Der Konjunkturchef des RWI-Leibniz-Instituts, Torsten Schmidt, warnt vor hoher Inflation, sollte der Irankrieg länger als vier Wochen dauern. »Hohe Ölpreise treiben die Verbraucherpreise. Bei einem längeren Krieg könnte die Inflation in diesem Jahr vorübergehend auf sechs Prozent steigen«, sagte Schmidt der »Rheinischen Post«. »Dann ist das Wirtschaftswachstum weg, Deutschland würde in das vierte Jahr der Rezession rutschen.«
Sollte der Krieg mehr als vier Wochen dauern und Iran weiter Öl- und Gasanlagen in den Golfstaaten zerstören, komme es zu echten Engpässen auf dem Weltmarkt. »Dann halte ich auch einen Ölpreis von 150 Dollar pro Barrel für möglich«, sagte Schmidt.
Tanken bleibt teuer
Sollte der Krieg dagegen Ende des Monats beendet sein, steige die Inflation nicht ganz so stark: »Die Inflationsrate wird im Sommer auf drei Prozent steigen, für das Gesamtjahr erwarten wir 2,6 Prozent.« Die Spritpreise werden aus Sicht von Schmidt hoch bleiben: »Die Preise für Benzin und Diesel werden zunächst auf hohem Niveau und bei zwei Euro pro Liter bleiben.«
Sorge bereitet dem Ökonomen die Lage beim Gas. 20 Prozent Füllstand in den Speichern seien sehr wenig. »Ich sehe das Risiko, dass wir die Gasspeicher bis zum Winter nicht voll bekommen – vor allem dann, wenn der Irankrieg länger dauert als gedacht.« Bei den hohen Preisen hätten Händler keinen Anreiz, Gas einzuspeichern. »Beim Gas spielen wir sprichwörtlich mit dem Feuer«, sagte Schmidt und regte eine strategische Gasreserve wie beim Öl an.
