Die irische Airline Ryanair rechnet wegen des Irankriegs mit deutlich steigenden Kosten. Kerosin, Personal und Flugzeugwartung dürften im laufenden Geschäftsjahr teurer zu Buche schlagen, teilte die Fluggesellschaft bei der Vorstellung ihrer Jahresbilanz mit. Im abgelaufenen Geschäftsjahr bis Ende März flog Ryanair einen überraschend hohen Milliardengewinn ein.
Eine Prognose für das neue Geschäftsjahr wollte Konzernchef Michael O’Leary jedoch nicht nennen. An der Börse verlor die Ryanair-Aktie nach Handelsbeginn in Dublin mehr als drei Prozent auf 21,28 Euro. Seit dem Jahreswechsel hat sie damit rund 28 Prozent eingebüßt. Der Krieg am Persischen Golf hat den Luftfahrtsektor seit Ende Februar allgemein in den Sinkflug geschickt.
Branchenexperte Harry J. Gowers von der US-Bank JPMorgan Chase zeigte sich von Ryanairs Gewinn aus dem abgelaufenen Geschäftsjahr positiv überrascht. Die Airline habe im reiseschwachen vierten Geschäftsquartal bis Ende März weniger Verlust eingeflogen als erwartet.
Dennoch dürften die Aussichten nun schlechter sein, auch wenn sich Ryanair zum größten Teil gegen höhere Treibstoffpreise abgesichert hat. Für 80 Prozent des erwarteten Bedarfs im Geschäftsjahr 2026/27 wurde ein Preis von 67 US-Dollar je Barrel ausgehandelt – weniger als im Vorjahr, erklärte das Unternehmen. Allerdings dürfte der Rest nun umso teurer werden.
Sprit-Mehrkosten in Milliardenhöhe
Ryanair-Finanzchef Neil Sorahan sagte der Nachrichtenagentur Bloomberg, die Kerosinrechnung sei nun um »mehrere Hundert Millionen« Euro gestiegen. Auch andere große europäische Airline-Konzerne wie Lufthansa, Air France-KLM und die British-Airways-Mutter IAG rechnen für 2026 jeweils mit Sprit-Mehrkosten in Milliardenhöhe.
Ryanairs Michael O’Leary erklärte, er halte es für »noch viel zu früh«, um eine aussagekräftige Gewinnprognose abzugeben. Wie das Geschäftsjahr ausgehe, hänge stark von externen Entwicklungen ab. Ende Juli will O’Leary, falls möglich, mit den nächsten Quartalszahlen Ende Juli eine klarere Einschätzung abgeben.
Die Zahl der Ryanair-Passagiere wuchs um vier Prozent auf mehr als 208 Millionen. Weil die Gesellschaft ihre Ticketpreise nach einem Rückgang im Schnitt um zehn Prozent erhöht hatte, legte der Umsatz um elf Prozent auf 15,5 Milliarden Euro zu. Der Überschuss stieg sogar um gut ein Drittel auf fast 2,2 Milliarden Euro.
Wenn man eine verbuchte Strafzahlung in Italien herausrechnet, lag der Gewinn bei 2,26 Milliarden Euro und war höher als von Analysten im Schnitt erwartet. Ryanair wehrt sich weiterhin gegen die von Italiens Wettbewerbsbehörde verhängte Geldstrafe und hat nur ein Drittel der geforderten Summe als Sondereffekt verbucht.
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Unterdessen zeigte sich O’Leary glücklich, dass der kriselnde Flugzeughersteller Boeing inzwischen alle 210 Mittelstreckenjets von Typ 737 Max aus einer früheren Bestellung geliefert hat. Ryanairs konzernweite Flotte zählte damit Ende März 647 Flugzeuge. Ab Frühjahr 2027 erwartet O’Leary nun die ersten Exemplare der Langversion 737 Max 10.
Boeings Flugzeugauslieferungen hatten sich in den vergangenen Jahren nach zwei Abstürzen, einem Beinahe-Unglück, Produktionsmängeln und entsprechenden Konsequenzen der US-Luftfahrtbehörde FAA erheblich verzögert. Ryanair musste seine Wachstumspläne eindampfen. Im Gegenzug hatte Boeing den Iren hohe Vertragsstrafen bezahlt. Da im vergangenen Geschäftsjahr endlich mehr Jets eintrafen, strich Ryanair nun entsprechend weniger Entschädigungszahlungen ein.
