Die Bemühungen um einen Frieden im Nahen Osten gehen weiter. Doch allzu vielversprechend wirken die jüngsten Entwicklungen nicht. US-Präsident Donald Trump hält Irans Reaktion auf den US-Vorschlag zur Beendigung des Krieges für nicht hinnehmbar. »Ich habe gerade die Antwort der sogenannten ›Vertreter‹ Irans gelesen. Das gefällt mir nicht – VÖLLIG INAKZEPTABEL«, schrieb er auf seiner Plattform Truth Social .
𝗗𝗼𝗻𝗮𝗹𝗱 𝗝. 𝗧𝗿𝘂𝗺𝗽 𝗧𝗿𝘂𝘁𝗵 𝗦𝗼𝗰𝗶𝗮𝗹 𝗣𝗼𝘀𝘁 - 𝟬𝟰:𝟭𝟮 𝗣𝗠 𝗘𝗦𝗧 𝟬𝟱.𝟭𝟬.𝟮𝟲
— Commentary Donald J. Trump Posts From Truth Social (@TrumpDailyPosts) May 10, 2026
I have just read the response from Iran’s so-called “Representatives.” I don’t like it — TOTALLY UNACCEPTABLE! Thank you for your attention to this matter. President DONALD J.…
Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.
Eine Reaktion aus Iran fiel kühl aus. Die Nachrichtenagentur Tasnim – die den Revolutionswächtern nahesteht – zitierte eine informierte Quelle, der zufolge Trumps Reaktion keinerlei Bedeutung habe. Niemand in Iran verfasse Vorschläge, um Trump zu gefallen, hieß es. Und wenn der US-Präsident mit einem Vorschlag nicht einverstanden sei, zeige das nur, dass man die richtigen Forderungen im Interesse Irans gestellt habe. Das Verhandlungsteam solle grundsätzlich nur Vorschläge ausarbeiten, die zum Wohle des iranischen Volkes seien.
Eine Annahme des US-Vorschlags hätte die Unterwerfung der Islamischen Republik unter die »überzogenen Forderungen« von US-Präsident Trump bedeutet, kommentierte unter anderem der regierungstreue Sender Press TV.
Irans Regierung hatte vor wenigen Tagen mitgeteilt, man prüfe den Vorschlag aus den USA. Dabei handelt es sich um eine 14 Punkte umfassende Absichtserklärung. Deren Ziel war es unter anderem, einen Rahmen für zunächst 30 Tage dauernde Verhandlungen zu schaffen, um den Krieg zu beenden. Im Raum standen laut Medienberichten auch eine Lockerung von US-Sanktionen sowie Vereinbarungen zur Zukunft der Straße von Hormus. Zudem solle eine Grundlage für Verhandlungen über Irans umstrittenes Atomprogramm geschaffen werden.
Irans Antwort auf diese US-Vorschläge war an den Vermittler Pakistan weitergegeben worden, wie die staatliche iranische Nachrichtenagentur Irna berichtete. Laut dem Staatssender Irib konzentriert sich der von Iran vorgeschlagene Text auf die Beendigung der Kampfhandlungen an allen Fronten, insbesondere im Libanon, sowie auf die Gewährleistung der Sicherheit der Schifffahrt. Zudem sah der von Iran vorgelegte Plan vor, dass die USA Reparationen zahlen müssten.
Trotz des diplomatischen Hickhacks zeigte sich Trump zuversichtlich, dass die Vereinigten Staaten »irgendwann« das angereicherte Uran des Regimes sichern würden. »Nun, wir werden das irgendwann bekommen, zusammen mit allem, was wir wollen«, sagte er in einem am Sonntag veröffentlichten Interview der Sendung »Full Measure«. Das Material stehe »unter Beobachtung« der USA, behauptete Trump weiter. »Wenn sich jemand dem Ort nähert, werden wir davon erfahren, und wir werden ihn in die Luft jagen.«
Irankrieg, Inflation, desaströse Umfragewerte: Donald Trump steht enorm unter Druck. Noch kein Grund, ihn abzuschreiben, aber Trumps Interesse am Krieg scheint abzunehmen, sagt SPIEGEL-Korrespondentin Amalia Heyer hier im Podcast.
Auch der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu verwies darauf: Es gebe immer noch angereichertes Uran, das aus Iran entfernt werden müsse, sagte er in der CBS-Sendung »60 Minutes« laut vorab veröffentlichter Vorschau. Solange dies nicht passiert sei, sei der Krieg nicht beendet. Auf die Frage, wie das hoch angereicherte Uran aus Iran entfernt werden solle, sagte Netanyahu: »Man geht hin und holt es heraus.« Wie dies genau ablaufen und bis wann das Material aus Iran geschafft werden solle, wollte Netanyahu nicht sagen.
Senator umreißt Munitionsmangel durch Irankrieg
Unterdessen warnte ein US-Senator davor, dass die Munitions- und Raketenvorräte des US-Militärs stark verringert seien. Es sei »schockierend, wie stark wir diese Bestände aufgebraucht haben«, sagte Mark Kelly in der CBS-Sendung »Face the Nation«. Es werde Jahre dauern, diese Bestände wieder aufzubauen. Als Mitglied des Streitkräfteausschusses hatte das Pentagon den Senator aus Arizona über bestimmte Munitionsarten informiert – nach Kellys Aussage gehörten dazu etwa Angaben zu Raketen der Typen Tomahawk, Atacms, SM-3 oder für Patriots.
Senate Armed Services Committee member Sen. Mark Kelly (D-AZ) says the Pentagon has updated lawmakers on how many attack missiles and interceptor rounds have been fired off since the start of the war with Iran, and he says “it’s shocking how deep we have gone into these… pic.twitter.com/hxabwbJr1m
— Face The Nation (@FaceTheNation) May 10, 2026
Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.
Kelly mahnte, dass die USA im Falle eines längeren Angriffs nicht in der Lage sein könnten, ihr Land zu verteidigen. Die Vereinigten Staaten würden sich dann in einer schlechteren Lage befinden, »als wir es sonst wären, wenn dieser Krieg in Iran nicht stattgefunden hätte«. Er kritisierte, dass Trump die USA in einen Krieg »ohne strategisches Ziel, ohne Plan, ohne Zeitplan« hineingezogen habe. Kelly gilt als scharfer Kritiker des US-Präsidenten – und bekommt immer wieder Vergeltungsmaßnahmen der Trump-Regierung zu spüren (mehr dazu hier).
Derzeit versucht das Pentagon, eine deutliche Erhöhung der Verteidigungsausgaben genehmigt zu bekommen. Der Haushaltsentwurf der Trump-Regierung sieht für das Haushaltsjahr 2027 knapp 1,5 Billionen US-Dollar für Verteidigungsausgaben vor. Kelly bezeichnete dies als unverschämt. Das Budget des Pentagon habe bei seinem Start im Senat vor fünfeinhalb Jahren bei 700 Milliarden Dollar gelegen, sagte er weiter bei »Face the Nation«.
Eine vertrauliche Geheimdiensteinschätzung kommt laut »Washington Post« zu dem Ergebnis, dass Iran deutlich besser dasteht als von Donald Trump behauptet. Damit wird deutlich, dass die US-Strategie ein grundlegendes Problem hat. Warum jetzt offenbar auch die CIA dem Präsidenten widerspricht, lesen Sie hier .
