Seit Jahrzehnten betreiben die Nonnen des Ordens Carità di Santa Maria in Spotorno an der ligurischen Küste in Italien ein Strandbad. Damit könnte nun bald Schluss sein, denn die Gemeinde plant, aus dem Bereich einen frei zugänglichen Strand zu machen – zum Unmut der Ordensfrauen. Das berichten zahlreiche italienische Medien und auch die internationale Presse wie der »Guardian« .
Der Disput begann mit einem neuen Nutzungsplan für die Küste, der auch den Strandabschnitt, an dem sich das Bagni Gino Garrone befindet, betrifft. Mehrere bestehende Strandkonzessionen, darunter auch die der Nonnen, sollen demnach öffentlich ausgeschrieben werden. Das Ziel ist, die Quote der Strände zu erhöhen, die Besucher nutzen können, ohne Eintritt zu zahlen.
Die Nonnen veranstalten nicht nur soziale Aktivitäten wie eine Ferienbetreuung für Kinder, sondern vermieten auch Liegestühle und Sonnenschirme. Im Unterschied zu anderen Strandbetreibern würden die Einnahmen jedoch zur Finanzierung gemeinnütziger Zwecke genutzt, sagen die Ordensschwestern. Der Bürgermeister von Spotorno, Mattia Fiorini, erklärte, dass die Konzession in einen »frei zugänglichen, ausgestatteten Strand« umgewandelt werde. Wenn sie den Betrieb fortsetzen wollten, müssten die Nonnen an einer öffentlichen Ausschreibung teilnehmen.
»Warum will die Gemeinde uns unseren Strand wegnehmen?«
Eine der Nonnen, Schwester Miranda, konfrontierte den Bürgermeister laut einem Bericht des »Corriere della Sera« bei einer öffentlichen Debatte: »Er gehört uns«, sagte sie demnach. »Warum will die Gemeinde uns unseren Strand wegnehmen?« Ein »frei zugänglicher, ausgestatteter Strand« ist komplett kostenfrei zugänglich, für Liegen und Schirme können Besucher eine kleine Summe zahlen. Das sei deutlich weniger profitabel, argumentieren die Nonnen. Schwester Miranda sieht durch den möglichen Wegfall der Einnahmen sogar den Fortbestand eines Kindergartens, den die Nonnen betreiben, gefährdet.
-
18 Min
-
6 Min
-
2 Min
Bürgermeister Fiorini weist Berichten zufolge den Vorwurf zurück, die Maßnahme richte sich gegen den Orden. Es gehe lediglich darum, regionale Vorgaben und die europäischen Regeln für die Vergabe von Strandkonzessionen umzusetzen. Hintergrund der neuen Konzessionsvergabe ist auch die sogenannte Bolkestein-Direktive, die die Europäische Union 2006 erließ. Demnach müssen die Vergaben regelmäßig und für kürzere Laufzeiten ausgeschrieben werden. Sie soll für fairen Wettbewerb sorgen.
Die Debatte über die Strandnutzung beschäftigt nicht nur Spotorno. Ein junger Politiker setzt sich auf Instagram für frei zugängliche Strände ein – und wird bedroht. Lesen Sie hier ein Interview.
