Im JadeWeserPort von Wilhelmshaven ist dem Zoll einer der größten Kokainfunde der vergangenen Jahre gelungen. Wie die Staatsanwaltschaft Aurich und die Generalzolldirektion in Köln mitteilen, seien mehr als acht Tonnen der Droge mit einem geschätzten Straßenverkaufswert von rund 500 Millionen Euro sichergestellt worden.
Die Ladung war bereits am 9. Februar im JadeWeserPort gefunden worden. Bisher blieb der Fund aus ermittlungstaktischen Gründen geheim.
Laut den Ermittlern konnten durch die anschließende internationale Zusammenarbeit Mitte Mai zwei mutmaßliche Drahtzieher festgenommen werden. Dafür fingierten sie eine Containerübergabe in der spanischen Provinz Almería. Einer der Beschuldigten ist Geschäftsführer eines Importunternehmens.
Container mit Kokspaketen
Foto: German Customs Administration / EPADie Drogen befanden sich nach Angaben von Zoll und Staatsanwaltschaft in einem Seecontainer aus Westafrika, der laut Frachtpapieren mit Kakaobohnen beladen und für Spanien bestimmt war.
Beim Röntgen fielen der Kontrolleinheit des Hauptzollamtes Oldenburg laut eigenen Angaben Unregelmäßigkeiten auf. Beamte entdeckten daraufhin mehr als 400 mit schwarzer Folie umwickelte Pakete. Jedes Paket enthielt den Angaben zufolge rund 20 hart gepresste Kokainblöcke. Die Täter hatten die Pakete mit GPS-Sendern versehen, um den Standort der Fracht jederzeit überwachen zu können.
Um einen gewaltsamen Rückholversuch durch Kriminelle auszuschließen, wurde das Rauschgift unter strengen Sicherheitsvorkehrungen noch in Deutschland vernichtet.
Klingbeil kündigt Gesetz an
Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) würdigte den Erfolg als harten Schlag gegen den internationalen Drogenhandel. Der Vizekanzler dankte den Einsatzkräften und kündigte an, dem Kabinett in Kürze das sogenannte Zollfinanzgerechtigkeitsgesetz vorzulegen.
Der Zoll soll laut einem Referentenentwurf des Gesetzes neue technische und rechtliche Instrumente für den Kampf gegen die Organisierte Kriminalität erhalten. Unter anderem sollen Zollbehörden demnach »in bedeutsamen Fällen« Aufgaben der Strafverfolgung übernehmen. Das Vorhaben ist nicht unumstritten.
Der Deutsche Anwaltverein (DAV) kritisiert eine »Verpolizeilichung der Zollbehörden«, wie das Nachrichtenportal »Legal Tribune Online« (»LTO«) berichtet. Der DAV warnt demnach vor Kompetenzüberschreitungen, wenn die Grenze zwischen Gefahrenabwehr und Strafverfolgung verwischt.
