SpOn 06.10.2026
10:29 Uhr

Industrieaufträge brechen im August unerwartet stark ein


Rückschlag für die deutsche Wirtschaft: Im August sank die Anzahl der Industrieaufträge überraschend stark. Ökonomen sehen den Aufschwung aber trotzdem intakt.

Industrieaufträge brechen im August unerwartet stark ein

Die kleine Erfolgsserie der deutschen Industrie ist im August gerissen: Nach zuvor drei Anstiegen in Folge musste sie diesmal einen unerwartet starken Auftragseinbruch ​hinnehmen. Das Neugeschäft schrumpfte um 10,6 Prozent im Vergleich zum Vormonat und damit so stark wie seit Jahresbeginn nicht ‌mehr, teilte das Statistische Bundesamt mit. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hatten nur mit einem Rückgang von 1,0 Prozent gerechnet. Der Einbruch hängt mit dem Ausbleiben von Großaufträgen zusammen: Werden diese ausgeklammert, hätte das Minus im August nur 0,1 Prozent betragen.

Die negative Entwicklung geht fast ausschließlich ​auf den starken Rückgang im Bereich des sonstigen Fahrzeugbaus zurück, zu dem Flugzeuge, Schiffe, Züge und Militärfahrzeuge ⁠gehören. Der Auftragseingang ⁠in diesem Bereich sank im August um 61,5 Prozent zum Vormonat. Im Juli hatte er sich wegen eines außergewöhnlich hohen Volumens an Großaufträgen im Schiff-, Schienenfahrzeug- und Flugzeugbau noch mehr ‌als verdoppelt. Die Bundesregierung steckt Milliarden in die Modernisierung der ​Bundeswehr.

Gut gefüllte Auftragsbücher

»Am grundsätzlich positiven ‌Bild ändert das wenig«, sagte Ökonom Michael Herzum vom Fondsanbieter Union Investment. Die Auftragslage der deutschen Industrie habe sich seit Herbst 2025 deutlich verbessert. »Die Auftragsbücher sind gut gefüllt und bieten der Industrie rechnerisch ein Polster von rund neun Monaten«, sagte Herzum. ‌Ob aus den vollen Auftragsbüchern tatsächlich mehr Wachstum entstehe, entscheide sich bei den Investitionen. Noch fehle den Unternehmen das Vertrauen, Produktion und Kapazitäten hochzufahren. »Die deutsche Industrie hat sich ‌stabilisiert und die Perspektiven sind gut – ​ein Boom ist das aber noch nicht«, ‌sagte Herzum.

Mehr zum Thema

Die Auslandsaufträge fielen im August um 5,4 Prozent geringer ‌aus. Die ​Inlandsaufträge brachen sogar um 17,3 Prozent ein. Im weniger schwankenden Dreimonatsvergleich lag der Auftragseingang von Juni bis August um 1,3 ​Prozent höher als in den drei Monaten ⁠zuvor. Ohne Großaufträge sank er ​um 2,6 Prozent.

Stabil ​geblieben sind im August die Einnahmen: Der inflationsbereinigte Umsatz im verarbeitenden Gewerbe verharrte auf dem Niveau des Vormonats.

Noch mehr Wirtschaft für SPIEGEL-Abonnenten

Als Abonnentin oder Abonnent von SPIEGEL+ haben Sie die Möglichkeit, manager+ zum Vorteilspreis dazuzubuchen. Darin enthalten sind alle Inhalte von manager magazin+ und Harvard Business manager+. Damit ist es das ideale Abo für alle, die tiefe Einblicke in die deutsche Wirtschaft, die Chefetagen großer Unternehmen und in die spannendsten Start-ups suchen. Jetzt flexibel upgraden: Sichern Sie sich manager+ für nur 2 Euro pro Woche!

hej/Reuters