Die aktuell geltende Waffenruhe zwischen der proiranischen Hisbollah-Miliz im Libanon und Israel soll nach US-Angaben um 45 Tage verlängert werden. Das teilte der Sprecher des US-Außenministeriums, Tommy Pigott, auf der Plattform X mit. Die Hisbollah äußerte sich zunächst nicht. Die Waffenruhe war in den vergangenen Wochen von beiden Seiten mehrfach verletzt worden.
Pigott kündigte eine weitere Gesprächsrunde zwischen Vertretern beider Seiten unter der Vermittlung des US-Außenministeriums Anfang Juni an. Zuvor solle Ende Mai noch im Pentagon ein militärischer Dialog zwischen Delegationen beider Länder stattfinden.
On May 14 and 15, the United States hosted two days of highly-productive talks between Israel and Lebanon. The April 16 cessation of hostilities will be extended by 45 days to enable further progress. The State Department will reconvene the political track of negotiations on June… pic.twitter.com/Dcs9NJDdN5
— Tommy Pigott (@statedeptspox) May 15, 2026
Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.
Die Verlängerung der Waffenruhe wurde an diesem Freitag nach einer dritten Gesprächsrunde zwischen israelischen und libanesischen Regierungsvertretern in Washington bekannt gegeben. Die vorherige Frist wäre am 17. Mai abgelaufen.
Waffenruhe war brüchig
Der Libanon und Israel hatten sich Mitte April erstmals auf eine Waffenruhe geeinigt. Der gegenseitige Beschuss zwischen Israel und der von Iran unterstützten Hisbollah wurde jedoch von beiden Seiten fortgesetzt. Im Libanon gibt es dabei weiterhin täglich Tote. Das israelische Militär hat Truppen im Südlibanon stationiert. Dort kommt es immer noch zu direkten Kämpfen mit der Hisbollah.
Insbesondere im Südlibanon greift das israelische Militär täglich weiter auch aus der Luft an. Zuletzt griff die israelische Luftwaffe auch wieder in einem Vorort der Hauptstadt Beirut an und tötete dort eigenen Angaben zufolge den Kommandeur der Hisbollah-Eliteeinheit Radwan.
- Im Südlibanon getötete Journalistin: Sie wusste, dass sie sterben könnte – und fuhr trotzdem Von Nikolai Antoniadis und Dunja Ramadan, Hamburg und Kairo
- Siedlungsbau und Gewalt im Westjordanland: Jeden Tag stirbt die Zweistaatenlösung ein Stück mehr Von Muriel Kalisch, Tel Aviv
- Fragile Waffenruhe zwischen Israel und dem Libanon: Jubelkorsos und Freudentaumel in Beirut, doch an der Grenze wird weiter geschossen Eine Analyse von Christoph Reuter
Laut der ursprünglichen Vereinbarung soll die libanesische Regierung die Hisbollah mit internationaler Hilfe daran hindern, vom Libanon aus israelische Ziele anzugreifen. Israel soll zwar auf »offensive Militäroperationen« im Libanon verzichten, darf sich aber gegen geplante, unmittelbar bevorstehende oder andauernde Angriffe verteidigen.
Bisher sind seit Beginn des erneuten Kriegs Anfang März im Libanon rund 2900 Menschen getötet worden. Darunter sind zahlreiche Frauen und etwa 200 Kinder.
Israel will dauerhafte Entwaffnung der Hisbollah
Seit Mitte April führen der Libanon und Israel zum ersten Mal seit Jahrzehnten direkte Gespräche auf politischer Ebene. Sie werden von den USA in Washington vermittelt. Israel will eine dauerhafte Entwaffnung der von Iran unterstützten Hisbollah durchsetzen.
Die libanesische Regierung, die keine aktive Kriegspartei ist, pocht zunächst auf Deeskalation und eine dauerhafte Waffenruhe. Eine Normalisierung der Beziehungen hat die libanesische Regierung unter den aktuellen Bedingungen mehrfach ausgeschlossen. US-Präsident Donald Trump strebt ein Treffen zwischen Israels Regierungschef Benjamin Netanyahu und Libanons Präsidenten Joseph Aoun an. Der Libanon hat das bisher abgelehnt.
Die Hisbollah sieht in den Gesprächen mit Israel eine Kapitulation. Sie fordert einen Stopp der Angriffe Israels und auch den vollständigen Abzug der Truppen aus dem Südlibanon. Der aktuell vereinbarten Waffenruhe hat sie nicht selbst zugestimmt.
Nach mehr als zwei Jahren Krieg an etlichen Fronten ist Israels Premier Benjamin Netanyahu weit entfernt von dem versprochenen »totalen Sieg«. Lesen Sie hier den ganzen Text über Israels Regierungschef.
