SpOn 17.09.2026
07:08 Uhr

Immobilien: Hohe Bauzinsen dämpfen Nachfrage


Eigenheimträume auf Eis: Hohe Bauzinsen und die Inflation bremsen den deutschen Immobilienmarkt deutlich aus. Besonders Häuslebauer und Grundstückskäufer spüren die Trendwende.

Immobilien: Hohe Bauzinsen dämpfen Nachfrage

Mit Inflationssorgen und stark gestiegenen Bauzinsen schrecken viele Menschen vor dem Hausbau oder Wohnungskauf zurück. Das Hamburger Gewos-Institut für Stadt-, Regional- und Wohnforschung erwartet in seiner jährlichen Marktanalyse, dass sich die Nachfrage nach Immobilien dieses Jahr deutlich abkühlt.

Gewos analysiert jährlich abgeschlossene Kaufverträge für alle kreisfreien Städte und Landkreise in Deutschland. Für die Prognose wurden Daten der Gutachterausschüsse aus dem ersten Halbjahr verwendet. Noch 2025 und 2024 waren der Immobilienumsatz und die Verkäufe laut Gewos deutlich gestiegen.

Bauzinsen auf Hoch seit Mai 2011

Grund für die Trendwende nach zwei Jahren mit steigenden Verkäufen seien die erschwerten Bedingungen, die zu Kaufzurückhaltung führe. »Neben den Bauzinsen ziehen auch die Baupreise und die allgemeine Teuerung wieder stärker an«, schreibt Gewos-Immobilienexperte Sebastian Wunsch. Dazu kämen Sorgen über Kriege und Zollkonflikte sowie eine etwas strengere Kreditvergabe von Banken.

Hauptgrund für die Abkühlung am Immobilienmarkt sind gestiegene Kreditzinsen infolge des Irankriegs. Zuletzt stiegen die Zinsen für Baufinanzierungen mit zehn Jahren Zinsbindung auf rund 4,25 Prozent jährlich, wie die Analysefirma Barkow Consulting gegenüber der Nachrichtenagentur dpa mitteilte. Das sei der höchste Stand seit Mai 2011.

Nachfrage sinkt, Vermarktungszeitraum wird länger

Konkret prognostiziert Gewos, dass die Zahl der Käufe von Wohnimmobilien – Eigenheime, Eigentumswohnungen, Mehrfamilienhäuser und Wohnbauland – in diesem Jahr auf rund 612.000 sinkt. Das wären 4,4 Prozent weniger als 2025. Der Umsatz mit Wohnimmobilien dürfte zudem um 2,0 Prozent auf knapp 211 Milliarden Euro fallen. Bei Wirtschaftsimmobilien seien etwas größere Rückgänge zu erwarten.

Nach Ansicht von Gewos-Experte Wunsch deuten die schwachen Verkäufe von Bauland auf Rückschläge im Wohnungsbau hin. Die Baugenehmigungen, die sich jüngst stark erholten, könnten wieder sinken. »Auch mittelfristig sehen wir aktuell nur ein begrenztes Wachstumspotenzial für den deutschen Immobilienmarkt.«

Im zweiten Quartal habe die Nachfrage nach Wohneigentum »einen erheblichen Dämpfer« erhalten, beobachtet Wunsch. So seien die Anfragen auf Inserate bei Immobilienportalen gesunken und Vermarktungszeiträume gestiegen.

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Besonders stark dürfte 2026 demnach die Zahl der Eigenheimkäufe schrumpfen mit einem Minus von mehr als fünf Prozent. Ähnlich sehe es bei Wohnbauland aus. Die Transaktionen von Mehrfamilienhäusern dürften dagegen leicht wachsen, denn Investoren profitieren von steigenden Mieten.

jmm/dpa