungskultur«. Kritik kam auch von lokalen Gedenkinitiativen, dem Mauthausen Komitee Österreich und der Gedenkstätte Mauthausen.
Hunderte inhaftierte Frauen
In dem Außenlager waren zwischen September 1944 und April 1945 rund 400 Frauen und Mädchen inhaftiert. Sie mussten Zwangsarbeit in der nahe gelegenen Munitionsfabrik Hirtenberg leisten. Nach der Auflösung des Lagers wurden die Gefangenen in einer Marschkolonne nach Mauthausen getrieben. Dabei wurden etliche von ihnen getötet.
»Zeugnisse der Nazivergangenheit und deren Verbrechen werden zerstört und unter einer Schicht aus Kies, Stahl und Beton begraben und damit für immer unsichtbar gemacht«, kritisiert das Komitee. Der Umgang mit dem Areal sei auch deshalb von überregionaler Bedeutung, weil die Häftlinge aus mehreren europäischen Ländern stammten und das Lager Teil des nationalsozialistischen Zwangsarbeits- und KZ-Systems gewesen sei.
»Wo immer aus der Verwertung eines Ortes mit NS-Vergangenheit wirtschaftliche Vorteile entstehen, erwächst eine besondere Verpflichtung der Profiteure, das Gedenken aktiv, dauerhaft und solidarisch zu sichern. Ebenso muss gewährleistet werden, dass der geplante Gedenkweg und Gedenkort finanziert und langfristig erhalten wird«, heißt es weiter.
Die Pläne für einen Gewerbepark auf dem Areal des ehemaligen Frauenkonzentrationslagers waren Ende 2024 medial publik geworden. Auch die Immobilienfirma von Bürgermeister Andreas Ramharter soll dabei involviert sein: Früheren Medienberichten zufolge soll Ramharter die Fläche für 15,25 Millionen Euro verkauft und durch Umwidmungen 1,34 Millionen Euro extra erhalten haben.
Das CIM hat seine Ursprünge in den damals illegalen Widerstandsorganisationen, die spätestens seit 1944 im KZ Mauthausen tätig waren.
