Ich möchte Nationalstolz nicht den falschen Leuten überlassen, um ehrlich zu sein. Aber ich weiß nicht, ob man das Wort überhaupt so benutzen kann darf. Da bin mir nicht sicher, ohne dass es falsch verstanden wird. Es wurde mir dann gesagt, man es als positiven Patriotismus bezeichnen. Gerne!
Vor kurzem sind Dinge passiert, es hat eine Wahl stattgefunden, die manche Leute wahrscheinlich okay fanden. Viele andere haben gedacht: Du lieber Himmel, was passiert denn da?
Ich kann aus meiner Sportlerperspektive sagen: Ich würde mir oder uns gerne die Fahne zurückholen, wenn ich ganz ehrlich bin. Ich möchte, dass wenn man sie schwingt, dass niemand denkt, was ist mit dir nicht in Ordnung, sondern dass man einfach nur das Gefühl hat: Ja, du bist happy und verstehst, dass du Glück hattest, dass du in diesem wundervollen Land geboren, aufgewachsen, zugezogen – und wie auch immer, dass du hier lebst. Das hätte ich schon ganz gerne.
Und ich finde, dass wir ein wundervolles Land sind, und die Kaderzusammenstellung ist so ein bisschen wie die generelle Situation in Deutschland: Ich habe nicht geguckt, was wir nicht haben, sondern ich habe geguckt, was wir haben.
Ich möchte jetzt nicht sagen, dass die Probleme in Deutschland so gelöst werden können, aber ab und zu mal drauf zu gucken, was wir eigentlich Gutes haben, wäre vielleicht auch für manche Leute durchaus eine Herangehensweise.
Also es ist wichtiger, dass wir Ärzte haben. Es ist wichtiger, dass wir Pflegepersonal haben. Es ist wichtig, dass wir ganz viele Menschen in ganz vielen Berufen haben. Aber wenn wir in dieser Zeit, in der wir uns mit Fußball beschäftigen – und wir sind nun mal Profis, wir tun den ganzen Tag nichts anderes. Aber wenn sich alle damit beschäftigen – in den Momenten ist es dazu da, dass wir uns besser fühlen.
Also kann man stolz darauf sein, Deutscher zu sein und trotzdem offen und vielfältig und nett, freundlich, kann man Mitgefühl haben, kann man all diese Dinge haben? Ich bin einhundertprozentig sicher: Ja.