Thore Schröder, DER SPIEGEL:
»Entführungen, Cyberangriffe, gezielte Tötungen, all das klingt nach Spionagefilm. Aber das ist der Alltag beim israelischen Auslandsgeheimdienst Mossad. Eine der spektakulärsten Operationen der vergangenen Jahre war die Pager-Operation im Libanon.
Was das für eine Aktion war, hat mir Ahmed Alafi erzählt, ein mittlerweile 33-jähriger Hisbollah-Kader.
Am 17. September 2024 saß der im Hisbollah-Büro in Baalbek in der libanesischen Bekaa-Ebene, als ein Ton von seinem Pager schrillte. Und er hat dann so, wie es auf dem Display angezeigt war, zwei Tasten gedrückt und dann ist dieses Gerät in seinen Händen explodiert. Und diese Explosion hat dafür gesorgt, dass er erblindet ist, dass er entstellt wurde.
Und das gilt nicht nur für ihn, sondern das gilt für Tausende andere Hisbollah-Angehörige.
Zeitgleich mit dem Pager von Ahmed Alafi ließ der Mossad im Libanon noch Tausende andere Geräte explodieren. Diese Aktion war über Jahre vorbereitet gewesen. Der Mossad hatte unter anderem Tarnfirmen in Bulgarien und Ungarn aufgebaut und diese Geräte systematisch der Hisbollah untergeschoben.
Zweifelhaft war sicher, dass bei dieser Aktion auch viele Unbeteiligte zu Schaden kamen. Aber aus Sicht Israels und des Mossad war das zweifelsohne eine sehr erfolgreiche Aktion. Die Schiitenmiliz war danach regelrecht dezimiert und desorientiert.
Der Mossad ist unter den westlichen Ausland-Diensten zumindest eine Art Alleskönner und vor allem ein »Allesdürfer«. Denn der Dienst unterliegt faktisch keiner parlamentarischen Kontrolle, sondern ist direkt dem Büro des Premierministers unterstellt. Namentlich Benjamin Netanyahu.
Nach der Pager-Aktion galt der Mossad auch international als ja geradezu unfehlbar und hat dann auch auf Geheiß des Premierministers einen Regimewechselplan für Iran ersonnen. Dieser Regimewechselplan ist, Stand jetzt, grandios gescheitert. «
17.6. Evian-Le Bain
Donald Trump, US-Präsident :
»Es ist eine Absichtserklärung. Wenn es innerhalb von 60 Tagen damit nicht klappt, dann bomben wir eben weiter.«
Thore Schröder, DER SPIEGEL:
»Durch den misslungenen Regimewechselplan in Iran ist der Ruf des Mossad ohnehin schon massiv angekratzt. Und jetzt kommt auch noch ein neuer Mossad-Chef und zwar Roman Gofman, ein Mann, der in Belarus geboren war, nach Israel emigriert ist und sich aus ganz kleinen Verhältnissen hochgearbeitet hat zu einem engen Vertrauten von Premier Netanyahu.
Dieser Roman Gofman ist schon jetzt zu seinem Start hochumstritten, weil er eine zweifelhafte Vergangenheit als Militärkommandeur hat, weil er keine substanzielle Geheimdiensterfahrung hat, und weil er zum Beispiel auch über so gut wie keine Englischkenntnisse verfügt.
Und all das nährt den Verdacht, dass Premier Netanyahu nun versucht, den Mossad noch mehr für sich und seine politische Agenda zu instrumentalisieren.«