Die Leiterin einer UN-Untersuchung erklärte am Montag, dass ein israelischer Luftangriff auf das berüchtigte Teheraner Gefängnis im vergangenen Juni ein Kriegsverbrechen darstelle und warnte vor weiteren Repressionen durch die aktuellen US-israelischen Bombardierungen.
»Wir haben genügend Anhaltspunkte dafür, dass Israel bei den Luftangriffen auf das Evin-Gefängnis ein Kriegsverbrechen begangen hat, indem gezielt ein rein ziviles Gebäude angegriffen wurde«, sagte Sara Hossain, Vorsitzende des Experten-Gremiums. Ihr aktueller Bericht, der auf Interviews mit Opfern und Zeugen, Satellitenbildern und weiteren Dokumenten basiert, wurde am Montag dem UN-Menschenrechtsrat in Genf vorgestellt.
Knapp 80 Tote, darunter acht Frauen und ein Kind
Militärische Interventionen »bewirken keinen nachhaltigen Wandel« in Iran, sagte Hossain zudem über die aktuellen Angriffe der Vereinigten Staaten und Israels auf Iran. Stattdessen drohten jetzt noch stärkere Repressionen gegen Irans Kritiker – so wie nach den ersten US-israelischen Angriffen im Juni 2025, warnte sie.
Die Luftschläge im vergangenen Juni mit rund 80 Todesopfern – darunter ein Kind und acht Frauen – hätten eine zivile iranische Einrichtung und kein militärisches Ziel getroffen. So hieß es in dem Bericht von drei unabhängigen Juristen, die die Lage in Iran für den UN-Menschenrechtsrat in Genf beobachten.
Israels Vertretung bei den Vereinten Nationen in Genf teilte mit, dass eine Reaktion auf die Anschuldigung wohl erst am Dienstag vorliegen werde. Laut dem Bericht hat Israel argumentiert, dass der Angriff ein Schlag gegen die Unterdrückung in Iran und gegen antiisraelische Spionagetätigkeiten im Evin-Gefängnis gewesen sei.
Die UN-Menschenrechtler verurteilten auch Irans Regierung und Behörden: Schwere Menschenrechtsverletzungen wie Mord, Haft, Folter, sexualisierte Gewalt und die Verfolgung von Frauen seien Verbrechen gegen die Menschlichkeit, hieß es.
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